Bronzezeit im Mittelmeerraum

 

 

von Christian Schaller

Bronze-

zeit im Mittelmeer-raum

 

 

von Christian Schaller

Bronzezeit im Mittel-meerraum

 

von Christian Schaller

Begriffsklärungen:

Die Antike im Mittelmeerraum und damit auch dem Nahen Osten, in Nordafrika und Europa dauerte von circa 800 vor Christus bis etwa 600 nach Christus. Der Begriff des Altertums ist weitgehend deckungsgleich mit der Antike, setzt jedoch meist noch einmal deutlich früher an und umfasst mitunter die Zeit vom vierten Jahrtausend vor Christus bis 600 nach Christus, also grob die Jahrhunderte zwischen Steinzeit und Mittelalter. Der Begriff Altertum schließt damit auch die altorientalischen Hochkulturen wie Ägypten, Mesopotamien und Persien mit ein. Ein weiterer verwandter Begriff ist die Bronzezeit, also die Periode, in der die Menschheit lernte, Metallgegenstände aus Bronze herzustellen und zu nutzen. Diese Epoche umfasst jedoch in verschiedenen Kulturräumen auch immer verschiedene Zeiträume. In Mitteleuropa wird der Beginn der Bronzezeit beispielsweise von 2200 bis 1700 vor Christus angesetzt, während er im Mittelmeerraum deutlich früher ist, etwa 3300 vor Christus. Das Ende wird mit circa 800 vor Christus veranschlagt. Hier begann die Eisenzeit, in der die Menschen die Eisenverarbeitung erfanden und nutzten. Um 800 vor Christus wird auch das Ende der sogenannten „dunklen Jahrhunderte“ im Mittelmeerraum angesetzt. Die verwandten Begriffe Eisenzeit und Antike decken sich dann in ihrer zeitlichen Erstreckung und enden beide ungefähr im 5. Jahrhundert nach Christus.

Der Ausgangspunkt der europäischen Bronzetechnologie lässt sich in Vorderasien verorten. Die dortigen, wichtigen Kulturräume sind neben der Ägäis, Kleinasien mit Zypern und Palästina vor allem die Hochkulturen von Mesopotamien und Ägypten. In der vorangehenden Jungsteinzeit waren weltweit bereits zentrale zivilisatorische Schritte vollzogen worden: die frühe Menschheit gab ihr Leben als Jäger und Sammler auf und wurde sesshaft, es entstanden vor allem an Flüssen und Gewässern Siedlungen und erste Städte.

Löwe von Babylon, Berlin Museum; Pixabay Lizenz, © falco

Hier entwickelten sich Ackerbau, Viehzucht sowie erste Formen der gesellschaftlichen Gliederung – Arbeitsteilung, Fernhandel, politische und religiöse Hierarchien. Die Bronzezeit zeichnete sich nicht nur durch die Erfindung der Bronzetechnik (also die Legierung aus Kupfer und Zinn oder Arsen) aus, sondern auch durch andere revolutionäre Erfindungen wie die Schrift, die zu Beginn die Arbeit von Verwaltungsbeamten erleichterte, indem sie wichtige Informationen erstmals mittels Schriftzeichen festhielt.

Die Tiefebene um die beiden großen Flüsse Euphrat und Tigris (von den Griechen „Mesopotamien“, also Land zwischen den Flüssen genannt, heute circa Ostsyrien und Irak) war bereits früh dicht besiedelt und kulturell hoch entwickelt. Vor allem im Süden entstanden hier größere Siedlungen. Die Bewohner dieser frühen Stadtstaaten im dritten Jahrtausend vor Christus werden als Sumererbezeichnet. Die Völker Mesopotamiens erfanden den sicheren Warenverkehr mittels Frachtbrief, die Keilschrift, die Siebentagewoche und das Sexagesimalsystem, also beispielsweise die Einteilung der Stunde in 60 Minuten oder des Kreises in 360 Grad. Bereits um etwa 4000 vor Christus entstand mit Uruk die älteste sumerische Metropole, die zu ihrer Blütezeit um 2900 vor Christus bis zu 50.000 Einwohner gehabt haben soll. Genau in dieser Zeit änderte sich auch das politische System. Die bis dahin regierende Priesterschaft wurde in den Städten immer häufiger von einem weltlichen Fürsten abgelöst. Im Jahr 2350 vor Christus putschte der semitische Mundschenk des Königs des Stadtstaates Kisch gegen seinen Herrn und vereinte weite Teile Mesopotamiens unter seiner Herrschaft. Dieser König Sargon formte mit seinem Reich von Akkad den ersten, wenn auch noch sehr instabilen Flächenstaat der Menschheitsgeschichte, das für etwa 150 Jahre bestehen sollte. Das anschließende Machtvakuum nutzte der Fürst von Babylon, König Hammurabi, dessen Reich nach nur wenigen Generationen von den kleinasiatischen Hethitern erobert wurde. Nach über dreihundert Jahren, also um 1350 vor Christus, erhob sich die Handelsstadt Assur im nördlichen Mesopotamien zur neuen, beherrschenden Macht. Dieses Reich von Assyrien sollte bis in das siebte Jahrhundert vor Christus bestehen.

Pyramiden Ägypten; Pixabay Lizenz, © TheDigitalArtist

Im Gegensatz zu den oft wechselnden Machtverhältnissen in Mesopotamien konnte die zweite Hochkultur – das Alte Ägypten – geradezu als Konstante gelten. Auch hier wechselten die Dynastien und Verhältnisse, aber die Kultur der Ägypter blieb dennoch über Jahrtausende verhältnismäßig einheitlich. Traditionell wird die Geschichte Ägyptens bis zur Eroberung durch Alexander den Großen 331 vor Christus in drei Reiche und drei Zwischenzeiten eingeteilt.

Seit der Vereinigung der Länder am Nil um 3000 vor Christus beherrschte ein einziger Herrscher, der Pharao, das gesamte Alte Ägypten. Neben einem ausgeprägten Totenkult und Vielgötterglauben spielte vor allem dieser absolute König eine wichtige Rolle als lebendiger Gott und Mittler zwischen den Sphären, dem zu Ehren sogar monumentale Pyramiden als Grabstätte gebaut wurden. Die aufwendigen Riten der Mumifizierung zeugen zudem von den außergewöhnlichen medizinischen Kenntnissen, welche die Ägypter bereits vor Jahrtausenden besaßen.

Während Mesopotamien und Ägypten im kulturellen Bewusstsein fest als frühe Hochkulturen verankert sind, war dies für das Reich Hethiter lange Zeit anders. Ihr Machtzentrum lag in Kleinasien beziehungsweise Anatolien, also in der heutigen Türkei. Im zweiten Jahrtausend vor Christus erstreckte sich ihr Einflussbereich jedoch auch weit nach Süden, bis nach Syrien und Palästina, womit es als dritte Großmacht neben Ägypten und dem mesopotamischen Assyrien gelten konnte. Ihr militärischer Erfolg beruhte auf einem gut ausgebildeten Heer und Streitwägen sowie überlegenen Waffen. Bereits 1800 vor Christus können die Hethiter Eisen herstellen und bereits 1400 vor Christus können sie Stahl härten. Während das Kunsthandwerk relativ bescheiden bleibt, sind sie hervorragende Ingenieure und Techniker. Die Hauptstadt Hattusa besitzt bereits Wasserleitungen und eine Kanalisation. Das Rechtswesen stellte Blutrache und Sippenhaftung unter Strafe und auch die Todesstrafe wurde weitgehend abgeschafft. Es gibt keine Sklaven und unterworfene Vasallenvölker werden zudem gut behandelt.

Die beiden letzten und jüngsten Hochkulturen der Bronzezeit sind gleichzeitig auch die ersten beiden europäischen: die Minoer auf Kreta und die Mykener in Griechenland. Ab 1700 vor Christus beherrschte Kreta die Ägäis und unterhielt Handelsbeziehungen bis nach Ägypten. Die Minoer gelten dabei als sehr friedliches Volk, ihre Siedlungen und Paläste besitzen keine Mauern und auch sonst gibt es kaum Spuren von Kriegen. Um 1450 vor Christus erringen schließlich die Mykener die Oberherrschaft. Anders als die Minoer leben sie in Burgen mit mächtigen Mauern und treiben kriegerische Eroberungen anderer Ägäisinseln voran. Es gibt wechselnde Machtzentren wie beispielsweise die Städte Mykene oder Tiryns in Mittelgriechenland, aber ob es eine Hauptstadt und ein einheitliches Mykenisches Reich gab, ist unklar.

Um 1200 vor Christus wurde die Mittelmeerwelt dann von Umbrüchen erschüttert. Es ist die Epoche, in die auch der legendäre Trojanische Krieg verortet wird. Ganze Kulturen verschwanden oder gingen unter, neue Völker tauchten auf und zahllose Städte der Mykener und Hethiter wurden durch die mysteriösen sogenannten „Seevölker“ verwüstet. Die Reiche der Assyrer und Ägypter überstanden diesen Sturm und in der Levante begann für das seefahrende Volk der Phönizier eine Blütezeit. In der Forschung ist bis heute nicht restlos und einstimmig geklärt, wer die Seevölker waren und was die nun folgenden Dunklen Jahrhunderte auslöste. Spätestens während dieser Periode zwischen dem 12. und 8. Jahrhundert vor Christus fand im Mittelmeerraum der Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit statt. Nun begann die abendländische Epoche der klassischen Antike.

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Verwendete Literatur
  • Dorn, Klaus: Basiswissen Bibel: Das Alte Testament. Paderborn 2015.
  • Dorn, Klaus: Basiswissen Bibel: Das Alte Testament. Paderborn 2015.
  • Gehrke, Hans-Joachim / Schneider, Helmuth (Hg.): Geschichte der Antike. Ein Studienbuch. Stuttgart 2013.
  • Gehrke, Hans-Joachim / Schneider, Helmuth (Hg.): Geschichte der Antike. Ein Studienbuch. Stuttgart 2013.
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