Die Gitarre im Barock

von Thomas Siemens

Die Gitarre im Barock

von Thomas Siemens

Die Gitarre, so wie wir sie heute kennen, hat bereits eine mindestens 500 Jahre lange Geschichte. Auf ihrer langen Reise hat sie zahlreiche Veränderungen und Entwicklungen durchgemacht, so dass wenn wir eine Gitarre von heute neben eine von vor 300 Jahren halten wir beide zwar klar als Gitarren erkennen, trotzdem sind die beiden Instrumente sehr unterschiedlich. Das gilt auch für die Gitarre im Barock.

Wenn wir als heutige Betrachter eine Barockgitarre anschauen wird uns vielleicht als erstes auffallen, wie klein sie ist. Sie ist viel zierlicher und schlanker als heutige Instrumente. Die Seiten sind viel weniger eingeflankt, der Boden ist birnenförmig gewölbt. Die Wirbel haben noch keine Mechanik sondern sind gesteckt, wie bei der Geige. Das Griffbrett hat oft keine Bünde aus Metall, sondern aus Darm gebundene. Das Schalloch ist prunkvoll geschmückt, oft mit einer Rosette aus Papier, die es ganz verdeckt. Wenn man wieder auf den Kopf der Gitarre schaut dann wird einem beim zweiten Blick vielleicht die große Menge der Wirbeln auffallen. Die Barockgitarre hatte zwar nur 5 Saiten, nicht 6 wie heutige Gitarren, allerdings war die Barockgitarre doppelchörig besaitet, jede Saite war in doppelter Ausführung vorhanden. Die Gitarre hatte also zwischen 9 und 10 einzelner Saiten, je nachdem ob auch die erste Saite doppelchörig war. Umsponnene Saiten wie heute hab es noch nicht, sie waren deswegen in aller Regel aus Darm. Entsprechend der anderen Bauweise war auch der Klang der Barockgitarre ganz anders. Im Vergleich zu heutigen Instrumenten klangen sie viel leiser und weniger voll und mit einer silbrigen Klangfarbe.

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Wir befinden uns am Anfang des 17. Jahrhunderts. Die große Blüte der Vihuela am spanischen Königshof ist vorbei. Ihr Nachfolger, die Barockgitarre konnte nicht in gleichem Maße an die hohe Kunstmusik anzuschließen. Der Stil und Geschmack im Barock hatte sich verändert und die Barockgitarre vermochte es nicht, dort die selber Rolle einzunehmen, wie die Vihuela in der Renaissance. Ein Grund dafür war, dass der Gitarre hierfür der Tonumfang fehlte. Sie konnte nicht Melodien gleichzeitig mit tiefen Bässen begleiten, so wie es der Geschmack der Zeit verlangte. Im Bereich der Zupfinstrumente stand die Laute mit ihren vielen Saiten und dem gewaltigen Tonumfang im Vordergrund. Die Gitarre fand ihre Nische vor allem in der Akkordbegleitung. Die Saiten wurden durchgestrichen, nicht unähnlich zu Westerngitarren und Flamenco heute. Dieser Spielstil wurde im spanischen “Rasguado” und im italienischen “batteries” genannt. In Italien entwickelte sich eine Akkordschreibweise, das sogenannte “Alfabeto”, ähnlich zu den Akkordsymbolen, die heute in der Popmusik üblich sind. Im Verlauf der Epoche veränderte sich auf das Spiel auf der Barockgitarre. Es ging wieder Richtung mehrstimmigen, gezupftem Spiel, auch “Punteado” genannt. Allerdings konnte dir Gitarre hier nicht annähernd das erreichen, wozu die Laute m Stande war oder was die Vihuela in der Renaissance vermochte. Als Generalbassinstrument war die Gitarre aber durchaus in Gebrauch.

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Für Gitarristen heute stellen Werke für die Barockgitarre eine gewisse Herausforderung dar. Nicht unbedingt wegen der technischen Schwierigkeit. Der Grund ist, dass für die Barockgitarre unterschiedliche Stimmungen üblich gewesen sind. Die Saiten waren zwar auf die gleichen Töne gestimmt, wie auf der heutigen Gitarre, die Oktave, in der die Saite gestimmt wurde konnte allerdings variieren. Die Doppelsaiten waren nicht zwangsläufig in derselben Oktave gestimmt. Das in Kombination damit, dass die Barockgitarre in Tabulatur notiert wurde macht es heute teilweise schwierig, die Tabulatur in Noten zu übertragen. Auch wenn klar ist, was gegriffen wurde kann man nicht immer sagen, was genau der klingende Ton ist, es sei denn man kennt die genaue Stimmung, die der Komponist verwendet hat. Dieser Umstand in Verbindung damit, dass die Barockgitarre doch in ihrem klanglichen Charakter sehr anders ist, als bei der modernen Gitarre hat dazu geführt, dass ihre Musik kaum Eingang gefunden hat in das heute übliche Repertoire. Und so hören wir heute kaum von Meistern wie Gaspar Sanz, Francesco Corbetta oder Robert Visé.

Die Geschichte drehte sich im Verlauf des 18 Jahrhunderts weiter und während die Gitarre den Übergang in die Klassik schafft geriet ihr Konkurrent, die Laute, in Vergessenheit und verschwand schließlich.

Um den Sprung ins neue Zeitalter zu schaffen waren jedoch einige Veränderungen nötig. Die doppelchörige Besaitung wechselte zu einfachen Saiten, so wie wir sie heute kennen und eine 6. Saite kam dazu. Auch die Bauweise änderte sich etwas. Die Gitarre war immer noch kleiner als heute, war aber schon mehr ähnlich zu dem, was wir heute kennen. Wichtig war auch, dass Gitarristen anfingen, die Musik in Notenschrift zu notieren wie es inzwischen bei allen anderen Instrumenten üblich war, und nicht mehr in Tabulatur. Nicht zuletzt kam der Gitarre zugute, dass sich zur Klassik wieder die Klangvorstellungen und künstlerischen Ideale änderten. Es wurde keinetiefe, schwere Musik mehr verlangt, sondern mehr leichte und elegante. Das konnte die Gitarre gutbedienen, und so setzte die Gitarre ihren Weg durch die Geschichte fort

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