Alles zweimal

von Anja Weinberger

Alles zweimal – Doppler, Fürstenau, Moyse und co.

Wir Flötisten stolpern ja immer mal wieder über dieses gezeichnete Bild der Flöte spielenden Doppler-Brüder, einer hält die Flöte nach rechts, einer nach links – und das bei dem Namen. Letzthin habe ich nun leider gelesen,  das sei reine Erfindung. Beide haben, wie wir alle, nach rechts gespielt. Schade eigentlich, ich fand diese Vorstellung immer sehr nett.

Die meisten von uns kennen Literatur der Dopplers, vielleicht die Fantaisie pastorale hongroise oder das Konzert in d-moll für 2 Flöten. Kurz gesagt, der Name ist uns allen geläufig, aber viel mehr wissen wir nicht. Mal sehen, was da so zu finden ist.

Aha, die beiden lebten lange Zeit als Flötisten in Ungarn. Manch ein Titel ihrer Werke ließ ja schon so etwas vermuten.

Nun aber von vorne…

 

Franz und Karl Doppler wurden in der heutigen Ukraine in der recht großen Stadt Lemberg geboren. Sie waren deutsche Muttersprachler in einem Ort voller unterschiedlicher Ethnien. 1772 war Lemberg mit der ersten polnischen Teilung an die Habsburgermonarchie gefallen und wurde dabei zur Hauptstadt des Königreiches Galizien. Joseph Doppler, der Vater der beiden, war Oboist, Fagottist, Komponist und Militärkapellmeister in der österreichisch-ungarischen Armee.  

Und nun wurde 1821 Franz geboren und Karl 1825. Beide Kinder scheinen musikalische sehr begabt gewesen zu sein. In Lemberg existierte ein reiches Kulturleben und der eine oder andere gute Flötist gastierte dort. Möglicherweise haben die Brüder so das Instrument entdeckt oder aber der Vater hat ihnen die gerade sehr in Mode kommende Flöte schmackhaft gemacht. Jedenfalls begannen beide Söhne Flöte zu spielen und machten sehr schnell große Fortschritte. Es wird vermutet, dass Franz und Karl bei dem recht bekannten Virtuosen Michal Jackowski Unterricht bekommen haben.

1826 verließ der Vater das Regiment und wurde Oboist am Warschauer Opernhaus. Die Familie zog in den Folgejahren recht häufig um. Stationen waren Krakau, Bukarest und schließlich 1838 Budapest.

 

Trotzdem behielt man Kontakt zu Lemberg.

1834 konzertierte der 12jährige  Franz, den erhaltenen Kritiken nach sehr eindrucksvoll, mit Variationen von Drouet im dortigen Theater und einige Monate später dann ebenso in Wien. 1835 wurde er schon Soloflötist der Bukarester Oper und 1838 erster Flötist der deutschsprachigen Oper in Pest, wo auch der Vater arbeitete. Da war er 17 Jahre alt. Drei Jahre später erfolgte das Engagement im ungarischen Nationaltheater.

Zu dieser Zeit hatte er schon erste Werke für Flöte geschrieben und sich als Komponist einen Namen gemacht. Es folgten recht bald Opern mit patriotischem Inhalt in ungarischer Sprache, die beim Publikum sehr großen Erfolg hatten.

 

1837 wurde der gerade einmal 12jährige Karl, also der jüngere Bruder, 2. Flötist am Stadttheater in Buda, gab sein erstes Flötenkonzert und wurde drei Jahre später Soloflötist – mit 15! Zu dieser Zeit begann auch er zu komponieren. Er schrieb Orchesterwerke, Theatermusiken und Chöre. Besonders erfolgreich war sein Ballett „Der Zauberer“, das 1843 uraufgeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht einmal 20 Jahre alt. 1845 erfolgte schließlich sein Debut als Dirigent des Stadttheaters. Und 1850 wurde er dann Kapellmeister am ungarischen Nationaltheater.

Nun waren beide Brüder also am selben Hause vereint.

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Schon seit 1843 hatten Franz und Karl als Flötisten-Duo immer wieder gemeinsame, kürzere Konzertreisen unternommen. Sie gastierten z. B. in Kiew und Bukarest, aber auch in einigen russischen Städten. Ab 1853 feierten sie  ihre ganz großen Erfolge und ab diesem Zeitpunkt wurden ihre Reisen dann weiter und länger. Die beiden gastierten u.a. in Wien, Prag, Berlin, Dresden, Leipzig, Weimar, Hamburg, Brüssel, Paris, London und wurden überall bejubelt. Das bis heute sehr oft zu hörende Konzert für 2 Flöten und Orchester wurde zu ihrem Bravourstück. Manchmal fand in diesem Zusammenhang auch die Aufführung einer ihrer Opern wie z.B. „Beniowski“ oder „Ilka“ statt, die Franz dann selbst dirigierte. Von den Auftritten der späteren 50er-Jahre sind zahlreiche Zeitungsartikel erhalten, die voller Euphorie vom schönen Klang, der perfekten Symmetrie und der perlenden Technik der beiden Brüder berichteten.

 

Liszt, Wagner, Meyerbeer, Brahms, Rubinstein und Moscheles waren häufig in Budapest bei den Dopplers zu Besuch. V.a. Franz Liszt und Franz Doppler schätzten sich sehr. Liszts Ungarische Rhapsodien und noch einige andere seiner Werke wurden auf Wunsch des Komponisten  von Doppler instrumentiert. Auch diese Orchesterbearbeitungen verhalfen Doppler zu breitem Ruhm.

Gemeinsam mit Ferenc Erkel gründeten die Doppler-Brüder 1853 die ungarische philharmonische Gesellschaft, durch die das Budapester Philharmonische Orchester entstehen konnte, das erste Berufsorchester Ungarns. Erkel hatte übrigens 1844 auch die ungarische Nationalhymne komponiert.

 

Im Februar 1858 schloss Franz dann einen Vertrag mit der Hofoper in Wien. Er wurde dort Soloflötist und Dirigent des Hofballettes. Von nun an schuf er zahlreiche Ballette, die großen Erfolg hatten. 1865 wurde er Professor für Flöte am Wiener Konservatorium und behielt diese Stelle bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1883.

Inzwischen war beider Vater 1859 verstorben und Karl folgte dem Bruder mit 4 Jahren Abstand nach Wien. Er blieb allerdings nur drei Jahre dort, denn die Hofoper Stuttgart umwarb die Brüder Doppler und Karl wurde letztendlich dort, in Stuttgart, Musikdirektor, Operndirigent, schließlich Königlicher Hofkapellmeister und Kompositionslehrer am Konservatorium. Er überlebte seinen Bruder um 17 Jahre und starb 1900.

 

Die Bühnenwerke der Gebrüder Doppler waren zu ihren Lebzeiten sehr große Erfolge an vielen Opernhäusern der k.u.k.Monarchie. Heute sind sie größtenteils aus den Spielplänen verschwunden. Und obwohl ihre Muttersprache deutsch war, fühlten sie sich der ungarischen Bevölkerung sehr verbunden. Häufig sah man sie in patriotischer, ungarischer Tracht. Ihre Opern gelten in Ungarn, Polen und Österreich als Nationalopern. Franz Doppler besaß die besondere Fähigkeit, spezifische nationale Elemente und volkstümliches Kolorit in  Rhythmus und Melodie  seiner Werke zu spiegeln.

Die Werke für Flöte, viele davon eben auch für zwei Flöten, sind  nach wie vor sehr populär. Die Möglichkeiten der damaligen Flöte maximal ausnutzend, sind sie äußerst virtuos, durchaus technisch anspruchsvoll und erfreuen das Zuhörerohr mit unkomplizierten, aber sehr charmanten und ideenreichen Melodien.

 

Schon 1832 und 1847 hatte Theobald Böhm in Deutschland die entscheidenden Schritte hin zu einer besser spielbaren und klangvolleren Flöte gemacht. Die Gebrüder Doppler haben diese Flöten nicht benützt, obwohl sie mit allergrößter Sicherheit von ihnen gewusst haben müssen. V.a. 1847, als die zylindrische Böhmflöte  auf den Markt kam, waren Franz und Karl ja schon Virtuosen ihres Instrumentes, und ein sehr großer Übeaufwand wäre nötig gewesen, um auf die neue Böhmmechanik umzusteigen. Man muss dabei bedenken, dass die Fingertechnik wirklich eine völlig konträre war. Vielen Flötisten wird es so oder so ähnlich ergangen sein.

Franz und Karl Doppler spielten auf konischen achtklappigen Holzflöten mit Elfenbeinkopf, die eine Extension besaßen bis zum kleinen a. Hergestellt wurden diese Instrumente von der Firma Ziegler in Wien, eine der quantitativ und qualitativ bedeutendsten Firmen für Holzblasinstrumentenbau im deutschsprachigen Raum.

Auch in Deutschland gab es ein Flötistenpaar gleichen Namens, die Fürstenaus. Allerdings handelte es sich in diesem Fall um Vater und Sohn. Und gar nicht so unähnlich sind die Ursprünge. In Münster war Franz Carl Fürstenau Regiments – und Hofkapellmusiker. Den 1772 geborenen Sohn Kaspar unterrichtete er selbst auf Oboe, Flöte und Klarinette. Der Junge wuchs wie selbstverständlich in das Musikerleben hinein und konnte schon als 12jähriger in der fürstbischöflichen Dom – und Hofkapelle mitwirken. Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1787 nahm ihn Bernhard Anton Romberg  unter seine Fittiche. Die Familie Romberg prägte damals ganz maßgeblich das Musikleben der Stadt Münster und wird in nächster Generation das Wunderkinder-Gespann Andreas und Bernhard Romberg hervorbringen.

Bald nahm Kaspar Unterricht bei Josef Antoni und wurde von seinen Arbeitgebern zu Studienreisen nach London, Paris und Wien geschickt. Ab 1793 sind erfolgreiche Konzertreisen durch Mitteleuropa belegt und schließlich wechselte er 1794 an die Oldenburger Hofkapelle. Hier erteilte er der Fürstenfamilie Flötenunterricht und hier wuchs auch sein Sohn Anton Bernhard auf, der 1792 noch in Münster geboren wurde. Auch Anton Bernhard sollte sich als äußerst begabt erweisen. In wenigen Jahren entwickelte er sich zu einem guten Flötisten, der bald mit dem Vater auf Augenhöhe musizieren konnte. Schon als 7jähriger trat er erstmals auf und wurde mit 12 Jahren Mitglied der Hofkapelle. Der Herzog von Oldenburg bemerkte das Juwel unter seinen Musikern natürlich und beschenkte den Jungen mit einer kostbaren Flöte.

 

In den nun folgenden mehr als 15 Jahren konzertierten Vater und Sohn Fürstenau zuerst im Rahmen der Oldenburger Abonnementskonzerte, dann aber bald in entfernteren Städten und schließlich auf ausgedehnten Konzertreisen durch Europa. Das virtuose Duo feierte einen Erfolg nach dem anderen. Glaubt man zeitgenössischen Quellen, so übertraf der Sohn den Vater noch bei weitem in  Virtuosität und Schönheit des Spiels. Bis zu den Konzert-Tourneen der Doppler-Brüder wird es noch ungefähr 25 Jahre dauern…

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Ab 1817 kränkelte Kaspar Fürstenau und Anton Bernhard nahm eine Stelle im Städtischen Orchester Frankfurt/Main an. Zurück nach Oldenburg konnte er nicht, denn die dortige Hofkapelle war 1811 im Zuge der napoleonischen Annexion aufgelöst worden. 1819 schließlich endete die gemeinsame Virtuosenlaufbahn des Duos durch den Tod des Vaters Kaspar. 1820 siedelte Anton Bernhard schließlich mit seiner recht großen Familie nach Dresden über, wo er Soloflötist an der Königlichen Kapelle wurde. Dort lebte und arbeitete auch Carl Maria von Weber, mit dem ihn schon seit einigen Jahren eine enge Freundschaft verband und dessen Nachlass er 1826 gemeinsam mit der Witwe ordnete.

In Dresden blieb er bis zu seinem Tod im Jahre 1852. Er hatte die Stellung seines Lebens gefunden. Von hier aus unternahm er ausgedehnte Konzertreisen, hier unterrichtete er seine zahlreichen Schüler und hier begann er zu komponieren. Das theoretische und kompositorische Handwerkszeug dafür hatte ihm schon in Frankfurt Georg Jakob Vollweiler vermittelt. Nun studierte er selbständig die alten Meister und schrieb und schrieb und schrieb.

 

Neben Klaviermusik und Liedern komponierte er v.a. für die Flöte. Die Nachfrage war groß, denn originale Flötenliteratur gab es nur wenig zu dieser Zeit. Opernfantasien, Variationswerke, 13 hochvirtuose Konzerte und viele Etüden entstanden. Nach wie vor reiste er auch und besuchte mehrmals Dänemark, Schweden, Holland und alle großen deutschen Städte. Sein Ruf als Flötenvirtuose war außerordentlich und neben Toulu, Drouet und Berbiguer galt er als der Meister seines Instrumentes. 1843, nach einem Konzert in Dresden, trat er von der Bühne ab und widmete sich von nun an nur noch dem Komponieren, seinen Schülern und der großen Familie.  1844 erschien dann „Die Kunst des Flötenspiels in theoretisch-praktischer Beziehung“. Fast hundert Jahre nach Quantz‘ „Versuch einer Anleitung die Flöte traversiere zu spielen“ gab es nun also eine weitere Schule für die konische Flöte.

Böhm stand zu dieser Zeit schon kurz vor der Vollendung seiner revolutionären Erfindung der zylindrischen Flöte, der Fürstenau aber sehr kritisch bis ablehnend gegenüber stand.

 

Fürstenau spielte die achtklappigen Instrumente der Dresdner Firma Wilhelm Liebel. Er war eher ein Verfechter des weichen Klanges, des „ächt romantischen Characters“ und einer Toncharakteristik von „reiner Natur und zur Idille sich hinneigend“. Damit war natürlich klar – zur Böhmflöte würde Anton Bernhard Fürstenau nicht wechseln. Stattdessen entwickelte er ein Klangsystem, das vom „Reiz der (unterschiedlichen) Tonarten“ bestimmt war. Mit großem Aufwand sowohl in Aufsätzen, als auch im Unterricht, versuchte er jene Klangästhetik an die nächste Flötistengeneration weiterzugeben. Seine 100%ige Überzeugung ist zu bewundern und auf jeden Fall lässt sich auch noch heute auf der modernen Flöte viel aus Fürstenaus „genauem und zugewandten Hinhören“ lernen. Jedoch muss auch klar festgestellt werden, dass das Böhmsystem wohl v.a aufgrund Fürstenaus großem Einfluss auf die deutsche Spielpraxis hier zulande so einen schweren Start hatte. Vermutlich hatte er auf diesem Weg auch auf Franz und Karl Doppler eingewirkt. Selbstverständlich gilt aber auch für Fürstenau, was für diese beiden galt: als reifer Musiker ist es schwierig bis unmöglich, noch einmal auf ein anderes Griffsystem umzusteigen.

 

Auch sein Sohn Moritz (1824 – 1889) wurde Flötist und Mitglied der Sächsischen Hofkapelle. Er lernte sogar einige Zeit bei Theobald Böhm in München und war ein Leben lang hin-und hergerissen zwischen dem alten und dem neuen System. Mit einigen Kollegen gründete er den Tonkünstler-Verein, den er beinahe 40 Jahre lang leitete. Außerdem war er „Professor der Musik“ am königlichen Konservatorium. In dieser Funktion ist dieser dritte Fürstenau der Nachwelt besonders bekannt. Denn ab 1852 war er Kustos der Königlichen Privatmusiksammlung und widmete sich in zunehmendem Maße musikgeschichtlichen Studien, in deren Mittelpunkt die Dresdner Musikgeschichte stand. Damit legte er den Grundstein für das Heinrich-Schütz-Archiv, das sich in der Tradition seiner historischen Arbeiten sieht.

Und dann fällt uns Flötisten natürlich noch der Name „Moyse“ ein. Auch da gab es zwei, auch Vater und Sohn.

Erstaunlich, obwohl Marcel Moyse (1889 – 1984) allen Flötisten bekannt ist, jeder Literatur von ihm im Regal stehen hat, wissen wir über den Privatmann recht wenig. Vor Augen haben wir vermutlich zu allererst das Foto des Pfeife rauchenden, schon älteren Herren, das die Frontseite seiner meisten Studien ziert. Schon alleine das hat mich immer beeindruckt und amüsiert, hätte er doch auch ein Bild von sich mit der Flöte wählen können.

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Geboren wurde Marcel Moyse in dem Städtchen St. Amour im Burgund und studierte am Pariser Konservatorium bei Taffanel, Gaubert und Hennebains.

1906 gewann er den Premier Prix. Danach war er an verschiedenen Orchestern als Soloflötist engagiert, am längsten, nämlich von 1913-1938, im Orchester der Opéra-Comique in Paris. Ab 1932 war er Professor an den Konservatorien von Paris und Genf. 1934 brachte Marcel Moyse das ihm gewidmete Konzert von Jaques Ibert zur Uraufführung. Beim Ausbruch des 2. Weltkrieges war er die Koryphäe seines Faches und hatte Auftritte mit den meisten europäischen Orchestern. Nach dem Krieg zog er in die USA, gründete gemeinsam mit Adolf Busch, Rudolf Serkin und seinem Sohn Louis Moyse (s.u.) die Marlboro School of Music und das gleichnamigen Festivals, gab dort auch Meisterkurse, und kam für eben solche auch immer wieder nach Europa zurück. 1984 starb er in den USA und 1989 wurde in Pittsburgh die Marcel-Moyse-Gesellschaft gegründet. Seine Schüler sind die allseits bekannten Flötisten unserer Jahre. Soweit die nüchternen Fakten.

 

Marcel Moyse lebte in einer schillernden Zeit. Er spielte die Uraufführungen von Stravinskys „Sacre du Printemps“ und Ravels „Daphnis et Chloé“. Ihm sind zahlreiche prominente Werke des Flötenrepertoires gewidmet, von Bozza, Roussel, Ibert und anderen. Die Musik im Allgemeinen, aber eben die Flötenmusik im Besonderen wandelte sich stark in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Der Impressionismus hatte Einzug gehalten und die Flöte schien dafür das ideale Instrument gewesen zu sein. Moyse hatte durch seine auf die Romantik zurückgreifende Expressivität die ideale Ausdruckskraft entwickelt und unumstrittenen Ruhm erlangt, der bis heute anhält. Die Flöte hatte in dieser Zeit erstmals auch im Orchester eine führende Rolle und die Anforderungen an den Klang änderten sich. Ein gutes Beispiel dafür ist Debussys „L‘après-midi d’un faune“, sozusagen Flöte pur mit großem Orchester.

Dementsprechend ist „De la sonorité“  vermutlich Marcel Moyse‘ berühmtestes Lehrwerk. Aber auch seine anderen Hefte zu allen Belangen des modernen Flötenspiels, u.a. „Gammes et Arpèges“, sind weltweit bekannt und bis heute Standardliteratur. Die wichtigsten Hefte sind bei Leduc erschienen und hatten in meinen Studienjahren noch astronomische Preise. Auch Marcel Moyse‘  Aufnahmen rufen noch immer großes Interesse hervor, v.a. die der Mozart-Konzerte.

 

Der Sohn Louis Moyse (1912 – 2007) studierte ebenfalls Flöte und  Klavier in Paris. 1932 wurde er Assistent seines Vaters, 1939 heiratete er Blanche Honegger, die als Violinistin schon in sehr jungen Jahren große Erfolge feierte. Das Moyse-Trio (Marcel Moyse – Flöte, Blanche Honegger-Moyse – Violine, Louis Moyse – Klavier) spielte viele Aufnahmen ein und wurde frenetische gefeiert. Sie galten als das „perfekte“ Ensemble und erhielten viele Preise. Auch Louis Moyse komponierte, nicht nur für Flöte, gab bis ins hohe Alter zahlreiche Meisterklassen und verbrachte seine letzten Jahre in Vermont.

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Suchte man weiter, so würde man noch einige solcher Paare finden. Vor allem im Flötenbau fällt mir da natürlich sofort die Familie Hammig ein. Aber wir begnügen uns mit diesen dreien, die der Geschichte des Flötenspiels große und wichtige Kapitel hinzugefügt haben.

Literaturliste

Adorjan, Andras (Hrsg.) u.a.: Lexikon der Flöte, Laaber 2009
Holmes Schaefle, Melody: Flute pedagogy of the eightteenth and nineteenth centuries, San José 1989
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