Die Geburt des Heurigen

 

von Katharina Mölk

Die Geburt des Heurigen: Das „Buschenschank – Patent“

Am 17. 8. 1784 erteilte Kaiser Josef II. „jedermann die Freyheit, die von ihm selbst erzeugten Lebensmittel, Wein und Obstmost, zu allen Zeiten des Jahrs, wie, wann und zu welchem Preise er will, zu verkaufen oder auszuschenken.“

Da sich dieser Tag heuer zum 236. Mal jährt, möchte ich einen kurzen Bericht über den Weinbau in Österreich schreiben.

Wein ist ein etablierter Bestandteil unseres Lebens. In Österreich werden jährlich auf einer Fläche von 48.721 ha Wein angebaut, aus denen 2,3 Millionen Hektoliter Wein resultieren. Weißwein überwiegt: 65,7 % der Weinbaufläche wird mit weißen Trauben bepflanzt und bewirtschaftet.

Die Geschichte des Weinbaus in Österreich ist alt: Traubenkernfunde bei Krems an der Donau, die in die Zeit um 3000 vor Christus datieren, zeugen davon. Aber die Tatsache, dass es zu der Zeit schon Trauben gab, heißt nicht automatisch, dass es auch Weinbau gab. Wir haben darüber keine schriftlichen Zeugnisse.

Diese gibt es erst ab der Römerzeit (ca. 15 v.-500 n. Chr. im heutigen Österreich), denn über die Römer fand die Weinbaukultur rasche Verbreitung. Der römische Sentor und Geschichtsschreiber Cassius Dio lebte eine Zeit lang als Statthalter in Pannonien (damals eine der römischen Provinzen auf österreichischem Gebiet) und er klagte über die miserable Qualität des Weines seiner pannonischen Untertanen: „Sie führen das allerkümmerlichste Leben, da sie weder guten Boden, noch günstiges Klima und kein Öl haben, keinen Wein oder nur sehr wenig und von geringer Güte …“

Allerdings gilt erst der römischen Kaisers Probus (reg. 276–282) als derjenige, der den Weinbau nördlich der Alpen eingeführt hat. Denn in dem Geschichtswerk „Historia Augusta“ Kapitel 18,8 ist zu lesen: „Er erlaubte allen Galliern, Spaniern und Briten, Reben zu besitzen und Wein herzustellen.“ Weinbau gab es, wie erwähnt, schon früher, aber wahrscheinlich nur für römische Bürger.

Mit der Erlaubnis des Kaisers Probus lockerte sich dieser Umstand und die Weinproduktion nahm im 3. Jahrhunderts deutlich an Bedeutung zu. Belegte römische Weinanbauflächen sind u.a. bei Enns und Mautern zu finden.

Mit der unruhigen Zeit der Völkerwanderung wird der kontinuierliche Weinbau in Österreich unterbrochen. Als der Babenberger Heinrich II. „Jasomirgott“ im 12. Jahrhundert Wien zu seiner Residenz machte, erstarkte der Weinbau in der Wiener Gegend und wurde zu begehrtem Gut. Bald schon kamen Weingärten auch in privaten Besitz, aber unumstrittene Weinbaugrößen waren die Klöster (v.a. in Niederösterreich).

Im Jahr 1359 führte Herzog Rudolf IV., „der Stifter“, im gesamten Herzogtum eine Getränkesteuer, das sogenannte Ungeld ein, was ihn einige Sympathien in der Bevölkerung kostete.

Um 1580 wurde von Johann Rasch das älteste „Weinbuch“ verfasst, das u.a. Regeln und Vorschläge für Winzer festhält.

Kaiser Joseph II. bestätigte durch das Buschenschank-Patent im Jahr 1784 das Ausschankrecht für Heurige bestätigte, das mit Änderungen noch heute Gültigkeit hat: das Wort „Heuriger“, bezeichnet sowohl den Wein der letzten Ernte, aber auch das Lokal, in dem ein Heuriger ausgeschenkt wird. Durch einen Föhrenbuschen über dem Lokaleingang wird angezeigt, dass dieser Buschenschank oder dieser Heurige geöffnet hat.

Aber Achtung: Es gibt einen Unterschied zwischen Buschenschank und Heurigen. Im Heurigen dürfen warme Speisen serviert werden, hingegen im Buschenschank nur kalte Speisen. Allerdings gibt es inzwischen auch erweiterte Gastronomielizenzen, die die Unterscheidung erschweren, den Wirten aber ein breiteres Angebot ermöglichen.

Genaueres hier: Was ist ein Buschenschank

Ab 1867 kam es zu einer Reblauskatastrophe: viele Rebstöcke in Europa wurden durch den Reblausbefall vernichtet. Erst mit dem Import amerikanischer Rebstöcke, die mit europäischen Sträuchern veredelt wurden, konnte man der Reblaus Herr werden.

1860 wurde die Weinbauschule Klosterneuburg gegründet – sie ist eine der ersten Weinbauschulen weltweit.

Vor einigen Jahren erschütterte Österreich ein Weinskandal: 1985 wurde bekannt, dass einige Winzer ihrem Wein Diethylenglykol beimischten, um den Wein zusätzlich zu süßen. Die Aufdeckung des Skandals hatte zur Folge, dass sich durch ein strenges Weingesetz der österreichische Qulitätswein entwickelte. So muss nun z. B. jede Flasche mit einer staatlichen Banderole gekennzeichnet sein, bevor sie verkauft werden darf.

Näheres zum Glykol-Skandal:Der Weinskandal in Österreich

Heute wird in jedem österreichischen Bundesland Wein angebaut, überwiegend jedoch im Osten, da im Westen durch die Gebirge Weinbau erschwert wird.

Wien ist die einzige Haupstadt der Welt, die nennenswerten Weinbau betreibt, auf einer Fläche von 557 ha.

Über den Weinbau in Österreich könnte man „noch und nöcher“ schreiben, aber da dies an anderen Stellen bereits zur Genüge getan wurde, beschränke ich mich auf diesen kurzen Bericht und hoffe, dass er euch eine gute Zusammenfassung liefern konnte.

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