Die wiederbelebte Hauptstadt

 

von Katharina Mölk

Wir haben bereits über das römische Legionslager Vindobona gesprochen, das sich zur Hauptstadt Österreichs weiterentwickeln sollte.

Interessanterweise war sie aber in der Antike nicht Provinzhauptstadt. Diese Rolle kam Carnuntum zu.

Im Gegensatz zu Vindobona kann man in Carnuntum noch zahlreiche Reste des Römerlagers und auch der Zivilstadt entdecken (im heutigen Niederösterreich).

Carnuntum war eines der vielen römischen Legionslager zur Sicherung der Grenze vom 1. bis ins 5. Jh. n. Chr. und entwickelte sich zur Hauptstadt der Provinz Oberpannonien mit ca. 50.000 Einwohnern. Wie in Kapitel 3 bereits geschildert, verlief auch die wichtige Bernsteinroute durch Carnuntum.

Außerdem haben wir bereits von Kaiser Mark Aurel gehört, der während der Markomannenkriege wohl in Vindobona und Carnuntum anwesend war. Sein Sohn Commodus beendete die Markomannenkriege und zog sich nach Rom zurück. Dort wurde der heute vor allem aus dem Film „Gladiator“ bekannte Kaiser im Jahr 192 n. Chr. ermordet. Sein Nachfolger Pertinax regierte nur drei Monate, dann wurde er von meuternden Soldaten erschlagen. Erst der nächste Kaiser führte wieder Stabilität im Reich ein; es war Septimius Severus (reg. 193 – 211 n. Chr.), der auf österreichischem Boden zum Kaiser ausgerufen wurde. Dies geschah am 9. April 193 n. Chr. in Carnuntum.

Doch sein Weg zur Macht war steinig, denn er musste seine Konkurrenten aus dem Weg schaffen. Diese waren (neben dem bereits ermordeten Pertinax) Didius Julianus und Pescennius Niger. Beide wurden getötet.

Die Städte, die Severus‘ Konkurrenten unterstützt hatten, wurden bestraft. Carnuntum hingegen und die Provinz Pannonien wurden gefördert; während der Herrschaft der Dynastie der Severer erlebte Pannonien eine Blütezeit.

Heute wird Carnuntum auch als das „Pompeji vor den Toren Wiens“ bezeichnet und zählt zu den bedeutendsten archäologischen Ausgrabungsstätten Österreichs, weil ziemlich viel erhalten ist.

Man sieht das Römerlager, die canabae und die Zivilstadt. Teilweise wurden Gebäude auch rekonstruiert, damit man sich einen Eindruck vom Leben in der Antike verschaffen kann. So kann man sich beispielsweise ein Thermengebäude anschauen, wie es in Kapitel 9 beschrieben wurde.

© Katharina Mölk

Heute finden auf dem Gelände von Carnuntum immer wieder Festivals statt, die uns in die Lebenswelt der Römer entführen. Im Sommer werden das Römerfestival und das Spätantike-Festival mit einem großen Unterhaltungsangebot veranstaltet. Zahlreiche Darsteller bevölkern an diesen Tagen Carnuntum und veranschaulichen, wie Legionärsgruppen, Reiter, Bürger, Handwerker hier lebten und auch gegen Barbaren kämpften. Reitervorstellungen werden gegeben, und im Amphitheater kann man spektakuläre Gladiatorenkämpfe sehen. Des Weiteren gibt es eine römische Modenschau, Festzüge und kulinarische Kostproben.

Und das Beste: Man kann sich selbst als römischer Bürger kleiden und somit fast vollständig in die Vergangenheit eintauchen.

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