Das Ende der Donaumonarchie

 

von Katharina Mölk

Heute vor 102 Jahren am 11. November 1918: Kaiser Karl I. unterzeichnet die Erklärung des Verzichtes an den Staatsgeschäften.

Am Ende des ersten Weltkriegs im Jahr 1918 steht fest: der Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie war nicht mehr aufzuhalten. Einige Völker hatten sich von der Donaumonarchie losgesagt, es kam zu unterschiedlichen Waffenstillständen, in Wien wurde eine neue Staatsform überlegt.

Kaiser Karl I. unternahm den Versuch wenigstens die cisleithanische Reichshälfte zu retten, indem er das „Völkermanifest“ am 16. Oktober 1918 verabschiedete, mit dem Cisleithanien in eine Art Bundesstaat mit weitgehender Autonomie für die einzelnen Nationen umgewandelt werden sollte. Doch die neuen Volksvertretungen, die sich daraufhin bildeten, gründeten unabhängige Staaten. So auch in „Deutschösterreich“ am 30. Oktober:

Es bildet sich eine Provisorische Nationalversammlung, die darüber diskutierte, was mit „Österreich“ geschehen sollte. Sollte man die Monarchie ganz abschaffen oder nur verändern?

Kaiser Karl I. wollte jedenfalls nicht abdanken.

Die Mitglieder der Regierung Renner trafen am 1. November 1918 mit dem kaiserlichen Ministerpräsidenten Lammasch zusammen, der im Auftrag Kaiser Karls die Regierungsgeschäfte (betreffend die deutschen Siedlungsgebiete) dem neuen Staatsrat zu übergeben.

Es herrschte eine nie gekannte Situation, eine Art „Doppelherrschaft“ zwischen Regierung Renner und Kaiser Karl. Die Frage stellte sich, welche Gesetze noch gültig waren.

Am nächsten Tag wurde das Präsidium des Staatsrats vom Kaiser gebeten, möglichst schnell einem Waffenstillstand zuzustimmen. Karl Seitz antwortete: „Der Faktor, der den Krieg begonnen hat, hat ihn auch zu beenden.“

Statue in der Hofburg, ©YAYImages

Das offizielle Kriegsende erfolgte am 3. November 1918; an diesem Tag wurde das Parlamentsgebäude für die Zwecke der deutschösterreichischen Regierung beschlagnahmt.

Der Staatsrat nahm den vom Staatskanzler Renner vorgelegten Gesetzentwurf an, der Deutsch-Österreich zu einer Republik erklärte.

Am 11. November 1918 wurde dem Kaiser in Schloss Schönbrunn ein „kaiserliches Manifest“ vorgelegt, das Karl Renner, Ignaz Seipel und weitere k.k. Minister entworfen hatten: Kaiser Karl sollte in der österreichischen Reichshälfte auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften verzichten und die kaiserliche Regierung ihres Amtes entheben.

Kaiserin Zita protestierte dagegen, da sie meinte, ein Kaiser, der von Gottes Gnaden regierte, könne auch nur von Gott von seinem Amt abberufen werden: „Niemals! Ein Herrscher kann seine Herrscherrechte verlieren. Das ist dann Gewalt, die eine Anerkennung ausschließt. Abdanken nie – lieber falle ich hier an Ort und Stelle mit dir – dann wird eben Otto kommen und selbst, wenn wir alle fallen sollten – noch gibt es andere Habsburger.“

Doch auf das drängende Anraten der kaiserlichen Regierung unter Heinrich Lammasch unterzeichnete Kaiser Karl das Dokument, enthob jedoch Armee und Offiziere formell nicht ihrem Treueeid.

Die Verzichtserklärung wurde in einer Extra-Ausgabe der Wiener Zeitung noch am selben Tag gedruckt. Sie hatte folgenden Wortlaut:

 

Wien, 11. November 1918.

Der Kaiser hat folgende Kundgebung erlassen:

„Seit Meiner Thronbesteigung war Ich unablässig bemüht, Meine Völker aus den Schrecknissen des Krieges herauszuführen, an dessen Ausbruch Ich keinerlei Schuld trage.

Ich habe nicht gezögert, das verfassungsmäßige Leben wieder herzustellen, und habe den Völkern den Weg zu ihrer selbständigen staatlichen Entwicklung eröffnet.
Nach wie vor von unwandelbarer Liebe für alle Meine Völker erfüllt, will Ich ihrer freien Entfaltung Meine Person nicht als Hindernis entgegenstellen.

Im voraus erkenne Ich die Entscheidung an, die Deutschösterreich über seine künftige Staatsform trifft.
Das Volk hat durch seine Vertreter die Regierung übernommen.
Ich verzichte auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften.
Gleichzeitig enthebe Ich Meine österreichische Regierung ihres Amtes.

Möge das Volk von Deutschösterreich in Eintracht und Versöhnlichkeit die Neuordnung schaffen und befestigen. Das Glück Meiner Völker war von Anbeginn das Ziel Meiner heißesten Wünsche.
Nur der innere Friede kann die Wunden dieses Krieges heilen.

Karl m. p. Lammasch m. p.“

Am selben Abend verließ Karl mit seiner Familie Wien und zog sich nach Schloss Eckartsau zurück.

Am folgenden Tag, dem 12. November 1918, proklamierte die Provisorische Nationalversammlung die Republik.

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