Der Adventskalender

 

von Raimund Gründler

Der Advents-kalender

 

von Raimund Gründler

Das erste Türchen wird geöffnet …

 

»Mama, wann ist endlich Weihnachten? Papa, wie oft muss ich noch schlafen, bis das Christkind kommt?« Wie oft haben Eltern diese Frage jedes Jahr zu beantworten! Mit einem Adventskalender wird die Antwort leichter und vor allem anschaulicher. Unzählige Varianten werden heute in den Geschäften angeboten. Früher hingegen war die Fantasie der Eltern gefragt: In manchen Regionen wurde für jeden Adventstag ein Kreidestrich auf einen Türpfosten gemalt, und täglich durfte einer weggewischt werden.

War die Tür wieder sauber, war Weihnachten da. Andere Eltern bastelten eine Weihnachtsuhr mit einem Feld für jeden Adventstag und einem Zeiger zum Weiterdrehen. Langsam, aber sicher kamen die Kinder dem Weihnachtstag näher. Adventskerzen wurden gegossen, von denen täglich ein genau markiertes Feld abgebrannt werden durfte, und aus nelkengespickten Orangen konnten die ungeduldigen Kinder jeden Tag eine der Gewürzknospen herausziehen. In protestantischen Waisenhäusern des 19. Jahrhunderts gab es sogar einen Adventsbaum, ein kleines Bäumchen mit Kerzen.

Jeden Tag durfte eine Kerze angesteckt werden. Manche dieser Adventskalender kennen wir noch heute. So werden in Norwegen immer noch Adventsorangen gesteckt und die Adventskerzen verbreiten sich von Dänemark aus in Europa. Am populärsten wurde aber der Adventskalender mit den 24 Türen, hinter denen sich Bilder, Sprüche oder eine kleine Leckerei finden. Dieser hat seinen Ursprung in einem schwäbischen Pfarrerhaushalt Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Karton wurde in gleichmäßig große Felder eingeteilt, die mit Lebkuchen belegt wurden.

Täglich durfte der kleine Gerhard einen davon essen. Für die Kinder in aller Welt war es ein großes Glück, dass dieser Gerhard Lang nicht in die Fußstapfen seines Vaters trat, sondern sich einem ganz anderen Metier widmete. In München war er schon in jungen Jahren Mitinhaber der Lithographischen Kunstanstalt. 1904 veröffentlichte er den ersten gedruckten Adventskalender, den »Münchner Weihnachts-Kalender«.

 

 

Das war noch kein Kalender mit vorgestanzten Türchen, dieser kam erst ein paar Jahre später. Man konnte die Bilder ausschneiden und aufkleben. Aber schon diese einfache Variante war ein so großer Erfolg, dass Lang Jahr für Jahr seinen Adventskalender weiterentwickelte und neue Formen bis hin zur Adventslaterne erfand. Wie bei allen erfolgreichen Erfindungen gab es auch hier schnell Nachahmungen, und bald waren Adventskalender in aller Welt verbreitet.

Das erste Türchen der frühen Adventskalender durfte übrigens nicht immer am 1. Dezember geöffnet werden. In jedem Jahr begannen die Kalender am 1. Advent. Mal fällt dieser auf die letzten Novembertage, mal auf den 2. oder 3. Dezember. Und so durften die Kinder mal mehr und mal weniger Türchen öffnen. Irgendwann kamen Gerhard Lang und seine Kollegen dann auf die Idee, dass es besser ist, den Adventskalender immer am 1. Dezember beginnen zu lassen. So können übrig gebliebene Exemplare auch noch im Folgejahr verkauft werden. Und dabei ist es bis heute geblieben:

Am 1. Dezember eilen kleine und große Kinder erstmals zum Adventskalender.

 

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