Ehrenburg, Callenberg und Schloss Rosenau

 

von Claudia Lindenlaub-Sauer

Die bekanntesten Coburger Schlösser sind Schloss Callenberg, das sich heute noch in Familienbesitz der Herzoglichen Familie von Sachsen-Coburg und Gotha befindet, die ehemalige herzogliche Residenz in der Stadt, das Schloss Ehrenburg, sowie das Lieblingsschloss der englischen Königin Viktoria in der Rosenau, nordöstlich von Coburg. Auch das Bürglaß-Schlösschen aus dem 18. Jahrhundert, Schloss Hohenfels und das neugotische Schloss Ketschendorf, beide aus dem 19. Jahrhundert, zählen zu Coburgs Schlössern. Auch das Rosenauschlösschen am Rittersteich in Coburg, das heute den Sitz des Landbauamtes Coburg beheimatet und elf Jahre lang Heimat des berühmten Wilhelm von Grumbach im 16. Jahrhundert war, ist ein Coburger Schloss.

Schloss Callenberg

Das Jagd- und Sommerschloss der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha befindet sich auf einer bewaldeten Anhöhe im Coburger Stadtteil Beiersdorf. Sein heutiges Aussehen bekam das Märchenschloss im 19. Jahrhundert von dem berühmten Veste-Architekten Carl Alexander von Heideloff und späteren neugotischen Zusätzen unter Herzog Ernst II.

Schloss Callenberg erlebte eine wechselhafte Geschichte. Wie ein Märchenschloss thront es über den Dächern der Stadt. © Claudia Lindenlaub-Sauer

© Claudia Lindenlaub-Sauer

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde das edelfreie Geschlecht der Callenberger 1122. 100 Jahre später ging der Besitz an das Bistum Würzburg über, 1232 wurde es an einen Grafen von Henneberg veräußert. 80 Jahre danach findet sich das Anwesen im Besitz eines Ritters, Hermann von Sternberg, der die „Burg Callenberg“ als Lehen an einen Henneberger Grafen zurück vergab. Nach dem Tod des letzten Sternberger Lehnsmann 1588 ging das Anwesen als offenes Lehen an Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg. Dieser ließ die Burg ab 1592 zu einem Renaissance-Jagdschloss umbauen. Bedeutend ist aus dieser Zeit vor allem die Schlosskapelle, die 1618 eingeweiht wurde und die zugehörige Kirchenordnung durch den Herzog erlassen wurde. Bis heute gilt die Schlosskapelle als eines der ersten protestantischen Gotteshäuser im Coburger Gebiet, welches nach protestantischen Maßstäben errichtet wurde. Auch der bedeutende Reformator Martin Luther kannte das Schloss, da er mit dem damaligen Bewohner und letzten Eigentümer, dem Ritter Hans von Sternberg, eng befreundet war und sich bei seinem Aufenthalt 1530 in der Veste Stadt häufig mit diesem traf. Die Vorfahren des Ritters hatten die „Burg Callenberg“ einst 1313 erworben.

Bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein, war Schloss Callenberg dann im Besitz der Herzöge von Sachsen-Meiningen. Erst ab 1826 kam es wieder in das Eigentum der Coburger Herzöge. Und hier setzt die spektakuläre Familienpolitik ein, durch welcher das Coburger Herzoghaus weltweite Anerkennung fand. Die herzogliche Familie nutzte das Anwesen als Sommersitz, auch gingen sie gerne im angrenzenden Callenberger Forst auf die Jagd. Das Schloss wurde von der Witwe Ernst II., Herzogin Alexandrine, der schönen Schwägerin des englischen Prinzgemahls, ab 1893 als Alterssitz genutzt. 1905 bezog der letzte regierende Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha und Enkel Queen Viktorias, Carl Eduard, das Schloss und bewohnte es mit seiner Familie bis 1945. Es folgten immer wieder Veränderungen und Modernisierungsmaßnahmen. 1934 wurde der Schlossturm wieder mit einer Welschen Haube versehen, die von einem Hakenkreuz gekrönt wurde. Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss von US-amerikanischen Streitkräften besetzt. Nach einer Zeit der Vermietung und Nutzung als Spielstätte eines Theaterensembles und Altenheims, bezog in den 1950er Jahren eine Frauenfachschule der Mathilde-Zimmer-Stiftung das Gebäude. 1972 veräußerte die herzogliche Familie das Schloss und zehn Jahre später gelang es Prinz Andreas durch die Herzogliche Familienstiftung, das Schloss zurück Zuerwerben. Seit 1982 wurde das gesamte Schloss durch die herzogliche Familie und mit Hilfe öffentlicher Fördermittel restauriert und saniert. Seit 1998 ist das Schloss Callenberg zu besichtigen und beherbergt als Ausstattung der historischen Wohnräume den Herzoglichen Kunstbesitz Sachsen-Coburg und Gotha. Möbel, Gemälde, Porzellan und Kunsthandwerk aus fünf Jahrhunderten werden den Besuchern ansprechend präsentiert. Weitere Präsentationsformen und Umstrukturierungen sind in Planung. 2004 wurde das Deutsche Schützenmuseum im Nordwest-Flügel des Schlosses durch den Deutschen Schützenbund eingerichtet. Unter Herzog Ernst II. wurde 1861 der Deutsche Schützenbund im Herzogtum Gotha gegründet. Seit 2006 verfügt Schloss Callenberg über einen Sonderausstellungsbereich, der sich historischen und aktuellen Themen der Familiengeschichte und europäischer Adelshäuser widmet und die Bedeutung der Heiratspolitik des Coburger Fürstenhauses zeigt. 2008 wurde der erste Stock des Hauptgeschosses grundlegend saniert und dient seither Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst. Seit April 2019 widmet sich eine Dauerausstellung der äußerst fruchtbaren und liebevollen Ehe zwischen Queen Victoria und Prinz Albert, sowie ihren neun Kindern und deren Nachkommen.

Schloss Callenberg. Bekannte Persönlichkeiten waren oft hier zu Gast. Heute kann das Schloss und die Sammlungen besichtigt werden. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Das kleine Schloss entführt den Besucher auf eine Zeitreise. Verwinkelte Gänge, gewundene Treppen, ein malerischer Innenhof und der romantische Rosengarten lassen die Herzen höherschlagen. Die ausgestellten Stücke erzählen von einer Wechselhaften Geschichte, das Ensemble Schloss und Sammlungen ergänzt sich an zahlreichen Stellen. Ein Besuch der herzoglichen Kirche versetzt Besucher in die Zeit der Reformation, als protestantische Gotteshäuser noch nicht die Norm waren. Die Ahnherren der heutigen Besitzer beobachten die heutigen Besucher an zahlreichen Stellen, der strenge Blick des einstigen Renaissance-Herzogs lässt eine Ahnung zurück, welche Wirkung Portraits zur damaligen Zeit noch entfalten konnten. Auch die Portraits berühmter Tänzerinnen im Roten Salon, der zum Rosengarten führt, sowie die sichtbar gemachte Familiengenealogie zeugen von einer spannenden Geschichte.

Von der Terrasse auf der Anhöhe im Callenberger Forst bietet das Schloss eine unvergleichliche Sicht auf die Veste Coburg und das umliegende Coburger Land.

Das Schloss eignet sich für einen Ausflug mit der ganzen Familie. Bereits der Anstieg ist ein Highlight, man läuft auf historischen Pfaden und den Spuren bedeutender europäischer Monarchen und Monarchinnen, die ebenfalls in Schloss Callenberg zu Gast waren. Auch die englische Königin Viktoria, die Schwägerin von Herzog Ernst II., war mehrere Male zu Besuch in Callenberg und es ist heute noch ein Zitat ihrer Majestät überliefert, welches den Anstieg und die Liebe zum Coburger Land beschreibt: „Ein wenig steil, der Weg zum Schloss Callenberg, aber dort erwartet mich ein guter Tee in einer herrlichen Umgebung“.

Schloss Callenberg. Zu jeder Jahreszeit ist Coburg einen Besuch wert. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Die Ausstellung der Stiftung der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha’schen Familie beinhaltet neben Kunstschätzen wertvolle historische Möbel, Gemälde, Porzellan, eine Auswahl an Waffen aus vier Jahrhunderten und technologisches Kunsthandwerk. Nicht nur die Ausstellung der herzoglichen Sammlung ist einen Besuch wert, auch das Schützenmuseum zeugt von einer abwechslungsreichen Historie und ist auch für einen Besuch mit Kindern geeignet. Das Schützenmuseum zeigt eine Kombination von einer medialen Präsentation und modernen Technologien, unter anderem gibt es einen Schießstandsimulator, kostbarste Exponate, seltene Pistolen, sowie eine Sammlung von Original-Fackeln der Olympischen Spiele aus den Jahren 1936 und 1972. Die Schützengesellschaft wurde im Jahr 1354 gegründet, das handgeschriebene Mitgliederverzeichnis geht bis zum Jahr 1710 zurück und reicht bis in die Gegenwart.

In normalen Zeiten gibt es keine vorgeschriebene Besucherlinie in den Räumen, Besucher können nach Belieben das Schloss Callenberg erkunden.

Aufgrund der malerischen Schlosskulisse war Callenberg bereits Ort für Filmdreharbeiten. Für eine bekannte Filmtrilogie wurde unter anderem die neuzeitliche Schlosskapelle genutzt, hier fanden im Frühjahr 2012 die Dreharbeiten für die Verfilmung der „Edelsteintrilogie“ von Kerstin Gier, bekannter unter dem Titel „Rubinrot“, statt.

Seit 2001 gibt es einen Förderverein, der die Sammlung Herzoglicher Kunstbesitz Schloss Callenberg e.V. betreut.

Der Zugang zu den einzelnen Sammlungen ist weitgehend barrierefrei möglich, es gibt einen Aufzug. Parkmöglichkeiten sind direkt am Schloss keine vorhanden, es gibt aber einen Parkplatz am Rande der Anhöhe. Aktuell finden diverse Veranstaltungen zu verschiedenen Themen statt, auch eine Vermietung einzelner Räume sowie des gesamten Schlosses ist möglich, hierfür gibt es extra ein Formular auf der Homepage. Das Schloss kann weiter für Firmenevents, private Feiern und Hochzeiten gemietet werden, auch kann in der Schlosskapelle geheiratet werden.

Die Öffnungszeiten sind von April bis Oktober von Donnerstag – Sonntag von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr und von November bis März von 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr.

Eintrittskarten können an der Empfangstheke in Schloss Callenberg erworben werden, der Eintritt ins Deutsche Schützenmuseum ist im Eintrittspreis enthalten. Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt, danach beträgt der Preis 7 €, Gruppen werden ab 5€ pro Person eingelassen, Schulklassen zahlen 2 € pro Person und ermäßigte Karten gibt es ab 3,50 €.

Weiter werden verschiedene Führungen angeboten, die den Kunstbesitz und die Geschichte der Herzoglichen Familie im Fokus haben. Führungen finden ganzjährig an Sonn- und Feiertagen um 14.00 und 15.00 Uhr (Sommersaison) und um 14.00 Uhr (Wintersaison) statt. Die Teilnahme an einer Führung kostet zusätzlich zum Eintrittspreis 2,- € pro Person. Für Gruppen ab zehn Personen können Führungen zu anderen Zeiten und in verschiedenen Sprachen gebucht werden, hierfür betragen die Kosten dann 3€ pro Person, zusätzlich zum Eintrittspreis.

Schloss Callenberg, Innenhof. Auch Hochzeiten können auf Schloss Callenberg gefeiert werden. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Führungen im Deutschen Schützenmuseum können direkt mit Ansprechpartnern des Deutschen Schützenbundes vereinbart werden. Der Preis für die Teilnahme an einer Führung beträgt 2,- € pro Person zusätzlich zum Eintrittspreis.

Anfragen können unter der Stiftung der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha’schen Familie (mail@schloss-callenberg.de, 09561/55150) gestellt werden.

 

Schloss Ehrenburg

Das Schloss Ehrenburg war das Residenzschloss der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha, es befindet sich am östlichen Rand der historischen Altstadt der oberfränkischen Stadt Coburg. Auch wenn der Name „Ehrenburg“ zunächst auf eine Burg verweist, so handelt es sich bei der Coburger „Ehrenburg“ doch um ein Schloss aus dem 16. Jahrhundert, welches sich an der Stelle eines ehemaligen Franziskanerklosters befindet. 1543 beauftragte der damalige Herzog Johann Ernst von Sachsen-Coburg (1521 – 1553), der älteste Sohn des sächsischen Kurfürsten Johann des Beständigen (1468–1532), gleich drei Architekten mit dem Entwurf und dem Bau eines Stadtschlosses, da ihm die Veste Coburg zu unwohnlich erschien. Da die Reformation auch starke Umbrüche im Bereich der klösterlichen Gemeinschaften der altgläubigen Kirche mit sich brachte, so wurde auch das einstige Coburger Franziskanerkloster 1525 aufgelöst und das Gebäude und der gesamte Besitz wurden dem Bürgermeister und dem Stadtrat von Coburg übergeben. Die verbliebenen Brüder der Glaubensgemeinschaft des heiligen Franziskus zogen in das Benediktinerkloster Mönchröden um, oder traten aus dem Orden aus. Die Grundmauern des ehemaligen Klosters wurden beim Bau des Stadtschlosses verwendet, auch werden Teile der Klostergebäude von der Coburger Landesbibliothek als Magazinräume genutzt, unter anderem befindet sich heute noch ein steinernes Weihwasserbecken aus der Gründungszeit des Klosters in der Ehrenburg. Aus einem Kloster wurde ein Schloss.

Schloss Ehrenburg auf dem Schlossplatz in Coburg. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Nicht nur prominente und internationale Verwandte und Bekannte der Coburger Herzogsfamilie waren später in dem prächtigen Bau zu Gast, bereits der Name stammt von keinem geringen als dem damaligen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Als Karl V. 1547 Coburg besuchte, taufte er die Anlage auf den Namen „Ehrenburg“, vermutlich aufgrund der ehrenhaften Art und Weise, wie die Bauherren mit der Bezahlung der Arbeiter verfuhren. Zur damaligen Zeit war es ein Novum, ausschließlich bezahlte Handwerker für einen Bau zu akquirieren, üblicherweise wurde sonst auf Fronarbeiter zurückgegriffen.

Herzog Johann Ernst entschied sich für eine dreiflügelige Anlage mit drei Stockwerken. Das Schloss wurde bei den Architekten Paulus Beheim aus Nürnberg, sowie Nikolaus Gromann und Caspar Vischer aus Kulmbach in Auftrag gegeben. Das Stadtschloss umfasste drei Flügel auf der Nord-, West- und Südseite, im Osten lehnte es sich an die Stadtmauer an. Der dreigeschossige Hauptbau mit den herzoglichen Gemächern, einem Treppenturm, Zwerchhäusern und Hofarkaden lag im Norden, die Schaufassade weist Richtung Norden. Vor 1575 wurde auf der Ostseite des Hofes eine Schlosskapelle hinzugefügt.

Ab 1590 ließ Herzog Johann Casimir den Südflügel durch den Straßburger Baumeister Michael Frey ausbauen, damals wurde auch das heute noch bestehende Eingangsportal verändert. Vor 1623 entstanden nördlich des ältesten Hofes aus der Zeit um 1543, zwei weitere, funktional untergeordnete Höfe. Die Gesamtanlage wurde nun von Süden erschlossen. Ab 1590 wurde der Südflügel weiter ausgebaut und erweitert. 1623 errichtete der Südtiroler Bau- und Malermeister Giovanni Bonalino unter Johann Casimir die zweigeschossige Bogenstellung des Altans im südlichen Hof, mit einem ehemals mit begehbarem Flachdach und wertete auf diese Weise den neuen Eingangshof baulich auf. An der Südostecke dieses Hofes wurde 1631/32 die reich geschnitzte Hornstube, unter anderem auch unter Bonalinos Beteiligung eingebaut, die 1809 in die Veste Coburg übertragen wurde und heute als Jagdintarsienzimmer den Besuchern die aufwendig eingefassten Darstellungen beliebter Freizeitaktivitäten Coburger Herzöge zeigen. Ab 1680 nutzte Herzog Albrecht (1648 – 1699), einer von sieben Söhnen des Herzogs Ernst I. von Sachsen-Gotha (1601–1675), die Ehrenburg als Residenz, nachdem er im selben Jahr zum Herzog von Coburg ernannt wurde. Im Osten der Kernanlage wurde auf planierten Hangterrassen ein neuen Hofgarten angelegt, zu dem als bauliches Bindeglied der neue, noch teilweise erhaltene Marstall überleitete.

Allerdings zerstörte eine Brandkatastrophe 1690 den nördlichen Teil der Renaissanceanlage um das Schloss, weshalb Herzog Albrecht III. das Schloss zu einer barocken dreiflügeligen Residenzanlage mit Schlosskirche neu aufbauen ließ. Dabei wurden die Gebäudeteile neu organisiert und es entstand zum Beispiel der heutige, nach Norden geöffnete Eherenhof. Der doppelte Westflügel beinhaltete die Schlosskirche, der Osttrakt die Gästequartiere. Aus dieser Zeit sind heute noch Räume mit üppigen Stuckaturen oberitalienischer Meister erhalten, auch die Hofkirche und der sogenannte Riesensaal stammen aus dieser Bauphase. Seinen Namen verdankt dieser prächtige Festsaal 28 mächtigen Hermen, die als Pfeilerfiguren das umlaufende Gebälk tragen.

Die finale Gestalt des heutigen Schlosses geht jedoch auf Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha (1784 – 1844) zurück. Der Vater des zukünftigen englischen Prinzgemahls Albert ließ den Gebäudekomplex wenige Jahre nach seinem Regierungsantritt nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel neogotisch umbauen und gestaltete den heutigen Schlossplatz grundlegend um. Er initiierte auch den Bau des Landestheaters gegenüber dem Schloss Ehrenburg. Ab 1810 erhielt der Prachtbau die gotisierende Fassade. Für die Ausgestaltung der Wohn- und Festräume in der klassizistischen Formensprache, berief man den Franzosen André- Marie Renié-Grétry nach Coburg. Basierend auf seinen Entwürfen wurden diese zwischen 1816 und 1840 im Stil des französischen Empire erneuert und mit prunkvollen Möbeln, Uhren, Leuchtern und Tapisserien aus bedeutenden Pariser Manufakturen ausgestattet. Den Gesamteindruck der Ehrenburg vervollständigte Ernst I. durch den Bau eines Theaters, heutiges Landestheater Coburg gegenüber dem neu gestalteten Schlossplatz und dem Hofgarten, einem englischen Landschaftsgarten zwischen den Ensembles Ehrenburg-Landestheater und der Veste Coburg. Der Hofgarten zählt zu den bedeutenden deutschen Parkanlagen.

Die Statue von Ernst I. befindet sich vor dem Stadtschloss der Coburger Herzöge. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Eine Besonderheit wurde 1860 in der prächtigen Anlage eigens für eine Königin eingebaut. Da Queen Viktoria, Gemahlin des Coburger Prinzen Albert, bei ihren Aufenthalten in der Veste Stadt nicht auf die gewohnten Annehmlichkeiten verzichten wollte, wurde in der Ehrenburg die erste Toilette mit Wasserspülung auf dem europäischen Kontinent errichtet. Die Kabine aus Mahagoniholz mit dem Wasserklosett darin, befand sich neben dem Bett der Queen in ihren Gemächern in dem Stadtschloss. Das fortschrittliche Königspaar Viktoria und Albert brachten nicht nur hygienische Neuerung in die Heimat mit, auch soll der erste Personenaufzug in der Ehrenburg eingebaut worden sein, da die Königin das Treppensteigen als zu mühselig empfunden haben soll. Auch der Marktplatz vor der Residenz zeugt von der königlichen Geschichte.

Als die Coburger 1861 nach Alberts Tod den Plan fassten, ihn mit einem Denkmal zu ehren, legte die Königin Wert darauf, dass es auf dem Platz im Herzen der Stadt vor der Ehrenburg aufgestellt wurde. Zur feierlichen Enthüllung im Jahr 1865 reiste Victoria sogar eigens aus London an, denn Coburg hatte für sie eine besondere Bedeutung. Auf dem historischen Platz wurde das royale Paar nämlich 20 Jahre davor bei seinem ersten gemeinsamen Besuch in Coburg jubelnd empfangen, seitdem war Alberts Heimatstadt samt historischen Gebäuden, Renaissancebauten und herrschaftlichen Bürgerhäusern einer der Lieblingsorte der englischen Königin. Bei ihren Besuchen in der oberfränkischen Stadt feierten die Royals zahlreiche Feste und trafen sich mit der, über den gesamten Kontinent verteilten, Verwandtschaft. Auch nach Alberts Tod bereiste die Witwe Coburg, wenngleich sich die Anfangseuphorie in eine Art Melancholie gewandelt hatte. Eine Aufnahme aus dem Jahr 1894 zeigt die 75-jährige Queen inmitten grimmig aussehender Prinzen, Zaren und Königen, welche allesamt zur nahen Verwandtschaft gehörten.

Der Freistaat Coburg schloss nach seiner Gründung 1919 mit Herzog Carl Eduard einen Abfindungsvertrag in Höhe von 1,5 Millionen Reichsmark über dessen Besitztümer. Damit ging unter anderem auch Schloss Ehrenburg in das Eigentum des Freistaats Bayern über. Die Einrichtungsgegenstände wurden der Coburger Landesstiftung zugesprochen. Seit 1941 wird das Schloss von der Bayrischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen betreut. Die in den letzten Jahrzehnten von Grund auf restaurierte Ehrenburg beherbergt heute die Landesbibliothek Coburg mit einem Bestand von über 400.000 Bänden, weiter findet sich hier die Autographensammlung der Coburger Herzöge, welche unter anderem original Briefe Martin Luthers enthält, sowie Frühneuzeitliche Bibeln und Schriften. Rund 25 historisch eingerichtete Räume können im Rahmen von Führungen besichtigt werden, unter anderem ist der imposante Riesensaal ein bedeutendes Beispiel höfischer und adliger Kultur der Neuzeit und entführt den Besucher in eine historische Zeit des Aufbruchs. Zu sehen sind unter anderem die ehemaligen Wohn- und Schlafräume von Queen Victoria, ihrer Kinder und Verwandten, auch zeugen zahlreiche Porträts in den Schlossräumen von den weit reichenden dynastischen Verbindungen des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha. Ebenfalls zu erwähnen, sind zwei Bildergalerien der Coburger Herzöge mit Werken von Lucas Cranach dem Älteren, ehemaliger Hofmaler der Coburger Herzöge, weiter Gemälde von holländischen und flämischen Künstlern des 16. und 17. Jahrhunderts sowie zahlreiche Landschaftsbilder aus der Epoche der Romantik.

Weiter besteht die Möglichkeit Räume des ehemaligen Stadtschlosses Coburger Herzöge zu Festlichkeiten zu mieten. Die Schlosskirche ist geeignet für klassische Konzerte, Gottesdienste und Trauungen und fasst maximal 180 Personen. Der Mietsatz von 150,00 € ohne Nebenkosten, gilt jedoch nur für Kulturveranstaltungen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind und öffentlich angekündigt werden. Der Riesensaal eignet sich für Konzerte, Vorträge und Festakte, auch hier ist der Mietpreis an die Art der Veranstaltung gekoppelt, der Saal selbst fasst bis zu 400 Personen, der reguläre Mietpreis beträgt hier 550,00 € und 275,00 € ermäßigt. Hinzu kommen weitere Auflagen bezüglich der Bewirtung, die jedoch aufgrund der historischen Räume Bewirtung nur in den Innenhöfen stattfinden darf. Es ist möglich den Saal von Mai bis Oktober, jedoch nur außerhalb der Museumsöffnungszeiten, zu mieten.

Die Arkaden am Schlossplatz entstanden 1843 im Rahmen der Schlossplatzneugestaltung nach Plänen von Hermann Nicolai während der Regentschaft von Ernst I. und beherbergte von 1845 – 1918 die Hauptwache der Schlosswache im Mittelbau. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Führungen durch die Wohn- und Schlafräume der adeligen Bewohner finden jeweils zu Beginn der vollen Stunde statt, im Sommerhalbjahr beginnt die letzte Führung um 17 Uhr, in den Wintermonaten um 15 Uhr. Geöffnet sind die Räume von April bis Oktober, von 9 – 18 Uhr, von Oktober bis März von 10 – 16 Uhr. Montags, sowie an den Weihnachtsfeiertagen und dem Faschingsdienstag, sind die Räume geschlossen. Es besteht die Möglichkeit mit der sogenannten „Verbundkarte“ mehrere Sehenswürdigkeiten Coburgs zu besuchen, hier können die Ehrenburg, die Veste, das Glasmuseum im Park Rosenau und das Schloss Rosenau besichtigt werden.

Informationen und Reservierungsanfragen können über die Adresse der Schloss- und Gartenverwaltung Coburg, Schloss Ehrenburg gestellt werden (09561/808832, gvcoburg@ bsv.bayern.de, www.schloesser-coburg.de).

Schloss Rosenau

Das kleine Schlösschen Rosenau zählt mit zu den bekanntesten Schlössern des Coburger Gebiets. Es liegt malerisch inmitten eines Landschaftsgartens auf einem Hügel über dem Flüsschen Itz in Unterwohlsbach, einem Ortsteil der Gemeinde Rödental, wenige Kilometer nordöstlich von Coburg. Die Rosenau ist nicht nur ein frühes Beispiel des romantischen Historismus in Franken, sondern auch aufgrund der bewegten Geschichte ein Abbild der Geschichte der Coburger Herzogsfamilie.

Schloss Rosenau war eines der Lieblingsschlösser der englischen Queen. Laut den Erzählungen, der Kutscher an dieser Stelle soll angehalten haben, damit sie einen letzten Blick zurück auf das Geburtsschloss ihres geliebten Alberts. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Seit 1990 ist das aufwendig restaurierte Schloss Rosenau als Museum wieder öffentlich zugänglich. Im Rahmen einer Führung können alle Räume der beiden unteren Stockwerke und das originale Mobiliar aus der Biedermeierzeit besichtigt werden. Die russisch-orthodoxe Kapelle ist wieder in den ursprünglichen Ausstattungs-Zustand einer Bibliothek zurückverwandelt. Im „Marmorsaal“ finden regelmäßig Sommerkonzerte statt. Im ehemaligen Stallgebäude vor dem Aufgang zum Schloss befinden sich seit 2003 die Kasse und der Museumsshop sowie ein kleines Bistro.

Erstmal erwähnt wurde das Schloss 1439 in einer Sonnefelder Urkunde, hier werden die „Edelherren von Rosenawe“ als Besitzer des Schlosses genannt. Das sich zu dieser Zeit vermutlich bereits ein Anwesen an der Stelle des heutigen Baus befunden hat, wird gemeinhin angenommen, auch sind diese Edelherren gleich zu setzen mit den Adeligen der Rosenauer Burg am Rittersteich in Coburg. Für Adelsgeschlechter war es stets üblich, sich nach dem Stammsitz zu benennen. Das Geschlecht der „Ritter von Rosenawe“ ist seit dem 13. Jahrhundert urkundlich nachweisbar, ab 1430 waren sie in Coburg als Münzmeister eingetragen und das Coburger Münzmeisterhaus war in ihrem Besitz. Ab 1429 besaßen sie auch das Wasserschloss in Oeslau, die Dörfer Gauerstadt und das Schloss Eichhof, sowie das das Wasserschloss Mitwitz und eine Reihe von Gutshöfen im Coburger Land, 1501 kamen Dorf und Schloss Ahorn noch hinzu. Der Reichtum derer von Rosenau gründete vornehmlich auf landwirtschaftlichen Gütern und Erträgen. Ende des 16. Jahrhunderts gingen die Erträge jedoch so weit zurück, dass sich das adelige Geschlecht immer stärker verschuldete, so dass am Ende nur noch ein Verkauf des Schlosses Rosenau blieb. Silvester von Rosenau, Hofgerichts-Beisitzer in Coburg und Freund Martin Luthers und Melanchthons vermachte seinem Sohn Hans Berthold von Rosenau Schloss und Güter bereits hoch verschuldet, so dass dessen Nachfolger das Schloss an den Coburger Herzog Johann Casimir veräußern musste. 1637 konnte der Verkauf jedoch wieder rückgängig gemacht werden, allerdings konnte die Familie der Edelherren das Schloss nur noch bis 1704 halten. Nun ging das Schloss in den Besitz des österreichischen Freiherrn, Ferdinand Adam von Pernau über, der seit 1690 Coburger Konsistorialrat und Kammerjunker von Herzog Albrecht Sachsen-Gotha-Altenburg (1648 – 1699) war. Er erwarb das das Schloss samt Nebengebäuden als Sommersitz und Studienplatz für seine vogelkundlichen Forschungen. Zu dieser Zeit bestand das burgähnliche Anwesen noch aus dem Palas mit daran gestelltem Rundturm, den Resten der ursprünglichen Ringmauern mit zwei Wehrturmruinen und der Vorburg mit Stallungen, umgeben von einem weitläufigen, verwilderten Park. Im Inneren des Palas befand sich ein nach Osten hin offener Arkadenbau aus dem 17. Jahrhundert, der Ehrenhof genannt wurde und welcher mit gotischen Elementen durch den italienischen Baumeister Giovanni Bonalino versehen wurde.

Die Verwaltung des Schlosses obliegt heute der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Es werden auch Führungen angeboten. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Nach dem Tod des Freiherrn von Pernau 1731 wurden Schloss und Park Rosenau an Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1676-1732) veräußert, der zur Bewirtschaftung der Ländereien Pächter einsetzte. 1805 erwarb der „Stammvater“ der heutigen herzoglichen Familie von Sachsen-Coburg und Gotha, Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg- Saalfeld das Anwesen für seinen Sohn und Nachfolger Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha als Sommerwohnsitz. Dieser wollte sich einen Sommersitz erschaffen, der vor allem das mittelalterliche Erscheinungsbild des Schlosses betonte und dem Zeitgeist des Historimus entsprach. Erste Anregungen zu den Spitzbogenarchitekturen und Maßwerkornamenten gab der damals noch junge Berliner Architekt Karl Friedrich Schinkel. Im Inneren des Schlosses dominiert, nach den Wünschen Ernst I., eine Kombination von fürstlichem Glanz und ländliche Einfachheit die Ausstattung. In Wien erworbene schwarz gebeizte Möbel innerhalb der hellen, wohnlich eingerichteten Zimmer, unterbrachen stark farbige Wandmalereien im neugotischen Stil die Ruhe.

Herzog Ernst ließ bis 1817 die Burg nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel zum repräsentativen Schloss im neugotischen Stil umbauen und den Park als englischen Garten neu anlegen. An dem Baubestand der ursprünglichen Burg änderte die historistische Renovierung kaum etwas. Auf die beiden Giebelseiten des Palas wurden frühgotische Treppengiebel aufgesetzt, auch die Fensterformen wurden im spätgotischen Stil gestaltet, man verwendete für die Glasfenster im Treppenhaus zum Beispiel spätmittelalterliche Original Vorlagen. Kleine Balkone und Wappensteine ergänzten den Fassadenschmuck. Der Turm, der auf der ältesten Abbildung von 1700 noch eine Welsche Haube besitzt, bekam als Abschluss einen Zinnenkranz, der den mittelalterlichen Eindruck verstärken sollte. Das ehemals wuchtige Satteldach wurde mit einem angetäuschten Mittelrisalit und unterschiedlich großen Dachgauben aufgelockert und dem Zeitgeist angepasst, deshalb beließ man den verfallenen Turm der alten südwestlichen Ringmauer auch im Sinne der Romantik als Ruine. Der nordöstliche Turm wurde als malerischer Eckpunkt der Balustrade, sowie als Abschluss der hinteren Terrasse wiederhergestellt. In dem Turm wurde ein Spielzimmer für den fürstlichen Nachwuchs eingerichtet, die sogenannte „Prinzessinnenküche“. Die Terrassenbrüstung stammte noch aus dem 17. Jahrhundert aus der Bauphase von Bonalino und war ehemals Teil des Söllers im früheren Ehrenhof. Der Hof wurde durch Schinkels Umbau freigelegt und mit einem Schalenbrunnen versehen. Die tiefer gelegene Vorburg wurde abgetragen und an ihre Stalle traten Wirtschaftsgebäude und Gesindewohnungen mit spitzbogigen Lauben und Ziertürmchen im neugotischen Stil, dort befindet sich ebenfalls der Löwenbrunnen.

Die ebenfalls von Schinkel entworfene Innenaufteilung des Schlosses, hatte jedoch mit der ursprünglichen nicht mehr viel gemein. Im Erdgeschoss wurden zwei repräsentative Räume eingefügt, der „Marmorsaal“ mit goldenen Stuckranken, der die ganze südliche Giebelseite einnimmt und durch den man auf die vordere Terrasse gelangt. An den „Marmorsaal“ schließt eine kleine elfeckige Bibliothek an, deren Wände und verwinkelte Gewölbe holzgetäfelt sind. In den sieben Bogenfeldern werden die Minnefahrten eines Ritters gezeigt, welche vor allem starken Eindruck auf die junge Herzogin Luise von Altenburg gemacht haben. Später wurde die Bibliothek in eine russisch-orthodoxe Kapelle umgewandelt. Anlässlich der Hochzeit Ernsts I. mit der Herzogin Luise, wurde ein großes Turnierfest auf den Wiesen vor dem Schloss abgehalten, bei dem die geladenen Gäste des Adels in mittelalterlichen Rüstungen und Gewändern als Hauptakteure auftraten und so das Mittelalter kurz wieder aufleben ließ. Zur Erinnerung an dieses außergewöhnliche Ereignis errichtete man auf einem Hügel in der Nähe des Schwanenteichs eine „Turniersäule“, einen rechteckigen Pfeiler mit vier Wappen und einer kleinen Sonnenuhr. Herzogin Luise war die Mutter von Herzog Ernst II. und Prinz Albert, der 1819 auf Schloss Rosenau geboren wurde und 1840 die britische Königin Victoria ehelichte. Das englische royale Paar hielt sich bis zum Tode Alberts häufig auf der Rosenau auf und Viktoria kehrte auch später noch öfter zurück. Zuletzt besuchte die Queen im Alter von 75 Jahren das Schlösschen, wo sie sich ohne große höfische Etikette von ihren Staatsgeschäften erholen konnte und im Geburtsschloss ihres geliebten Alberts dem verstorbenen Ehemann besonders nahe war. Oft wurde sie in ihrem Galacoupe, heute in den Kunstsammlungen der Veste Coburg, auf die Rosenau gefahren, eine Anekdote erzählt, dass sie den Fahrer auf der Rückfahrt am Ende des Weges bat, noch einmal anzuhalten, damit sie einen letzten Blick auf den geliebten Ort werfen konnte. Auch in ihren Tagebüchern erwähnte sie die Besuche in Schloss Rosenau, „wäre ich nicht, was ich bin, so wäre hier mein wahres Zuhause.“

In den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden sind heute unter anderem die Kasse und der Besuchershop untergebracht. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Herzog Ernst II. überließ die Rosenau seinem Neffen und Nachfolger Alfred, dem zweiten Sohn Königin Victorias und Prinzgemahl Alberts. Alfred starb 1900 im Kavaliershäuschen der Rosenau, seine Witwe Maria Alexandrowna, eine Tochter des Zaren Alexander II. von Russland, bewohnte noch bis zu ihrem Tod im Herbst 1920 das Kavaliershäuschen.

Der im Stil englischer Gartenromantik gestaltete Park umfasste 1805 noch über 200 Hektar, heute ist er auf ein Sechstel seiner ursprünglichen Größe reduziert, was dem verwunschenen und romantischen Eindruck jedoch keinen Abbruch tut.

Ab 1820 wurde eine klassizistische Orangerie mit einem vorgelagerten Rosengarten errichtet, die bis 1989 zur Überwinterung wertvoller exotischer Pflanzen wie Palmen und Zitruspflanzen genutzt wurde und für eine Zeit lang als Zweigmuseum der Kunstsammlungen der Veste Coburg das Museum für modernes Glas beherbergte. In diesem dreiflügeligen Teehaus wurden einst fulminante Feste gefeiert, bei welchen sogar häufiger die gesamte Bevölkerung der umliegenden Ortschaften zu Gast waren. Das Teehaus beherbergt seit den 1970er Jahren ein Ausflugslokal der gehobenen Gastronomie mit einem Cafégarten. Dem Restaurant ist nach Westen hin eine ausgedehnte Reitanlage mit Halle und Turnierplatz angegliedert.

Die ehemalige Orangerie kann heute als Veranstaltungsraum gemietet werden. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Unweit davon befinden sich ein künstlicher Wasserfall und eine ebenso künstliche Grotte. Unterhalb des Schlosses befindet sich die Eremitage, die einen in den Felsen gehauenen Eiskeller kaschiert.

Abgerundet wird das historisierende Ensemble durch das sogenannte „Kavaliershaus“, ein auf einer Anhöhe gelegenes imposantes, im Fachwerkstil des 16. Jahrhunderts gehaltenes Gärtnerhaus. Stallungen und Remisen schließen den Komplex ab.

Die Versorgung der Schloss Bewohner wurde durch die so genannte „Schweizerei“, eine Meierei, sichergestellt. An der Stelle des früheren Dorfes Hamberg ließ Herzog Ernst I. den Gutshof errichten, der 1820 im Stil eines Schweizer Sennenhauses gestaltete Hauptgebäude fertiggestellt wurde. Hierfür beschäftigte der Herzog extra aus der Schweiz geholte Sennen und Mägde, sowie Grauvieh und Bullen. Bis in die 1990er Jahre wurde die Schweizerei als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt, seit 2011 ist sie in Privatbesitz und wird seit 2012 als Restaurant mit Biergarten genutzt.

Am nördlichen Rand des Parks, errichtete man das „Prinzessinnenbad“, eine kleine Badeanstalt für die herzogliche Familie und deren Gäste. Das Gebäude war im fernöstlichen Baustil gestaltet, wurde jedoch aufgrund Baufälligkeit 1905 abgerissen, lediglich die Reste zweier Steinbrücken blieben erhalten.

Die Anlage selbst wechselte mehrfach den Besitzer, seit 1972 gehört es dem Freistaat Bayern und wird von der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung betreut. Der gesamte Komplex befand sich viele Jahrhunderte im Besitz der Coburger Herzöge, seit dem Anschluss Coburgs an den Freistaat Bayern im Jahr 1920 ging das Schloss mit den dazugehörigen Liegenschaften an die Coburger Landesstiftung über, das Areal zählt heute zur Gemeinde Unterwohlsbach. Bis 1938 war das Anwesen an die Enkeltöchter von Queen Viktoria verpachtet und wurde ab 1941 zu einer Unterkunft des weiblichen nationalsozialistischen Arbeitsdiensts umgestaltet. Von 1945 bis 1946 waren die Dienststellen der amerikanischen Besatzungstruppen darin untergebracht, ab 1946 standen die Gebäude dem Flüchtlingskommissar als Erholungsheim für Heimatvertriebene zur Verfügung. Zwei Jahre später wurde es für 20 Jahre als Altenheim des Landkreises Coburg genutzt. Nach aufwändigen Sanierungs- und Restaurationsarbeiten wurde das Schloss im Oktober 1990 wiedereröffnet und als Museum der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Harmonie von Schloss, Park und Landschaft macht den besonderen Reiz der Rosenau als ein „Gesamtkunstwerk“ der Romantik aus.

Schloss Rosenau. © Claudia Lindenlaub-Sauer

Literatur

Beck, August: Albrecht, Herzog von Sachsen-Coburg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Leipzig 1875, S. 318 f.

Boseckert, Christian: Ein Herzog und sein Staat: Eine politische Biografie Herzog Johann Casimirs von Sachsen-Coburg (1564-1633), Band 53 von Norm und Struktur, Böhlau 2021.

Brockhoff, Evamaria / Henker, Michael (Hrsg.): Ein Herzogtum und viele Kronen. Coburg in Bayern und Europa. Aufsätze zur Landesausstellung 1997 des Hauses der Bayerischen Geschichte und der Kunstsammlungen der Veste Coburg in Zusammenarbeit mit der Stiftung der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha`schen Familie und der Stadt Coburg, Augsburg 1997.

Brockhoff, Evamaria / Wolf, Peter / Franz, Alexandra / Groth, Constantin (Hg.): Ritter, Bauern, Lutheraner (Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2017 Veste Coburg und Kirche St. Moriz 9. Mai bis 5. November 2017) (=Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur, Bd. 66), Darmstadt 2017.

Sandner, Harald: Hitlers Herzog. Shaker Media, Aachen 2011.

Sandner, Harald: Coburg im 20. Jahrhundert. Die Chronik über die Stadt Coburg und das Haus Sachsen-Coburg und Gotha vom 1. Januar 1900 bis zum 31. Dezember 1999 – von der „guten alten Zeit“ bis zur Schwelle des 21. Jahrhunderts. Gegen das Vergessen, Coburg 2000,

Schneier, Walter: Coburg im Spiegel der Geschichte. Von der Urzeit bis in die Gegenwart. Auf den Spuren von Fürsten, Bürgern und Bauern, Coburg 1985.

Volkert, Wilhelm (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799– 1980, München 1983.

Weschenfelder, Klaus: Kunstsammlungen der Veste Coburg: Die Schausammlungen, Coburg 2004.

Weschenfelder, Klaus: Die Veste Coburg und ihre Sammlungen, Coburg 2015.

Coburg. In: Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 506.

 

 

https://www.schloesser-coburg.de/

https://www.schloss-callenberg.com/ab-9-april-2019-die-neue-dauer-ausstellung-auf-schloss- callenberg/

https://sachsen-coburg-gotha.de/blog/2020/04/24/rubinroter-traum/

 

https://www.schloss-callenberg.com/besucher-info/ https://www.coburgmarketing.de/poi/schloss-ehrenburg

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