Die Liebe zum Winter

von Thomas Stiegler

George Bellows war der große Chronist New Yorks des frühen 20. Jahrhunderts. Denn neben seinen bekannten Darstellungen von Boxkämpfen und Tennis- oder Baseballspielen waren es vor allem Szenen aus dem Großstadtleben dieser Stadt, die er liebevoll gestaltete und die den Großteil seines Oeuvres ausmachten. Dabei strahlen seine Bilder aus den Straßen und Kneipen, die er mit Arbeitern und einfachen Menschen füllte, eine für sein Werk typische Unruhe aus, die durch seine markante Pinselführung noch verstärkt wurde.

Im Januar 1914, er war zu diesem Zeitpunkt 32 Jahr alt, schrieb er an einen Freund, und hier findet sich folgende Stelle: »Es hat nicht den von mir geliebten Schnee gegeben. Ich muss den Schnee immer mindestens einmal im Jahr malen«.

Fast scheint das ein prophetisches Wort gewesen zu sein, denn kurz darauf sollte New York von einem heftigen Schneesturm heimgesucht werden. Der Künstler, der sich auf den Straßen der Stadt herumtrieb, inspirierte dabei besonders eine Szene, die er in einem öffentlichen Park beobachten durfte: Menschen unterschiedlichsten Alters und aus den verschiedensten Milieus hatten sich hier versammelt, um Schlittschuh zu laufen oder andere dabei zu beobachten. Dies sollte ihn als Anregung zu einem seiner schönsten Bilder dienen: »Die Liebe zum Winter«.

Love of Winter; Date: 1914;  Artist: George Wesley Bellows; CC0 Art Institute Chicago

Wir sehen eine Winterlandschaft, auf der sich Menschen tummeln, die in leuchtend Rot-, Gelb- und Grüntöne gewandet sind. Diese Farben sind nicht nur Ausdruck einer intensiven Lebensfreude, sondern sie verstärken auch die Farben des Schnees und lassen die Figuren plastisch hervortreten, fast so, als könnte man sie berühren. Beeindruckend ist auch, wie der Künstler durch breite, schräge Pinselstriche das Gefühl vermittelt, als würde der Wind über die Leinwand streichen und die Menschen fast von ihren Füßen reißen. Ein wunderschönes Werk, das einen wünschen lässt, nur eine Stunde in dieser Menge Schlittschuh zu laufen.

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