Constanze Nissen, verwitwete Mozart

von Anja Weinberger

Constanze Nissen, verwitwete Mozart

von Anja Weinberger

Eine glückliche und folgenreiche zweite Ehe

Constanze (1762–1842), die Ehefrau Wolfgang Amadeus Mozarts, fristet in den meisten unserer Köpfe ihr Leben nur an der Seite ihres berühmten Ehemannes. Jedoch war sie bei dessen Tod im Jahre 1791 noch keine 30 Jahre alt und sollte noch über 50 Jahre leben. Wie ging es für sie weiter nach Wolfgangs Tod?

Am 5. Dezember 1791 starb Mozart, und Constanze musste nach recht glücklichen Ehejahren irgendwie weitermachen – mit einem Berg Schulden, vielen unsortierten Manuskripten und den beiden kleinen Kindern. Erst im Juli war Franz Xaver zur Welt gekommen, als zweites überlebendes von sechs Kindern in acht Ehejahren.

Zunächst brachte Constanze diese beiden Kinder gut beim befreundeten Ehepaar Duschek unter, das selbst keinen Nachwuchs hatte und Hilfe anbot. Ab diesem Zeitpunkt veranstaltete sie in ihrem musikalischen Salon viele Konzerte, auch um für den eigenen Unterhalt sorgen zu können. 1795/96 unternahm sie gar eine Konzertreise mit Mozarts Werken. Constanze war ja, wie auch ihre Schwester Aloisia, eine durchaus begabte Sopranistin.

Mozarts zahlreiche Autographe verkaufte sie nicht sofort, obwohl das eine einträgliche Geldquelle gewesen wäre, um schnell ihre finanzielle Not zu lindern. Stattdessen versuchte sie, im Kontakt zu unterschiedlichen Verlegern die Edition einer Mozart-Gesamtausgabe zu erreichen.

Von der Oper Idomeneo wurde auf Betreiben Constanzes 1795 ein Klavierauszug erstellt und herausgegeben.

Schon zuvor, 1793, hatte sie den glühenden Mozart-Verehrer Georg Nikolaus Nissen kennengelernt. Der dänische Diplomat lebte ab 1798 in ihrem Haushalt und war bei der Sichtung und Dokumentation des Mozart-Nachlasses eine große Hilfe. Im Jahre 1800 verkaufte man schließlich alle noch vorhandenen Autographe, darunter die Opern Figaros Hochzeit und Die Zauberflöte wie auch Eine kleine Nachtmusik, an den Verleger Johann Anton André, der bei der Herausgabe große Sorgfalt walten ließ.

Endlich verheiratet, zog das Ehepaar Nissen 1810 nach Kopenhagen. Dort lebten die beiden zehn Jahre lang. Ab 1820 reisten sie viel und ließen sich schließlich 1824 in Salzburg nieder. Längst hatte Georg Nikolaus Nissen mit Hilfe Constanzes die Arbeit an einer Mozart-Biografie begonnen. Doch erst zwei Jahre nach Nissens Tod konnte Constanze diese fertigstellen und schließlich 1828 eine Veröffentlichung bei Breitkopf & Härtel in Leipzig erreichen.

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Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte die zweifache Witwe gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Sophie. Diese pflegte die seit einigen Jahren kränkelnde Constanze, so wie sie Jahre zuvor schon Wolfgang Amadeus gepflegt hatte. Übrigens stammt von Sophie auch die Schilderung der letzten Stunden Mozarts in Nissens Biografie.

Constanze Nissen, geborene Weber, verwitwete Mozart, starb 80-jährig im März 1842. Den Namen ihres zweiten Ehemannes hat sie am längsten getragen und wohl in dieser Zeit auch das größte Glück erlebt. Ohne ihren beständigen Einsatz für das Werk ihres ersten Mannes jedoch, mit dem sie nur ungefähr zehn Jahre ihres langen Lebens verbracht hatte, hätten wir Nachgeborenen wohl deutlich eingeschränktere Zugriffsmöglichkeiten auf Mozarts Werk.

Kaum eine Frau wurde in der Musikgeschichte so negativ dargestellt wie Constanze Mozart[1]. Unverständlich, wenn man bedenkt, wie viel wir ihr verdanken. Aber auch in ihrem Fall hat das vermutlich damit zu tun, dass in der männerdominierten Welt eine entscheidungsfreudige, selbstständige und selbstsichere Frau nicht gerne gesehen war.

 

Dieser Text stammt aus dem Buch Frauengeschichten von Anja Weinberger, das im Leiermann-Verlag erschienen ist.

 

 

[1] Dieses Schicksal teilt sie z. B. mit Agnes Dürer.

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