Café a la Pompadour

 

von Thomas Stiegler

Es klingt zwar wie gut erfunden, doch ist es nachweislich genau so geschehen: Der jungen Bürgerstochter Jeanne-Antoinette wurde schon sehr früh prophezeit, dass sich eines Tages ein König in sie verlieben würde.

Was eine mutige Aussage war in einer Zeit, als es kaum Berührungspunkte gab zwischen der Welt des Adels und der des gemeinen Bürgers. Und doch sollte genau das geschehen: Jeanne-Antoinette wurde als Madame de Pompadour die Geliebte des französischen Königs Ludwig XV. und eine der wichtigsten Figuren des 18. Jahrhunderts.

Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Geboren wurde sie 1741 als Tochter eines bürgerlichen Heereslieferanten, der es zu einigem Wohlstand gebracht hatte. Doch ihr wirklicher Vater war der reiche Bankier und Hauptsteuerpächter Charles François Paul Le Normant de Tournehem, der später die Rolle ihres Vormundes übernehmen sollte und sie, zusammen mit ihrem Bruder, adoptierte. Er ermöglichte ihr eine fundierte Ausbildung und sie erhielt Privatunterricht bei den größten Künstlern ihrer Zeit, vor allem im Gesang und in der Schauspielkunst.

François Boucher, Madame de Pompadour, 1756, Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Alte Pinakothek München, URL: https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artwork/Dj4mX97G5A (Zuletzt aktualisiert am 24.02.2022)

Mit zwanzig Jahren schließlich vermählte sie sich mit dem Neffen ihres Vormundes, dem reichen Untersteuerpächter Charles-Guillaume Le Normant. Eigentlich war damit ihr Lebensglück gemacht und ihre Zukunft in eine feste Bahn gelenkt, doch ihr Ehrgeiz ging weit höher. Denn tief in ihr schlummerte anscheinend immer noch der Traum, eines Tages die Geliebte eines Königs zu sein.

 

1745 schien dieser Tag gekommen.

Auf einem Maskenball zu Ehren des Kronprinzen Ludwig Ferdinand (zu dem auch Nichtadelige zugelassen waren) gelang es ihr, dem König vorgestellt zu werden. Diese kurze Bekanntschaft reichte anscheinend aus, um Ludwig XV. und Jeanne-Antoinette zu einem Liebespaar zu machen. Sie verließ ihren Mann und gemeinsam mit ihrer Tochter zog sie ins Schloss von Versailles, wo sie als erste Bürgerliche in den Rang einer »maîtresse en titre« (offiziellen Mätresse) erhoben wurden.

Zusätzlich erhielt sie den Titel einer Marquise de Pompadour, zu dem auch ein Landsitz und ein eigenes Wappen gehörten.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer Vorgängerinnen war sich die frisch geadelte Madame de Pompadour jedoch durchaus bewusst, dass ihre körperlichen Vorzüge nicht von Dauer sein würden. So versuchte sie, den König nicht nur in intimer Hinsicht an sich zu binden, sondern machte sich auch auf anderen Gebieten unentbehrlich. Sie spielte, sang und tanzte auf einer Privatbühne, sorgte für ausgefeilte Unterhaltungen und es gelang ihr zuverlässig, den zu Depressionen neigenden König immer wieder aufzurichten.

Auch begann sie umgehend, ihre Stellung bei Hofe durch ein dichtes Netz an Bündnissen abzusichern. So behandelte sie etwa, im Gegensatz zu früheren Mätressen, die Königin Marie stets mit Hochachtung und ausgesuchter Freundlichkeit und brachte es schließlich so weit, von dieser zu ihrer Hofdame gemacht und in den Stand einer Herzogin von Menars ernannt zu werden.

So kam es auch, dass sie nach Beendigung ihrer Liebesbeziehung vom König nicht wie damals üblich in ein Kloster abgeschoben wurde, sondern als seine unverzichtbare Freundin und Beraterin mächtiger als je zuvor wurde.

Im Ausland wurde ihr Einfluss lange Zeit unterschätzt. Friedrich der Große etwa behauptete, sie habe Frankreich zu einem »Schandmal der Liebe« gemacht und den König Ludwig XV. zum »Spielzeug« degradiert. Dummerweise schrieb er diese Zeilen gerade an Voltaire, der nichts Eiligeres zu tun, als sie weiterzureichen, so dass sie schließlich auf dem Tisch der Pompadour landeten.

Versailles, © charlemagne

Aber vielleicht war seine Reaktion auch verständlich. Schließlich war sie es, die Frankreich vor Beginn des Siebenjährigen Krieges ins österreichische Lager trieb, wo man zusammen mit Russland und Schweden eine deutliche Übermacht über die Preußen hatte. Doch wie wir wissen, ging Friedrich schließlich erfolgreich aus diesem Ringen hervor.

Nach der verlorenen Schlacht bei Roßbach war es, dass sie den legendären Ausspruch »Après nous le déluge« (»Nach uns die Sintflut«) tat. Deshalb, und wegen ihrer Politik, die sich anscheinend wirklich an diesem Motto orientierte, wurde sie schließlich als die Schuldige für die katastrophale Niederlage und den drohenden Staatsbankrott angesehen. Ludwig XV. blieb ihr zwar trotzdem treu, aber kurz nach dem Ende des Krieges starb sie in Paris an einer Lungenentzündung.

Heute erinnern nur mehr ein paar Geschichten und einige wunderschöne Gemälde an die einst mächtige und verrufene Frau, und natürlich eine Kaffeespezialität, die ihren Namen trägt, der »Café a la Pompadour«.

Für die Zubereitung schmilzt man 15 g edelbittere Schokolade im Wasserbad, verrührt sie mit etwas flüssiger Schlagsahne und füllt die Tasse mit heißem Kaffee auf.

Zum Schluss würzt man das Ganze noch mit einer Prise Zimt, Muskat oder Kardamom.

veröffentlicht am 28.06.2022

Quellenangabe

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