Archäologischer Garten

 

von Christian Schaller

Archäologischer Garten in Augsburg

Der Archäologische Garten befindet sich im Äußeren Pfaffengässchen 9 im Augsburger Domviertel. Damit ist er im touristischen Dreieck zwischen dem Dom samt Diözesanmuseum, dem Leopold-Mozart-Haus und dem Fugger und Welser Erlebnismuseum situiert. Die ehemalige Justizvollzugsanstalt mit der integrierten, gut sichtbaren Kapelle St. Severin grenzt rückwärtig an den Garten. Ab 1991 wurde auf dem Gelände ursprünglich eine neue Tiefgarage projektiert. Bei den nachfolgenden archäologischen Grabungen von 1992 bis 1996 wurden auf einer Fläche von rund 2.000 m² Fundamente und Fundstücke eines frührömischen Vexillationskastells, späterer ziviler Fachwerkbebauung und sogar einer römischen Thermenanlage gefunden. 

Im Sommer 2010 wurde der Erhalt des Geländes im Augsburger Stadtrat beschlossen und von der Diözese Augsburg abgekauft. Auf einer Grundfläche von circa 400m² konnte am 8. Juli 2011 der Archäologische Garten eröffnet werden. Das ausgeführte Konzept möchte die Entwicklung des römischen Augsburgs vom Militärstandort des frühen ersten Jahrhunderts zur Provinzhauptstadt und größten römischen Siedlung des Voralpenlandes des zweiten und dritten Jahrhunderts exemplarisch nachvollziehbar machen. Rekonstruktionen und Modelle einer Fachwerkwand, einer Herdstelle und einer Fußboden- und Wandheizung sowie Informationstafeln mit Bildern und Texten dokumentieren und vermitteln hierbei die antike Bautechnik.

Die Präsentation erfolgt durchgehend zweisprachig in Deutsch und Englisch, im unteren Bereich der Tafeln ist ein Quizangebot für Kinder integriert.

Der Verlauf einer antiken Straße wurde durch helle Pflastersteine im Eingangsbereich des Gartens markiert. An die hundert römischer Werksteine aus verschiedenen Grabungen im Stadtgebiet sind über das Areal verteilt, im hinteren Bereich deuten sie die Umrisse der darunterliegenden Therme an. 

Schautafel Archäologischer Garten, ©ChristianSchaller

Der Garten befindet sich im ehemaligen Mittelpunkt der römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum, die sich zugleich in großen Teilen mit dem Areal des heutigen Domviertels deckt. Die im Garten ergrabenen Thermen lagen in unmittelbarer Nähe zum Forum im Osten und einer großen Markthalle im Norden. 

Da das Domviertel den urbanen Nukleus Augsburgs vom Übergang der Antike in das Mittelalter darstellte, lässt sich eine kontinuierliche Überbauung festmachen. Die römischen Gebäude wurden vermutlich bis in das hohe Mittelalter weiterbenutzt, bevor die Steine an anderer Stelle verwertet wurden. Im Jahr 1637 zog der Karmelitenorden an die Stelle zwischen dem Äußeren Pfaffengässchen und der Karmelitengasse und errichtete einen Neubau mit frühbarocker Kirche. Nach der Säkularisierung wurde das Kloster 1821 abgerissen, der Wirtschaftstrakt wurde zum staatlichen Gefängnis umgebaut.

Der mittelalterliche und frühneuzeitliche Grundriss deutscher Römerstädte wird selten maßgeblich von den antiken Grundrissen bestimmt. Der ehemals vorhandene Schachbrettgrundriss, der auch in Augsburg existierte, hatte für den mittelalterlichen Städtebau in Deutschland kaum Bedeutung. Dies wird auch im Garten anschaulich vermittelt. Die an das Grundstück angrenzende Severinskapelle besitzt immer noch die römischen Baufluchten, die umliegenden, neueren Gebäude allerdings nicht mehr.

Der Eingang zum Garten werde durch zwei Sichtbetonmauern gebildet, die zugleich die Gegenwart und die Vergangenheit verbinden sollen: Während eine Mauer parallel zu den Häusern am Pfaffengässchen, also entlang der heutigen Häuserfluchten verläuft, nimmt die schräge Mauer die römischen Baufluchten auf.

Im Bereich des Archäologischen Gartens befinden sich zusammengefasst die Bodendenkmäler D-7-7631-0514 (Hauptstadt der römischen Provinz Rätien), D-7-7631-0520 (mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde) und D-7-7631-0529 (Kloster der Frühen Neuzeit).

 

Äußeres Pfaffengäßchen 23
86152 Augsburg

Dienstag bis Sonntag von 10-17 Uhr geöffnet
Eintritt frei

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