Die phantastischen Bildwelten Gustave Dorés

von Janin Pisarek

Von einem einzigartigen Künstler zwischen kaltem Realismus und bizarren Visionen

 

Gustave Doré (1832–1883) war ein Meister der Phantastik – ein facettenreicher Maler und Grafiker, der nicht nur die Violine beherrschte, sondern auch als Karikaturist und Bildhauer tätig war. Er zählt zu den größten Illustratoren der Kunstgeschichte. Seine Grafiken aus nur 51 Lebensjahren zieren rund 90 Werke der Weltliteratur. Damit zählt er zu den produktivsten und erfolgreichsten Buchillustratoren des späten 19. Jahrhunderts. Sein Spektrum reicht von satirischen bis hin zu religiösen Themen.

Mit seinen üppigen und bizarren Phantasien schuf er eine fesselnde grafische Welt mit riesigen traumhaften Szenen voller Fabelwesen, Monstren und geheimnisvollen Märchen- und Sagengestalten. Sein umfassendes Schaffen prägte unser Bild von Himmel und Hölle, von Heldentum und Tragödie und verlieh literarischen Werken eine faszinierende Bildsprache.

 

Die jungen Jahre

Bildnis von Gustave Doré, © Gordon Johnson

Am 6. Januar 1832 wird Paul-Gustave Doré im französischen Straßburg geboren. Bereits als Schüler fällt Dorés Begabung als Zeichner auf. Als Jugendlicher geht er mit nur 15 Jahren nach Paris, wo er wöchentlich lithografische Karikaturen für das Le Journal pour rire produziert. Jean Ignace Isidore Gerard (1803–1847), ein beliebter Karikaturist, der seine Illustrationen unter dem Namen J. J. Grandville veröffentlichte und besonders für seine Mischwesen aus Mensch, Tier und Pflanze bekannt war, zählt in dieser Zeit mit zu Dorés größten Einflüssen. Doré zeichnet absurd witzige, gesellschaftskritische Bildgeschichten, die in humoristischen Zeitungen publiziert werden.

Zwischen 1847 und 1854 fertigt er mehrere Comics wie L’histoire dramatique, pittoresque et caricaturale de la Sainte Russie (zu Deutsch: Die Historie vom heiligen Russland), die rund 500 Druckgrafiken enthält – noch ein Jahrhundert bevor diese Art Bildergeschichten salonfähig werden. Hier zeigt er, dass er seiner Zeit zeichnerisch weit voraus ist. Die exzesshaften Gewaltdarstellungen könnten mit Frank Millers düsterer Comicreihe Sin City aus den 1990er Jahren mithalten. Doré scheint hier keine Grenzen zu kennen – von abgehackten Köpfen über aufgeschnittene Mägen bis zu zerfetzten Gliedmaßen.

S. 11 aus der Historie vom heiligen Russland, gemeinfrei

Hatte er sich bei vorherigen vergleichbaren Werken noch an die klassische Panelform wie in heutigen Comics gehalten, verzichtet er bei einigen wie hier darauf und variiert Größe und Anordnung der Bilder, wie es auch als Stilmittel in heutigen Mangas und Bildgeschichten üblich ist. Er nutzt die Kacheln in seinem Russland-Werk lediglich als Stilmittel beziehungsweise als einen Platzhalter für seinen Humor. Denn die Panels auf Seite 7 bleiben leer. Darunter schreibt er:

S. 7 aus der Historie vom heiligen Russland, gemeinfrei

»Da das folgende Jahrhundert ebenso farblose Ereignisse hervorbrachte wie das vorherige, hatte ich Angst, lieber Leser, Sie gegen mein Werk aufzubringen, indem ich Sie mit zu langweiligen Zeichnungen belaste. Mein Verleger, pflichtbewusst wie er ist, ermunterte mich allerdings dazu, wenigstens den für die Zeichnungen vorgesehenen Platz anzudeuten.« Wir finden hier nicht nur einen innovativen Umgang mit künstlerischen Stilmitteln, sondern auch eine jugendliche Unbeschwertheit mit einer großen Portion Humor.

Es folgen zahlreiche Anfragen und Aufträge für Buchszenen. 1853 bekommt er die Gelegenheit, die Werke des britischen Dichters und Vertreters der englischen Spätromantik – der sogenannten Schwarzen Romantik – Lord Byron (1788–1824) zu gestalten.

Die mit ihm in Kontakt stehenden Verleger sind zunächst wenig begeistert von seinem neuen Vorhaben, in einem Stil alle seine liebsten literarischen Werke illustrieren zu wollen. Es sei nicht praktikabel, denn das Vorhaben zu kostspielig und die Menschen nicht bereit, hohe Preise für Bücher zu zahlen. Der Künstler ist anderer Meinung und will für die Verwirklichung eines seiner Kindheitsträume in Vorleistung gehen. Mit Inferno veröffentlicht er den ersten Teil von Dante Alighieris‘ (1265–1321) Divina Commedia. Schon als Kind von neun Jahren hatte er sich an der grafischen Darstellung von die Göttliche Komödie versucht. Sein Verleger Louis Hachette lässt sich zunehmend auf das Projekt ein. Doré fertigt zahlreiche Holzstiche und malt das Gemälde Dante und Vergil im 9. Kreis der Hölle.

Gemälde Dante et Virgile dans le neuvième cercle de l’enfer (1861), gemeinfrei

Mit der Veröffentlichung im Jahr 1861 ist die erste Ausgabe – ganz zur Überraschung vieler Verleger – ausverkauft und sein Werk findet internationale Anerkennung. Die große Übereinstimmung zwischen Dorés visuellen Bildern und der literarischen Reise durch Hölle, Fegefeuer und Paradies veranlasste einen Kunstkritiker sogar dazu, eine okkultistische Telepathie zwischen Künstler und Dichter zu vermuten.

Illustration zu Dantes Göttliche Komödie, Inferno (1861), gemeinfrei

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Erklärt Doré im Alter von 33 Jahren noch selbstironisch, bisher »nur 100.000 Zeichnungen gefertigt« zu haben, soll er mit seinen Bibel-Illustrationen einen weiteren Erfolg feiern. Auf die französische Erstauflage folgen in kürzester Zeit Pracht- und Volksausgaben in allen europäischen Sprachen. Die Beliebtheit der Holzstiche kann sogar konfessionellen Hürden trotzen, sodass Dorés Bilder ebenso Einzug in katholische, reformierte, russisch-orthodoxe, anglikanische, methodistische, baptistische und freikirchliche Bibelausgaben finden. Bis heute ist die »Doré-Bibel« die bekannteste Bibelausgabe des 19. Jahrhunderts und die populärste Bilderbibel weltweit – sie markiert einen Meilenstein der Buchillustration. Ein Jahr nach der Publikation kommt es zu einer großen Werkschau in London. Daraufhin eröffnet Doré seine eigene Galerie, die sich in der Londoner Bond Street befand und sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch für britische und kontinentale Künstler öffnete.

Die Zerstörung des Leviathan (1865)gemeinfrei

Kalter und düsterer Realismus

Im Zuge der Doré-Gallery erhält der Illustrator 1869 vom englischen Journalisten William Blanchard Jerrold den Auftrag, ein umfassendes Porträt von London zu gestalten. Drei Jahre später 1872 stellt Doré auch dieses Werk fertig. Es soll das Paradebeispiel für seine Ausflüge in realistische Szenerien werden. Neben verschiedenen Reiseberichten und Kriegsreportagen veröffentlicht er unter dem Titel London: A Pilgrimage 180 Illustrationen aus den rauen Straßen des viktorianischen Englands. Informationen aus erster Hand sowie mehrmonatige Aufenthalte helfen ihm bei seinen detailreichen Darstellungen. Unverblümt und schonungslos zeigt er das raue Leben der Unterschicht und entführt in die entlegenen Orte der Metropole. Er nimmt die Betrachter mit in dunkle Gassen, in denen Blumenmädchen widerwillig ihren Körper verkaufen oder begibt sich auf die Spuren schroffer Dockarbeiter, alkoholkranker Kneipenbesucher, kaltblütiger Verbrecher und verzweifelter Tagelöhner.

An den Docks, © Gordon Johnson

Dabei spart Doré nicht an der Darstellung der menschlichen Abgründe und zeigt die finsteren Seiten jener Zeit, die neben den heute in Filmen fast schon romantisierten Opiumhöhlen oder den gegenwärtigen, an diese Zeit angelehnten Lolita- oder Steampunkstyle, vor allem durch Armut, Krankheiten und Verbrechen geprägt sind. Diese durchaus sozialkritische Perspektive und das Zeigen der Londoner Slums findet nicht nur Anhänger. Lokale Kritiker finden wenig gute Worte und dennoch: mit dem Buch landet er einen Publikumshit.

Der eher als melancholisch beschriebene Künstler führt seinerzeit ein sehr aktives gesellschaftliches Leben in Paris, wo er mit verschiedenen Künstlerpersönlichkeiten, Schriftstellern, Komponisten und Opernsängerinnen, von denen ihm mit einigen prominente Liaisons nachgesagt werden, viele Salons und Soireen besucht und veranstaltet. Zwischendurch ist er viel auf Reisen. Beide Welten beeinflussen Doré in seinem künstlerischen Schaffen. Besonders in seinem letzten Lebensabschnitt steigt sein Interesse an Mythen, Märchen, Epen, Sagen und Gedichten – so bearbeitet er etwa wie sein Freund Richard Wagner (1813–1883) die Nibelungensage.

John Miltons Paradise Lost (1866), gemeinfrei

Am 23. Januar 1883 verstirbt Gustave Doré mit nur 51 Lebensjahren in Paris an den Folgen eines Herzinfarkts. Er hinterlässt ein Gesamtwerk mit mehreren tausend Einzelstücken, darunter Illustrationen zu Honoré de Balzacs Tolldreiste Geschichten (1855), Gottfried August Bürgers Münchhausen (1862), Charles Perraults Märchen (1862), John Miltons Paradise Lost (1866) oder Jean de la Fontaines Fabeln (1866). Seine Arbeit beeinflusst fortan Kunstschaffende verschiedener Genres, besonders Akademiker der Romantik.

Was bleibt?

Eine Doré-Illustration aus Der Rabe (1884), gemeinfrei

Szene aus Folge 8 der Serie The Fall of House of Usher (2023), © Netflix

Erst nach seinem Ableben erscheint die von Doré illustrierte Version von Edgar Allen Poes Der Rabe (Erstveröffentlichung 1845), eine melancholisch-düstere Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Vergänglichkeit, im New Yorker Harper & Brothers Verlag. Die Stahlstich-Illustrationen, sogenannte Siderografien, die als grafisches Tiefdruckverfahren zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Nachfolgetechnik für den Kupferstich erfunden wurden, sind bis heute bekannt. Das erzählende Gedicht des US-amerikanischen Schriftstellers erfreut sich jüngst durch den Erfolg der düsteren Netflix-Serie Der Untergang des Hauses Usher (im Original The Fall of the House of Usher) von Mike Flanagan neuer Popularität.

Mit der exzentrischen Adaption von Poes Werken, Handlungssträngen, Motiven sowie Figuren und Namen holt die Serie das 19. Jahrhundert in die Gegenwart ohne auf Verknüpfungen mit tatsächlichen Geschehen aus der Zeitgeschichte, wie der Opioidkrise in den Vereinigten Staaten auszusparen. Der Rabe zieht sich als personifizierte Verna (Anagramm von Raven, zu Deutsch: Rabe) durch das 8-teilige Lichtspiel und liefert mit seiner besonderen Präsenz in Folge 1 und 8 den Rahmen. Auf tieferer Ebene finden wir in der Serie eine schonungslose Kapitalismuskritik, die an Dorés Londoner Darstellungen erinnert. So wirkt auch Vernas Monolog in Auszügen, als hätte dieser auch aus dem trübseligen, kritischen Gemüt Dorés kommen können, wenn sie in Folge 8 ab Minute 37 sagt: »Oh Mann, so viel Geld. Eines meiner Lieblingsdinge was die Menschen angeht. Hungersnöte, Armut, Krankheiten, sie könnten mit ihrem Geld alles in Ordnung bringen und tun‘s nicht. Sie müssten nur etwas Zeit von den eitlen Exkursionen, den vergnüglichen Kreuzfahrten und dem Milliardärs-Weltraumwettlauf abknapsen. Würden sie nur ein Jahr lang keine Filme und Serien drehen und das Geld dorthin geben wo es wirklich fehlt. Sie könnten alle retten und hätten noch etwas übrig.«

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Einblicke in Dorés phantastische Welten

Dorés Œuvre ist von Abwechslung geprägt, was Technik wie Inhalt anbelangt. Es enthält eine Vielzahl von Karikaturen – maßgeblich aus seinen frühen Jahren, von Reisen geprägte Natur- und Landschaftsdarstellungen und -malereien, religiöse Ikonografie und Ausflüge in realistische Gefilde, wie etwa auch bei seinen 100 Tafeln für Francois Michauds Geschichte der Kreuzzüge (1877), die brutal das Chaos jener Zeit illustrieren. Dabei behandelte er vornehmlich zeittypische Themen, welche in ihrer Stimmungslage ein großes Spektrum aufweisen – von ernst und düster über phantastisch und phantasievoll bis zu komisch-lächerlich.

Bei dem Großteil von Dorés Gesamtwerk handelt es sich um druckgrafische Arbeiten, wie dem Reliefdruck (Holzschnitt), dem Tiefdruck (Radierung) und dem Flachdruck (Lithografie). Maßgeblich sind diese zwischen 1845 und 1879 entstanden – drei Jahrzehnte voll bedeutender Kupferstiche und Lithografien nach eigenen Motiven. Ebenso fertigte er zahlreiche Gemälde, die ätherische Szenerien, mythologische Kreaturen, Landschaften und bedeutende Ereignisse darstellen. Während die grafische Qualität seiner Zeichnungen und Stiche recht unangetastet blieb, sind es doch seine zahlreichen Gemälde, wie Christus verlässt das Prätorium, die von Kritikern seiner Zeit eher auf Ablehnung stießen. Zu unklassifizierbar und phantasievoll sei sein eigenwilliger Stil.

Christus verlässt das Prätorium (zwischen 1874 und 1880), gemeinfrei

Heute gelten besonders Dorés Illustrationen zu mythologischen Themen, Erzählungen, Dichtungen und Märchen, die vor allem in seiner letzten Schaffensperiode entstanden, als seine wichtigsten Arbeiten. Auch hier behandelte er zeittypische Themen, hatten doch die Märchen im 19. Jahrhundert einen großen Einfluss auf die Gesellschaft und Kultur.

Andromeda am Felsen (1869), gemeinfrei

Dorés Märchenillustrationen wirken im Gegensatz zu denen vieler anderer Künstler düster, fast schon morbide und beklemmend, wie die Darstellungen des Ogers aus dem Däumling oder des zum Rotkäppchen ins Bett steigenden Wolfes im gleichnamigen Märchen demonstrieren.

Illustration von Rotkäppchen und der Wolf aus Charles Perraults Märchen (1862), gemeinfrei

Selbst die Visualisierungen zu Aschenputtel wirken verglichen mit dem weitaus bedrohlicherem Blaubart nicht weniger bedrückend. Wobei sich gerade beim Betrachten letzteren ein besonderer Schauer einstellen dürfte, kennt man die Geschichte des frauenmordenden Ritters. Vielleicht ist es auch gerade Dorés Sinn für Realismus, der ihn dazu veranlasst, abgründige Szenen nicht zu meiden, zu kaschieren oder gar zu beschönigen, wie viele seiner Kollegen, sondern genau diese sogar zu nutzen. Dies ist beispielsweise bei seinen Illustrationen zu Der kleine Däumling der Fall. Hier hat Doré sich nicht gescheut, den Menschenfresser darzustellen, der kurz davorsteht versehentlich seinen eigenen Kindern die Kehlen durchzuschneiden.

Der kleine Däumling. Illustration Gustave Doré (Les Contes de Perrault, Verlag Julius Hetzel, 1862), gemeinfrei

Dabei zeugen die Stiche von großem handwerklichen Geschick und künstlerischer Raffinesse. Mit ihrer immensen Tiefenwirkung sorgen sie für eine meisterhafte Darstellung des Lichts. In Dorés Bildern vereinigt sich Dramatisches und Geisterhaftes mit starker Neigung zur Karikatur, passend zum Perrault’schen Märchen, auch wenn sie nicht immer in Einzelheiten dem Originaltext folgen oder historische Requisiten verschiedener Epochen zeigen. Besonderes Talent zeigt sich in der Charakterisierung von Figuren. 

Blaubart (1862), gemeinfrei

Doch um so eine Dramatik zu erzeugen, benötigt Doré nicht unbedingt solcherlei Erzählungen. Auch in anderen Illustrationen des Künstlers sind es vor allem die Fabelwesen und numinosen Gestalten sowie apokalyptischen Bilder, die »mit ihrem neugierigen Anteil an allem Seltsamen, Abenteuerlichen, schaurig oder drollig Verzerrten […] Zwischen Situationskomik und Situationstragik  dominieren« und sich »in der Sphäre des Skurrilen, Gespenstisch–Burlesken, Romantisch–Ironischen« [1] bewegen. Ähnlich sieht es auch in den 230 Bibel-Illustrationen aus, die durch ihre Vielfalt und ihren Einfallsreichtum den Auftakt für die Erneuerung der religiösen Kunst bilden.

Tod auf einem blassen Pferd (1865), gemeinfrei

Es sind solche ikonischen Werke, die bis heute überdauern, indem sie ihren Weg in die gegenwärtige Zeit fanden. Viele Arbeiten Dorés werden noch heute in popkulturellen Zusammenhängen rezipiert. So ziert die biblische Darstellung Tod auf einem blassen Pferd (1865) beispielsweise das Debut Emperor der gleichnamigen norwegischen Black Metal Band von 1993 sowie ihre Compilation aus dem Jahr 1998. Mit seinem Œuvre hat er aber auch Künstler wie den spanischen Surrealisten Salvador Dalí (1904–1989) oder den deutschen Illustrator und Schriftsteller Walter Moers beeinflusst. Moers, der sich von der wilden Phantastik verschiedener europäischer Autoren wie E. T. A. Hoffmann (1776–1822) und ihrer Schauerliteratur wie Komiktradition angezogen zu fühlen scheint, hat Doré als großem Illustrator solcher Werke mit Wilde Reise durch die Nacht ein ganzes Buch gewidmet. Diesen originellen Fantasyroman konstruierte er entlang von 21 Illustrationen Dorés.

Mit der breiten Rezeption seit Beginn des 20. Jahrhunderts verhielt es sich trotz vieler Aufträge seinerzeit noch anders. Wo heute ein nachhaltiger Einfluss auf Filme wie King Kong, Sleepy Hollow oder das Star Wars-Universum festzustellen ist, äußerten sich seinerzeit wenig zeitgenössische Kritiker wirklich positiv. Es waren Schriftsteller wie der Théophile Gautier (1811–1872), der als Librettist mit Giselle einen riesigen Erfolg landete oder Émile Zola (1840–1902), der als Leitfigur und Begründer des Naturalismus gilt, die Doré für seine dramatische, theatralische und phantasmagorische Ausdrucksstärke bewunderten. Von Vertretern der neuen Kunst, Anhängern des Impressionismus und Akademikern war der exzentrische Künstler immer wieder starker Kritik ausgesetzt.

Sie warfen ihm Flüchtigkeit, geringes Naturstudium und bizarre Manierismen aller Art vor. Andere kritisierten wie bei seinen Arbeiten zu London seinen Fokus auf das Proletariat negativ, das auf Zola wiederum großen Eindruck ausgeübt haben muss, erschuf er doch mit seinen Worten vergleichbare Sphären. Und noch heute ist es Dorés besondere Ästhetik in Darstellungen rauer, alpiner Bergmassive, kantiger Märchenschlösser, grotesker Wesen und eindrücklicher Bilder von Himmel und Hölle, die bis heute überdauern. 

Schloss von Gustave Doré © gemeinfrei

Seine Inspiration und sein Schaffen kannten keine Grenzen. Henri Leblanc zählte 1931 11.013 Werke – und das in seinem eher kurzen Leben. Mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten und seinen exzeptionellen Visionen schuf Doré Bilder, die heute zu den wichtigsten Illustrationen der Literatur- und Kunstgeschichte zählen.

 

Fußnote und Literatur

[1] G. F. Hartlaub: Gustav Dore und seine Illustrationen. In: Zeitschrift für bildende Kunst, Neue Folge 29, Bd. 53, 1918, Nr. 2/3, S. 35–56, S.49. (abgerufen unter: https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/2615/1/Hartlaub_Gustave_Dore_und_seine_Illustrationen_1918.pdf, 07.05.2019)

 

 

Angelika Schoder: Der Fantastische Gustave Doré, unter: https://musermeku.org/gustave-dore/, 15.11.2023.

 

Charles Perrault: Märchen aus alter Zeit, Melzer Verlag 1976.

 

Kathrin Hondl: Vater der Comic-Kunst, unter: https://www.deutschlandfunk.de/gustave-dore-vater-der-comic-kunst-100.html, 15.11.2023.

 

Nicholas Hall: Gustave Doré, unter: https://www.nicholashall.art/artist/gustave-dore/, 15.11.2023

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