Der Englische Garten

 

von Barbara Feige

Wie eine grüne Oase schmiegt sich der Englische Garten in die Münchner Innenstadt. Das beliebte Naherholungsgebiet umfasst insgesamt 375 Hektar und ist somit eine der größten innerstädtischen Parkanlagen weltweit. Knapp 5 Millionen Besucher werden hier jedes Jahr gezählt, denn der Park hat viel zu bieten!

 

Ab dem Jahre 1789 wurde auf Anweisung des Kurfürsten Karl Theodor der Englische Garten als „Volksgarten“ angelegt. Der südliche Teil bestand zuerst als „Militärgarten“ für die dort stationierten Soldaten. Der Garten sollte zum einen die Lebensmittelversorgung des Militärs verbessern, zum andere aber auch den Soldaten Wissen für ihre Zeit nach dem Wehrdienst vermitteln, z.B. in der Landwirtschaft. Der einflussreichste Berater des Kurfürsten, Benjamin Thompson, welcher mit der Umstrukturierung und Neuorganisation des Militärs betraut war, hatte diese Idee, und so übernahm er auch die Aufsicht über die Erweiterung des Gartens nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten. Er beauftragte den renommierten Landschaftsarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell aus Schwetzingen, welcher später auch den Schlosspark Nymphenburg renaturierte und umgestaltete.

Der gesamte Englische Garten ist somit auf dem Papier geplant und anschließend in dieser Form angelegt worden und nicht natürlich gewachsen, auch wenn es so scheint. Den besten Überblick über den Park hat man vom Monopteros aus und auch die prächtige Stadtsilhouette lässt sich von dort aus am besten bewundern. Der Monopteros ist ein kleiner, klassizistischer Rundtempel auf einem relativ steilen Hügel, 1831 von Leo von Klenze erbaut.

Ebenfalls einen Besuch wert ist der „Chinesische Turm“. Die komplett aus Holz gebaute, anfangs „Große Pagode“ genannte Konstruktion wurde 1792 eröffnet und diente ursprünglich als Aussichtsturm. Aus Sicherheitsgründen ist der Turm heute nicht mehr begehbar. Man würde aber auch nicht mehr allzu weit sehen – die Bäume drumherum sind einfach zu hoch gewachsen! Heute befindet sich rund um den Chinesischen Turm – der das Wahrzeichen des Englischen Gartens ist – Gastronomie und ein Biergarten.

Chinesischer Turm München, ©designerpoint

An jedem dritten Sonntag im Juli findet hier (wieder) der berühmte „Kocherlball“ statt. Er folgt einer alten Tradition: Ende des 19. Jahrhunderts trafen sich bereits in der Früh ab 5 Uhr die Hausangestellten – Mägde, Dienstboten, Köchinnen, etc. um bis 8 Uhr miteinander zu tanzen, dann mussten sie zurück zu „den Herrschaften“ um zu arbeiten. Dieser Brauch wurde jedoch ab 1904 wegen des „Mangels an Sittlichkeit“ verboten, erst seit 1989 hat sich der Kocherlball wieder etabliert und ist ein fester Programmpunkt im Terminkalender der Münchner. Sehr idyllisch ist auch der im Dezember stattfindende „Christkindlmarkt“ am Chinesischen Turm.

Münchner zuhauf findet man auch am Kleinhesseloher See, einem Kleinod, das ebenfalls mitten im Englischen Garten gelegen ist. Dort können im Sommer auch Ruderboote ausgeliehen werden, für eine anschließende Stärkung liegt das Restaurant „Seehaus“ direkt am See.

Sehr ruhig geht es dagegen im nördlichen Teil des Englischen Gartens zu, denn dieser ist leider durch den „Mittleren Ring“, der Stadtautobahn, abgetrennt. Wir haben also einen südlichen und einen nördlichen Teil des Parks. Aber auch hier im nördlichen Abschnitt finden sich Biergärten und schöne Flanierwege. Ein Tunnelprojekt um die beiden Teile wieder zusammenzuführen, soll evtl. im Jahre 2023 starten.

Der größte Touristenmagnet befindet sich allerdings im südlichen Teil, gleich am Eingang des Parks, an der von der Tann Straße: die berühmten Eisbachsurfer. Auf einer stehenden Welle des Eisbachs (einem Nebenarm der Isar) finden sich zu jeder Jahreszeit und auch zu jeder Tages- und Nachtzeit, wagemutige Surfer jeder Altersklasse.

Wer den Park nicht zu Fuß erkunden möchte, dem sei eine romantische und sicher unvergessliche Kutschfahrt durch den abwechslungsreichen und wunderschönen Englischen Garten empfohlen.

Verwendete Literatur
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