Die Frühzeit

von Katharina Mölk

Über die Frühzeit in Österreich wissen wir verhältnismäßig wenig, da es noch keine schriftlichen Quellen gab. Deshalb sind wir auf archäologische Funde angewiesen, die uns mehr über die Vergangenheit zeigen können.

Vorwort

Liebe Leser:

Ich werde in den folgenden Wochen versuchen, die lange und oft kompliziert erscheinende österreichische Geschichte aufzuarbeiten.

Wir werden uns kapitelweise vorarbeiten.

Zuerst schauen wir uns an, was wir über die Frühzeit sagen können. Dann behandeln wir die Zeit der Babenberger und kommen danach zu den Habsburgern.

Ich werde außerdem bestimmte wichtige Ereignisse und Persönlichkeiten herausnehmen und ihnen eigene Kapitel widmen.

So verschaffen wir uns einen Überblick über die faszinierende Geschichte dieses Landes, die tatsächlich schon vor über 30.000 Jahren beginnt.

Aber keine Sorge: so detailliert wird es auch nicht werden 😉

Ich möchte etwas Wichtiges vorweg sagen: immer wenn ich in der Folge von „Österreich“ spreche, muss uns bewusst sein, dass man in der Vergangenheit eine andere Auffassung von dem Begriff hatte. Das heutige Österreich ist territorial und kulturell aus einer langen Entwicklung hervorgegangen. Das was wir heute als Österreich bezeichnen, gab es in der Form lange Zeit nicht, aber für die Berichte werde ich der Einfachheit halber, immer von Österreich sprechen.

Wer zusätzlich einzelne kleine Beiträge mit Österreich-Bezug lesen möchte, kann gerne auf meiner Facebook Seite @kathystrophalegeschichte oder auf Instagram @geschichte.oesterreich vorbeischauen!

Ich freue mich auf euch!

Die ersten Spuren von Menschen finden sich bereits 180.000 v. Chr. an den Rändern der noch eiszeitlich vergletscherten Alpen, vor allem in Oberösterreich. Bei den Funden handelt es sich hauptsächlich um steinzeitliche Werkzeuge, wie z.B. Faustkeile.

Die bekanntesten Fundstücke sind wohl:

  • Die Venus vom Galgenberg: die 1988 am niederösterreichischen Galgenberg gefundene Figurine ist das älteste Kunstobjekt Österreichs. Sie wird auf 36.ooo Jahre geschätzt. Es handelt sich dabei um eine kleine Frauengestalt (7,2 cm groß), weshalb sie als Venus bezeichnet wird. Wegen ihrer tänzerischen Haltung wird sie auch Fanny genannt, nach der Wiener Tänzerin Fanny Elßler (1810-1884). Sie befindet sich heute im Naturhistorischen Museum in Wien.
  • Die Venus von Willendorf: bei ihr handelt es sich um eine 11 cm große und knapp 30.000 Jahre alte Statuette. Sie wurde 1908 entdeckt und gilt als schönste Venus-Figurine. Zu sehen ist sie ebenfalls im Naturhistorischen Museum in Wien.
  • „Der Mann im Eis“: am 19. Januar 1991 wurde die Eismumie „Ötzi“ im italienisch-österreichischen Grenzgebiet gefunden. Der 5300 Jahre alte „Mann vom Hauslabjoch“ ist heute im Museum in Bozen (Südtirol) zu sehen.

Nachbildung der sogenannten „Ötzi“ Mumie im Archäologiemuseum Bozen, ©sergio_pulp

  • Die Pfahlbauten: die prähistorischen Pfahlbausiedlungen sind Holzbauten, die nicht direkt am Boden liegen, sondern durch Pfähle erhoben werden. Diese 6000 Jahre alten Bauten haben sich in Österreich am Attersee, am Mondsee und am Keutschachersee erhalten. Sie wurden 2011 zum UNESCO-Weltkulturerbe „Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“. Doch da sich die insgesamt 111 Pfahlbauten im Alpenraum auch über Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien und die Schweiz erstrecken, bilden sie ein grenzübergreifendes UNESCO-Welterbe.

Von 800-400 v. Chr. entwickelt sich die Hallstattkultur: damit befinden wir uns in der Eisenzeit, die nach den wichtigsten Fundorten des Eisens benannt ist: Hallstatt und La Tène. Neben dem Eisen war besonders das Salz ein wichtiges Handelsgut, das in den Salzbergwerken Österreichs abgebaut wurde. Nachdem die Römer das Gebiet erobern, wird allerdings Meeressalz importiert und man beendet für ca. 400 Jahren den Salzabbau in Österreich.

Ab 400 v. Chr. besiedeln die Kelten große Gebiete, von denen uns immer noch viele Fundstücke erhalten geblieben sind.

Es gibt zahlreiche Forschungsinstitut und Universitätslehrgänge, die sich näher mit der Frühzeit Österreichs beschäftigen.

Doch wir schreiten nun fort und kommen in die Zeit der Römer.

Die Römer waren eine Weltmacht, die Italien, Spanien, weite Teile Afrikas und Arabiens besetzten. Im 1. Jh. vor Chr. wagten sie Vorstöße über die Alpen. Ihr Ziel war es Mitteleuropa zu erobern – wir kennen ja z.B. die Geschichte vom römisch besetzten Gallien. Ganz Gallien? Oder war da nicht ein kleines gallisches Dorf, das Widerstand leistete? Aber dies ist eine andere Geschichte.

Weiter im Norden sollten sie jedenfalls große Probleme bekommen. Im Jahre 9 n. Chr. kam es zu einer verheerenden Schlacht im Teutoburger Wald bei der die Cherusker drei römische Legionen (ca. 18.000 Mann) vernichteten. Diese Schlacht kennt ihr vielleicht auch unter dem Namen „Varus-Schlacht“, weil der römische Oberbefehlshaber Varus hieß.

Nach dieser Niederlage zogen sich die Römer hinter eine Grenzlinie am Rhein und der Donau zurück, die sie von nun an 400 Jahre lang zu verteidigen suchten. Dies war der Grund der Errichtung vieler Legionslager entlang dieser Grenze: in Österreich vor allem bekannt sind Vindobona und Carnuntum.

Weitere österreichische Orte, die auf die Römerzeit zurückgehen sind z.B. Iuvavum (Salzburg), Namare (Melk), Brigantium (Bregenz), Aelium Cetium (St. Pölten), Vindobona (Wien), Favianis (Mautern), Aguntum (bei Lienz), Virunum (bei Klagenfurt).

Die Völker, die hier zuvor gelebt hatten, vor allem Kelten und Räter, wurden ins römische Reich integriert – teils schlossen sie sich den Römern an, teils wurden sie erobert. Um 15 v. Chr. wurde das keltische Königreich Noricum von den Römern annektiert.

Die wiederaufgebaute Stadt Carnuntum bei Wien, ©nordseegold

Die Römer teilten das heutige österreichische Gebiet in drei Provinzen ein:

Raetien im Westen, Noricum im Zentrum und Pannonien im Osten.

Exkurs Römische Legionslager:

Römische Lager waren in ihrer Grundstruktur alle gleich angelegt, damit sich die Soldaten immer leicht zurechtfinden konnten.

Man lotete den Lagermittelpunkt, die „groma“ aus und von dort aus zog man geradlinig die Lagerstraßen. Im Zentrum standen das Verwaltungsgebäude („principia“) und das Kommandogebäude des Lagerpräfekten („Praetoria“). Weiters gab es noch Kaseren, das Krankenhaus („Valetudinarium“), Thermen und Werkstätten.

Das Lager war mit einer Mauer und einem Graben gesichert. Der Graben in Wien trägt beispielsweise noch immer diesen Namen und zeigt den ungefähren Verlauf. Davor gab es eigentlich auch immer eine „canabae“ – die Lagervorstadt. In dieser siedelten sich teils die Familien der Soldaten an, da diese im Lager nicht erlaubt waren, aber auch viele Menschen, die ihr Geld durch die Nähe zum Lager verdienen konnten: Handwerker, Wirte, Prostituierte usw.

Weiters gab es die Zivilstadt, wo die einfache Bevölkerung lebte. Alle Bereiche der römischen Siedlung wurden durch Aquädukte mit Wasser versorgt.

Tipp: mitten in Wien befindet sich das Römermuseum, das Funde aus dem ehemaligen Legionslager Vindobona zeigt und die Geschichte des römischen Wiens gut erklärt. Es wurde über zwei Tribunenhäusern errichtet, die man im Untergeschoss des Museums besichtigen kann. Diese wurden 1948 bei Kanalbauarbeiten am Hohen Markt entdeckt.

 

Doch was sind Tribunen? Tribunen waren politische und militärische Funktionsträger der Römer. Es gab z.B. den Volkstribun, der ein politischer Vertreter des Volkes war. Aber die Tribunen, die im Legionslager lebten, waren Militärtribune. Diese waren höhere Offiziere der Armee. Dass Amt zählte auch zur Ämterlaufbahn von römischen Adligen: wenn sie eine politische Karriere anstrebeten, mussten sie gewisse Ämter durchlaufen haben. Zu diesen vorsenatorischen Ämtern zählte auch des Militärtribunat, das man im Alter von 18 bis 25 Jahren ausführen sollte. Die Militärtribunen hatten im Lager eigene Unterkünfte, die bis zu ca. 1600 m² Wohnfläche zur Verfügung hatten, während die einfachen Soldaten in Kasernen lebten, in den auf 40 m² 8 Soldaten wohnten.

Im Jahr 106 n. Chr. wurde Pannonien zweigeteilt, wobei Carnuntum zur Provinzhauptstadt von Pannonia Superior wurde.

Tipp: Carnuntum in Niederösterreich ist heute ein offenes Museumsgelände. Man kann viel der Ausgrabungen sehen, es wurde einiges rekonstruiert und es gibt jährlich Römerfestivals. Es lohnt sich, dort mal vorbeizuschauen.

Von 166 bis 180 n. Chr. ziehen sich die Markomannenkriege hin. Es handelt sich dabei um Kriege der Römer gegen die ins Reich einfallenden germanischen Stämme. Kaiser Mark Aurel kämpft insgesamt 3 Markomannenkriege, während derer sich auch das legendäre „Regenwunder im Quadenland“ ereignet, das nicht nur in Rom, sondern auch in Wien auf dem Providentiabrunnen von Georg Raphael Donner auf dem Neuen Markt dargestellt ist. Dabei sollen die Götter Mark Aurel gegen die Germanen geholfen haben, indem sie einen furchtbaren Sturm auf die Gegner niedergehen ließen.

Im Jahr 193 n. Chr. wurde ein römischer Kaiser auf österreichischem Boden ausgerufen: nämlich Septimius Severus von seinen Truppen in Carnuntum. Darauf folgt eine wirtschaftliche Blütezeit für die pannonischen Gebiete.

Römische Goldmünzen mit der Büste von Kaiser Caracalla, ©HeritagePics

Im Jahr 212 erließ Kaiser Caracalla die Constitutio Antoniniana, mit der er den freien Reichsbewohnern das römische Bürgerrecht verlieh. Somit wurden auch die Bewohner des heute österreichischen Gebietes zu römischen Bürgern.

Doch Mitte des 3. Jahrhunderts kommt es zu zahlreichen Grenzkonflikten und sogar Abspaltungen vom römischen Imperium. Es ist eine unruhige Zeit, in der es an die 50 verschiedene Kaiser in nur 50 Jahren geben wird, da sie abgesetzt oder ermordet werden.

Darunter fällt auch der Kaiser Probus (reg. 276–282), der in Österreich eine spezielle Stellung einnimmt, weil er als der Kaiser gilt, der die Kultivierung des Weins in den Provinzen erlaubte. Trotzdem wurde auch er ermordet: von seinen Soldaten bei einer Truppeninspektion abgestochen.

313 n. Chr. wird durch das Edikt von Mailand das Christentum offiziell anerkannt. Es gibt zwei Heilige, die auf heute österreichischem Boden wirkten und römische Bürger waren: es sind der Heilige Severin und der Heilige Florian. Der Heilige Florian lebte noch vor 331 und wurde als christlicher Märtyrer hingerichtet. Bis heute ist er der Landespatron von Oberösterreich und der Schutzpatron vor Brand und Unheil. Somit ist er einer der am häufigsten dargestellten Heiligen in Österreich. Der Heilige Severin war ein spätantiker Missionar auf österreichisch-bayrischem Gebiet, dessen Gebeine im Auftrag des Odoaker nach Italien gebracht worden waren und dem Ort San Severino den Namen geben.

Im 5. Jahrhundert verlassen die Römer schließlich nach und nach das österreichische Gebiet.

Von nun an wird es ca. 500 Jahre lang keine Nachrichten mehr über dieses Gebiet geben.

 

Die römische Kultur, ihre Straßen, Wasserleitungen und so vieles mehr, prägte das Gebiet eine lange Zeit und der römische Einfluss lebt bis heute fort. Das gut ausgebaute römische Straßennetz führte dazu, dass der Handel florieren konnte und sich die Städte in Österreich entwickeln konnten.

Zur Zeit der Monarchie war man sich der Bedeutung der Antike viel sehr bewusst: man schmückte die Paläste mit Allegorien und Symbolen aus den griechisch-römischen Sagen, unterrichtete griechische Philosophie und stellte aktiv Verbindungen zu den Herrschern und Helden der Antike her. Diese Darstellungen schmücken auch heute noch viele österreichische Städte.

Außerdem haben wir unzählige antike Objekte in österreichischen Museen erhalten. Es befindet sich zum Beispiel die zweitgrößte Papyrussammlung der Welt in Österreich! Außerdem gibt es zahlreiche Fundstücke aus dem Alten Ägypten, Griechenland und Rom im Kunsthistorischen Museum oder dem Ephesos Museum in Wien. Ich könnte jetzt Seitenweise Museen und Schaustücke aufzählen, aber das erspare ich euch. Wer sich dafür mehr interessiert kann in einzelnen Artikeln oder in meinem Buch mehr darüber erfahren.

Die Antike umgibt uns auch in Österreich ständig, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.

 

Wir setzen unsere Geschichte im nächsten Kapitel fort: Österreich im Mittelalter!

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