Erzherzogin Sophie: Böse Gegenspielerin in Sisis Lebensdrama? (Teil 3)

 

 

 

 

 

von Julia Meister

Teil 3: Die Verlobung in Bad Ischl

Erzherzogin Sophie war, wie wir bereits in Teil 1 und 2 gesehen haben, ein wahres Mastermind, was die Außendarstellung ihres Sohnes anbelangte. So ist es auch wenig verwunderlich, dass sie ebenso das Privatleben ihres Sohnes steuerte, und ihm die ihrer Meinung nach geeignete Braut zuführte. Aber war es wirklich Sisi, die mit Franz Joseph den Bund der Ehe eingehen sollte? Grund genug, in Teil 3 der Erzherzogin-Sophie-Reihe einem der wichtigsten Ereignisse im kaiserlichen Leben nachzufühlen: der Verlobung in Bad Ischl.

Franz Ruß d. Ä. (Künstler), Kaiserin Elisabeth, 1855, Wien Museum Inv.-Nr. 198191, CC BY 4.0, Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum.

Zunächst einmal: Warum wurde die Frage nach einer passenden Braut für Franz Joseph gerade im Jahr 1853 akut? Nun, im Februar des Jahres ereignete sich ein Attentat auf den jungen Kaiser, als dieser mit seinem Flügeladjutanten auf den Basteien promenierte. Ein ungarischer Schneider stürzte sich von hinten auf Franz Joseph, welcher gerade einigen Soldaten beim Exerzieren im Basteigraben zusah. Dabei stieß er mit einem Messer in Richtung der kaiserlichen Kehle; dieses rutschte jedoch, dem steifen Uniformkragen sei Dank, ab, und zurück blieb zwar eine blutende Wunde, die jedoch den Monarchen nicht in Lebensgefahr versetzte.

Franz Joseph und seine Mutter blieben mit einem großen Schrecken zurück, dem Adjutanten O’Donnell und dem zu Hilfe geeilten Fleischhauer Josef Ettenreich dankten Mutter und Sohn mit der Verleihung des Franz-Josephs-Ordens.

 

 

Übrigens ist die heute das Wiener Stadtbild schmückende, hochgewachsene Votivkirche auch eine Frucht dieses Attentats, denn Erzherzogin Sophie hatte die Idee zur Errichtung derselbigen aus Dankbarkeit darüber, dass ihr Sohn das Attentat so glimpflich überstanden hatte. Ihr Sohn, Erzherzog Maximilian, führte dieses Projekt zwar aus, die Idee dazu hatte jedoch die Kaiserinmutter höchstselbst!

Franz Ruß d. Ä. (Künstler), Kaiser Franz Joseph I. in Gala-Feldmarschallsuniform, 1852, Wien Museum Inv.-Nr. 198190, CC BY 4.0, Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum.

Zunächst einmal: Warum wurde die Frage nach einer passenden Braut für Franz Joseph gerade im Jahr 1853 akut? Nun, im Februar des Jahres ereignete sich ein Attentat auf den jungen Kaiser, als dieser mit seinem Flügeladjutanten auf den Basteien promenierte. Ein ungarischer Schneider stürzte sich von hinten auf Franz Joseph, welcher gerade einigen Soldaten beim Exerzieren im Basteigraben zusah. Dabei stieß er mit einem Messer in Richtung der kaiserlichen Kehle; dieses rutschte jedoch, dem steifen Uniformkragen sei Dank, ab, und zurück blieb zwar eine blutende Wunde, die jedoch den Monarchen nicht in Lebensgefahr versetzte.

Franz Joseph und seine Mutter blieben mit einem großen Schrecken zurück, dem Adjutanten O’Donnell und dem zu Hilfe geeilten Fleischhauer Josef Ettenreich dankten Mutter und Sohn mit der Verleihung des Franz-Josephs-Ordens.

 

 

Ein Ungar also war es, der das Attentat verübte – und damit den Stein ins Rollen brachte, Franz Joseph mit einer Wittelsbacherin zu vermählen, wie es Martin Mutschlechner beschreibt:

»Sophie war strikt gegen eine Föderalisierung der Monarchie, die den verschiedenen Volksgruppen vermehrte Mitspracherechte gegeben hätte. Vor allem in den Ungarn sah sie [Erzherzogin Sophie, Anm. JM] eine Horde revolutionärer Hitzköpfe, die offen am Untergang der Habsburgermonarchie arbeiteten. Sie favorisierte eine verstärkte Präsenz Österreichs in deutschen Landen, wo der traditionelle Vorrang innerhalb der deutschen Fürsten aufrechterhalten werden sollte.

In diesem Sinne ist auch Sophies Versuch zu verstehen, ihren Sohn mit einer Tochter ihrer Schwester Maria Ludovika aus dem bayrischen Haus Wittelsbach zu vermählen. «

Beachten wir die Wortwahl – es wird von einer Wittelsbacherin gesprochen, die als zukünftige Braut Franz Josephs agieren sollte; eine Wahl wurde hier noch nicht direkt getroffen. Elisabeths Schwester Helene, Nené genannt, war die älteste Tochter von Erzherzogin Sophies Schwester Ludovika und deren Ehemann, Herzog Max. Sie wurde von Erzherzogin Sophie favorisiert, Nenés Schwester Elisabeth wurde mehr oder weniger zufällig mit nach Bad Ischl genommen. Für Sisis Reise als, salopp gesprochen, Gesellschafterin der Schwester sprach ferner, dass Franz Josephs Bruder Karl Ludwig mit Elisabeth in Briefkontakt stand, sodass sich hier vielleicht eine Verbindung ergeben würde.

Nené war altersmäßig eher passend, da sie nur um 4 Jahre jünger war als der Kaiser; zwischen Franz Joseph und Sisi lag eine Altersdifferenz von 7 Jahren. Nené hatte eine gewisse Ernsthaftigkeit, ein passables Äußeres und schien formbar – damit entsprach sie gewiss den Anforderungen ihrer Tante Sophie. Wichtig war, dass die Wittelsbacher katholisch waren, obwohl Ludovika mit Religion nicht allzu viel am Hut hatte und sich selbst als angeprotestantelt beschrieb. Kurzum: Franz Joseph und Nené sollten sich relativ ungezwungen – was jedoch aufgrund der Tatsache, dass beide Mütter sowie ein Teil des Hofstaates dabei waren, beinahe lächerlich erscheint – im pittoresken Bad Ischl näher kennenlernen. Anlass war der Geburtstag Franz Joseph am 18. August 1853.

Joseph Albert (Fotograf), Ludovika Wilhelmine von Bayern (1808-1892), mit ihrer Enkeltochter Herzogin Amalie („Amelie“) in Bayern, um 1870–1880, Wien Museum Inv.-Nr. 43288/3, CC0.

In schwarzer Trauerkleidung – kurz zuvor war eine entfernte Verwandte gestorben – trafen Ludovika und ihre beiden Töchter am 16. August in Bad Ischl ein. Obwohl beide Schwestern auf ihre Weise schön waren, war Sisi wesentlich entspannter, denn sie war es ja nicht, die für den Kaiser vorgesehen war. Franz Josephs Bruder Karl Ludwig fiel es jedoch sofort auf, dass sein Bruder beim Anblick Elisabeths derart verzückt schien, dass die Wahl nur auf die jüngere Schwester fallen konnte. Schon am nächsten Morgen verkündete Franz Joseph der Mutter seine Wahl, und beim Ball am Abend den 17. August tanzte Elisabeth in einem mädchenhaften weißrosa Kleid mit dem Kaiser.

Sisi erschien ihr, so Sophie in einem Brief an ihre Schwester Marie von Sachsen, sehr kindlich bescheiden und anziehend, dabei jedoch voll Anmut und äußerst graziös. Hatte sie am Tag zuvor noch gezögert, so schien Sophie jetzt, genau wie ihr kaiserlicher Sohn, vollends dem Charme der zukünftigen Schwiegertochter erlegen. Keinesfalls kann hier von einer bösen Schwiegermutter, die Elisabeth gegenüber missgünstig eingestellt ist, gesprochen werden – ganz im Gegenteil!

 

Als Erzherzogin Sophie beim gemeinsamen Besuch der Bad Ischler Stadtpfarrkirche Elisabeth den Vortritt gab, war es allen Anwesenden klar: Dies war die zukünftige Kaiserin. Sophie beschreibt Elisabeth stets wohlwollend und mit viel Mitgefühl, sieht sie doch, wie ängstlich die Fünfzehnjährige angesichts der sie erwartenden Stellung als Kaiserin ist. Dass damit auch einiges an Arbeit auf sie zukommt, und die Nichte ihrer Anleitung bedarf – dessen ist sich Sophie vollends bewusst.

Das Amt der Kaiserin: Eine Rolle, auf die Elisabeth nie bewusst hingearbeitet hatte, auf die Sophie wiederum jedoch zugunsten ihres Sohnes bewusst verzichtete, wie Martin Mutschlechner es auf den Punkt bringt. Wie beeinflusste diese Voraussetzung das Miteinander Elisabeths und Sophies? Das Verhältnis der beiden Frauen zueinander soll im nächsten Teil der Reihe eruiert werden.

Quellen und Literatur

Ehrlich, Anna und Christa Bauer: Erzherzogin Sophie. Die starke Frau am Wiener Hof. Franz Josephs Mutter. Sisis Schwiegermutter. Wien 2016.

Holler, Gerd: Sophie – Die heimliche Kaiserin. Mutter Franz Josephs I. Wien, München 1993.

Mutschlechner, Martin: „Elisabeth und Franz Joseph: Hochzeit und Ehe.“ In: : Die Welt der Habsburger. Online: https://www.habsburger.net/de/kapitel/elisabeth-und-franz-joseph-hochzeit-und-ehe [19.03.2024].

Mutschlechner, Martin: „Sophie, die ‚heimliche Kaiserin‘.“ In: Die Welt der Habsburger. Online: https://www.habsburger.net/de/kapitel/erzherzogin-sophie-die-heimliche-kaiserin [28.02.2023].

Weissensteiner, Friedrich: Frauen um Kronprinz Rudolf. Wien 1991.

Winkelhofer, Martina: Sisis Weg. Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof. München 2021.

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