Ein »Prosit« auf Die Fledermaus

 

 

von Karin Berg

 

Wenn man die Stadt Wien besucht, sollte man die Operette ganz oben auf die To-do-Liste setzen. Da ich in Wien lebe, kann ich die Operette an jeder Ecke finden, was mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Eine bestimmte Operette steht so für das Wienerische, dass für sie fast jedes Jahr seit 1900 zu Silvester ein Platz in der Wiener Staatsoper reserviert ist. Der Komponist? Niemand Geringerer als der berühmte Walzerkönig Johann Strauss (Sohn). Natürlich spreche ich von seiner Operette Die Fledermaus.

Seit ihrer Premiere im Theater an der Wien im Jahr 1874 war der Fledermaus ein kometenhafter Erfolg beschert. Kein Wunder, dass sie sofort zu einem festen Bestandteil des Operettenrepertoires wurde. Sie hat alles, was man sich von einer Operette wünschen kann: Liebe, Humor, Unfug und einen Hauch Champagner.

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Die Librettisten Karl Haffner und Richard Genée schlossen sich mit Strauss zusammen, um Die Fledermaus zu schaffen. Sie basierten das Libretto auf der Handlung der deutschen Farce Das Gefängnis, die 1851 von Roderich Julius Benedix verfasst wurde. Jedoch kann Haffners deutsche Übersetzung der 1872 von Henri Meilhac und Ludovic Halévy verfassten französischen Version Le Reveillon als die direktere Quelle gelten (1).

Die Geschichte ist von Anfang bis Ende unbeschwert und humorvoll. Sie handelt von dem Adligen Gabriel von Eisenstein und seiner Frau Rosalinde. Zu den weiteren Rollen gehören Alfred, ein Tenor und alte Flamme von Rosalinde, der russische Prinz Orlofsky (eine von einer Mezzo-Sopranistin gesungene Hosenrolle) und Adele, ein ehrgeiziges und mutiges Zimmermädchen. Darüber hinaus gibt es einen Silvesterball, zu dem sich Eisenstein aus einer kurzen Haftstrafe herausschleicht. Dies geschieht auf Anraten seines Freundes, Dr. Falke, der ihm damit einen Streich spielen will und sich so für einen Streich revanchieren will, den Eisenstein ihm Jahre zuvor gespielt hatte. Sie waren damals auf einem Maskenball und Dr. Falke war als Fledermaus verkleidet. Deshalb wird die Operette Die Fledermaus betitelt, da »die Fledermaus« am Ende endlich einen kleinen »Moment der Rache« hat und die ganze Reihe von Ereignissen Eisensteins Untreue aufdeckt.

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Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass nichts von der Geschichte vom Publikum ernst zu nehmen ist. Dies fällt umso leichter, wenn noch die Walzer von Strauss hinzukommen. Eine ansteckende Tanzmelodie nach der anderen, nicht zuletzt die lebhafte Ouvertüre und das beschwipst gesungene »Brüderlein, Brüderlein und Schwesterlein« im zweiten Akt bringen das Publikum zum Summen und Mitwippen – am besten im Dreivierteltakt natürlich!

Strauss wurde 1825 bei Wien geboren und ist 1899 in Wien gestorben. Trotz starker Entmutigung seitens seines Vaters (2), der selbst ein bekannter Komponist war, erlangte Strauss Berühmtheit und schrieb einige der berühmtesten Walzer wie »An der schönen blauen Donau«, Polkas wie die »Tritsch-Tratsch-Polka« und vieles mehr. Strauss verstand es, eine Melodie zu komponieren, die im Gedächtnis blieb. Diese Fähigkeit überträgt sich direkt auf seine Gesangswerke und natürlich auch auf Die Fledermaus. Die gesanglichen Feuerwerke, die die Sänger darbieten, können sich mit denen einer »ernsthaften« Oper durchaus messen. Die Hauptarien der Frauen sind wahre Hingucker. Man muss nur »Klänge der Heimat« hören. Es ist ein »Csárdás«, den Rosalinde als Ungarin verkleidet singt, um ihren Mann zu täuschen. Der Unterhaltungsfaktor ist hier unbestreitbar.

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Insbesondere ist die Rolle der Adele eine große Herausforderung. Ich selbst habe »Mein Herr Marquis« oder das »Lachlied« gelernt und muss sagen: Es ist nicht zum Lachen! Die Arie erfordert nicht nur sängerische Fähigkeiten, sondern auch ernsthafte schauspielerische Fähigkeiten. Denn Adele gibt sich ihrem Arbeitgeber Eisenstein als Schauspielerin »Olga« aus, wobei sie selbst eigentlich davon träumt, Schauspielerin zu werden. Im dritten Akt mit Adeles zweiter Arie »Spiel’ ich die Unschuld vom Lande« erfahren die anderen Figuren und wir selbst als Publikum, dass sie das Zeug dazu hat, diesen Wunsch wahr werden zu lassen. Der Stimmumfang, die Flexibilität und das dramatische Können, die hier in diesem Minidrama erforderlich sind, sind unglaublich. Ohne Zweifel eignet es sich auch hervorragend für Sopranistinnen bei Vorsingen.

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Insgesamt verkörpert Die Fledermaus den scherzhaften Geist der Operette und hat die Gattung von einem »Ableger« der Oper zu einem eigenständigen Bestandteil der europäischen Kultur gehoben. Mithilfe der lebhaften Musik von Strauss verbindet sie den musikalischen Anspruch der großen Oper mit der Unbeschwertheit der Operette. Aufgrund dieser Leistung erhebe ich mein Glas mit einem »Prosit« auf Die Fledermaus.

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Quellen

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