Die Entdeckung des Franz Joseph Lands

 

von Katharina Mölk

Haben Sie schon mal vom Franz Josephs Land gehört? Tatsächlich gibt es Inseln im Polarmeer, die den Namen dieses österreichischen Kaisers tragen. Auch wenn sie nicht so bekannt sind, die Geschichte dahinter ist spannend. Deshalb soll sich dieser Artikel um die österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition drehen, die vor 147 Jahren die Inseln entdeckte

Österreich hatte nie besondere Kolonialbestrebungen. Man könnte jetzt argumentieren: ja, klar – Österreich hat doch keinen Meereszugang. Aber das ist erst seit Zerfall der Monarchie so. Das Österreichische Kaisertum hatte eine Marine, deren wichtigste Häfen im heutigen Kroatien und in Triest waren. Doch die Hauptinteressen des Reiches lagen nicht bei der Seefahrt. Doch das heißt nicht, dass die Österreicher nicht Forschungsfreudig waren – auch wenn im 19. Jh. fast die ganze Erde schon erkundet war, wollte man auch noch unbekanntes Land entdecken.

Deshalb startete 1872 die Österreichisch-Ungarische Nordpolarexpedition, um das nördliche Eismeer zu erkunden. 2 Jahre sollte die 24-köpfigen Besatzung unter der Leitung von Carl Weyprecht und Julius Payer (deswegen auch Payer-Weyprecht-Expedition genannt) unterwegs sein. Das Expeditionsschiff, die „Admiral Tegetthoff“, war eigens dafür gebaut worden.

Innerhalb eines Jahres blieb das Schiff im Eismeer stecken, fror fest und wurde abgetrieben. So entdeckten sie am 30. August 1873 zufällig eine Inselgruppe, die sie nach Kaiser Franz Joseph I. benannten; Julius Payer notiert in sein Tagebuch: “Diese geringe Schar, welche die Heimat bereits zu den Verschollenen zählte, war so glücklich, ihrem fernen Monarchen dadurch ein Zeichen ihrer Huldigung zu bringen, dass sie dem neuentdeckten Lande den Namen Kaiser Franz Josef Land gab.”

Die erste Insel, die sie zum Erkunden und erforschen betraten, benannten sie nach dem Financier der Expedition, Graf Wilczek, Wilczek-Insel. Doch die Euphorie ebbte bald ab: die Insel wurde von Carl Weyprecht als wissenschaftlich bedeutungslos erklärt. Die Besatzung wollte endlich der Kälte entfliehen und die Heimreise antreten. Doch das Schiff war immer noch in der Eisscholle festgefroren. Ein Jahr harrte die Expedition noch aus, dann entschlossen sie sich im Frühjahr 1874, das Schiff zurückzulassen.

Svalbard, ©Decokon

Mit auf Schlitten aufgepackten kleinen Booten machten sie sich auf den Weg nach Süden. Nach Wochen mussten sie feststellen, dass Norddrift die Eismassen samt der darauf sich befindenden Mannschaft wieder in die Nähe des Schiffes zurückgetragen hatte.

Die Mannschaft war verzweifelt. Carl Weyprecht schrieb nun eine Flaschenpost, die er ins Meer warf, doch diese wurde erst 1978 gefunden – ebenfalls auf einer Insel des Franz Joseph Lands. Heute befindet sich diese im Besitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Weyprecht hatte Mühe, die ausgehungerte Mannschaft dazu zu bewegen, wieder Richtung Süden aufzubrechen. Mit einer Bibel in der Hand motivierte er die Besatzung nicht aufzugebn.

Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien befindet sich das monumentalen Ölgemälde „Nie zurück!“, mit dem Payer im Nachhinein die Szene festhielt.

Nach einem Monat erreichten sie das offene Meer, wo sie sich in ihre Ruderboote setzten. Zum Glück trafen sie nach 6 Tagen auf russische Fischer. Mit deren Hilfe gelangen die Forscher, die auf der Reise ein Besatzungsmitglied verloren hatten, nach Norwegen und von dort nach Österreich.

Jubelnd wurden sie dort empfangen und die Expeditionsleiter in den Adelsstand erhoben. „Nur Schritt für Schritt konnten die Wagen vorwärts aus dem Nordbahnhofe […] gelangen. […] Es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man annimmt, daß eine Viertelmillion Menschen an dem Empfange theilnahm“

Heute gehört das Franz-Joseph-Land zu Russland.

Verwendete Literatur

(Julius Payer, Carl Weyprecht: Oesterreichisch-ungarische Nordpol-Expedition. 1872 bis 1874. In: M(oritz) A(lois) Becker (Red.): Mittheilungen der k.k. Geographischen Gesellschaft Wien. Band 17.1874. Verlag der Gesellschaft, Wien 1874, S. 389–417.)

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