Der Radetzkymarsch

von Katharina Mölk

Am 31. August vor 172 Jahren: Uraufführung des Radetzkymarsches

Der von Johann Strauss Vater komponierte Radetzkymarsch (Opus 228 ) ist wohl eines der bekanntesten Musikstücke Europas.

Doch warum ist dieser Marsch entstanden und wer war eigentlich Radetzky?

Der Radetzky-Marsch (Armeemarsch II, 145) entstand im Zuge der 1848er Revolution. In vielen Gebieten Europas erhob sich das Volk gegen ihre Regenten. So auch in Österreich: hier fanden Kämpfe vor allem in Wien statt, aber auch in Italien. Die Italiener erhoben sich gegen die Habsburger, die zu dieser Zeit Gebiete in Norditalien beherrschten. So entsandte Kaiser Ferdinand I. den verdienten Feldmarschall Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz, um die Aufstände niederzuschlagen. Am 25. Juli 1848 siegte er bei Custozza über die piemontesischen Truppen und konnte in der Folge auch die Lombardei für Österreich zurückgewinnen.

„Zu Ehren der tapferen Armee in Italien und zur Unterstützung der verwundeten Krieger“ kam es zur Uraufführung des Radetzky-Marsches am 31. August 1848 auf dem Wasserglacis in Wien. Die erste Klavierausgabe wurde dem „großen Feldherren und der k.k. Armee“ gewidmet.

Der Marsch war sofort sehr populär. Es gab im Laufe der Zeit aber einige Anpassungen, da der Marsch ursprünglich für 24–28 Musiker geschrieben war, nämlich die Größe von Strauss‘ damaligem Orchester.

Die heute bekannte Fassung steht in der Kritik, denn diese Umarbeitung von Leopold Weniger stammt aus der NS-Zeit. Die Frage ist, ob man nicht zur ursprünglichen Version zurückkehren sollte. Beim Neujahrskonzert in Wien wurde dies auch schon ausprobiert.

Auch heute noch erfreut sich der Radetzky-Marsch großer Beliebtheit: traditionell beendet er das Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker, leitet Fußballspiele der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft ein und wird vom Wiener Johann Strauss Orchester am Österrreichischen Nationalfeiertag gespielt.

 

Hier noch ein paar Fakten zum Musikstück:

– Der Marsch wird jedes Jahr als Zugabe des Neujahrskonzert gespielt: Eine Ausnahme war 2005 wegen der großen Tsunami-Katastrophe in Südostasien.

– Das Tempo des Stücks entspricht dem empfohlenen Tempo der Herzdruckmassage. Aufgrund der hohen Bekanntheit in Österreich wird es daher als Merkhilfe in Erste-Hilfe-Kursen verwendet

– Joseph Roth nennt seinen Roman „Radetzkymarsch“, in dem es um den Untergang der Monarchie geht.

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Nun noch ein paar Informationen zu Graf Radetzky:

Der böhmische Adlige Johann Joseph Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz (1766-1858) war bedeutender Feldherr der k.k. Armee im 19. Jahrhundert. Da er sehr alt wurde, erlebte er sechs Regenten. In 72 Dienstjahren kämpfte er in 17 Feldzügen und errang 146 Orden (darunter den Militär-Maria-Theresia-Orden, den bayrischen Militär-Max-Jospeh-Orden und den Orden vom Goldenen Vlies). Im Alter von 90 Jahren wurde er in den Ruhestand versetzt. Sein Abschiedsgesuch an Kaiser Franz Joseph vom 17. Dezember 1856 lautet wie folgt:

„Euer Majestaet, die Gesetze der Natur zwingen mich nach 72 Dienstjahren und 90 Lebensjahren Euer Majestaet um die Allergnaedigste Enthebung von meinem Dienstposten Allerunterthänigst zu bitten. Geruhen Euer Majestaet mir diese Enthebung mit jener Allerhöchsten Huld und Gnade zu gewähren, mit welcher Allerhöchst dieselben mich schon so vielfach überschütteten und gestatten mir Euer Majestaet bei diesem Anlaße Allerhöchst Der Huld und kaiserliches Wohlwollen […] Mein Greisen Alter hat zwar meine Thätigkeit gelähmt, aber bis zum letzten Athem zuge werde ich des Allmächtigen Segen für das erhabene Hauß und den herrlichen Thron Meines geliebten Monarchen erflehen, der ich in tiefster Demut ersterbe.“

 

Aus seiner Ehe mit Franziska, Gräfin Strassoldo-Graffemberg, waren fünf Söhne und drei Töchter hervor, wovon jedoch nur ein Sohn und eine Tochter den Vater überlebten.

Am 5. Januar 1858 starb Radetzky in Mailand. Er wurde nach Wien gebracht und im Stephansdom eingesegnet. Seinen Leichnam hatte er Joseph Gottfried Pargfrieder vermacht, da dieser seine Spielschulden beglichen hatte und ein Heldengedenkstätte am Heldenberg in Niederösterreich errichten wollte. Radetzky wurde dort in einer Gruft bestattet.

Angeblich hat er auch das Wienerschnitzel von Italien nach Österreich gebracht. Aber dies ist eine ganz andere Geschichte.

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