Eau de Cologne – ein Duft erobert die Welt

 

von Christiane Wilms

Ich erinnere mich noch gut an meine Großmutter. Sie war eine überaus gepflegte und elegante Frau und hatte stets ein kleines Fläschchen »Eau de Cologne« in ihrer Handtasche. Wenn es sehr warm war, betupfte sie mit wenigen Tropen ihre Handgelenke und Schläfen – zur Erfrischung. Dieses überaus damenhaft ausgeführte Procedere hat mich als Kind tief beeindruckt, ich fand es vornehm und nahm mir fest vor, es als Erwachsene genauso zu tun. Habe ich dann aber nie…

Vor einigen Wochen schenkte mir eine Freundin eine kleine Flasche des weltweit ältesten »Eau de Cologne«. Beigelegt war ein Zettel mit der Geschichte des Hauses Farina und den KundInnen dieses Duftes und siehe da, auch König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, die österreichische Kaiserin Maria Theresia, Napoleon Bonaparte, Queen Victoria, Kaiser Franz Joseph I. von Österreich und seine Sissi, Princess Diana, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Oscar Wilde, Mark Twain, Honoré de Balzac, Thomas Mann, Marlene Dietrich, Francoise Sagan oder Romy Schneider zählten neben vielen anderen gekrönten Häuptern, Vertretern der europäischen Adelshäuser sowie berühmten Komponisten, Musikern, Schriftstellern und Schauspielern zu den VerwenderInnen, die Liste liest sich wie ein »Who-Is-Who« der letzten 300 Jahre. Das machte mich neugierig. Ich habe ein wenig nachgeforscht und möchte die Geschichte des Duftes erzählen.

Sie begann eigentlich schon im 15. Jahrhundert, als die italienische Familie Farina von einer Pestwelle aus Ancona vertrieben wurde. Sie ließ sich im Val Vigezzo im Piemont nieder und gründete gemeinsam mit sechs weiteren Familien den Ort Santa Maria Maggiore. Hier wurde 1685 Johann Maria Farina geboren und hier lagen die Wurzeln für seinen späteren Erfolg. Schon jung musste er seine Heimat verlassen als einer von vielen, denn die Landwirtschaft jener Gegend konnte die stetig und stark anwachsende Bevölkerung nicht mehr ernähren. Ein Onkel war aus diesem Grunde bereits nach Maastricht ausgewandert und hatte ein Handelsunternehmen aufgebaut. Um 1700 rief er den Neffen zu sich, um ihn zum Kaufmann auszubilden [1]. Ob das dem jungen Mann gefallen hat? Galt seine Leidenschaft doch den Wohlgerüchen. Schon früh hatte er in seinem Heimatort Pflanzen und Kräuter gesammelt und an der Herstellung von Düften experimentiert. Vermutlich hatte er keine andere Wahl, als das Angebot des Onkels anzunehmen. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann und mehreren Reisen soll Johann Maria Farina ab 1706 in Köln als Repräsentant der Firma seines Onkels gelebt haben. 1709 kam sein Bruder Johann Baptist ebenfalls in die Domstadt, erwarb das für Außerstädtische in Köln notwendige Bürgerrecht und gründete ein Unternehmen.

Gehandelt wurde mit Luxuswaren wie Seidenstrümpfen, Schmuck, Schnallen, Knöpfen, Perücken, Puder und Duftwässern [2], später sollten weitere Zweige dazukommen. Johann Maria Farina trat 1714 in das Unternehmen seines Bruders ein, sein von ihm kreiertes Rezept für ein »aqua admirabilis«, ein Wunderwasser, war wohl seine Einlage, denn es passte vorzüglich in das Sortiment. Ob Johann Maria Farina ahnte, welch einen Schatz er da hatte, einen Schatz, der weltweit Furore machen und der – zwar nach einer recht wechselvollen Firmengeschichte [2] – bis heute den Kölner Zweig der Familie ernähren sollte?

Doch was machte sein duftendes Wunderwasser so besonders, was war neu daran? Hier muss ich ein wenig ausholen: Wasser war im 17., 18. und 19. Jahrhundert nicht von der Qualität, die wir heute kennen und es zu trinken oder sich damit zu waschen, galt als gesundheitsschädlich. So benutzte man zur Körperpflege neben Leinentüchern auch Parfums und Duftwässer, letztere tranken die Menschen sogar, da ihnen heilsame Wirkung zu gesprochen wurde.

Parfums waren teuer, ihre Duftnoten Moschus, Sandelholz und Zimt schwül und schwer. Johann Maria Farina komponierte nun einen leichten und frischen Duft unter anderem aus Orangen, Limetten, Zitronen, Bergamotte, Blüten und Kräutern, die er aus seiner italienischen Heimat kannte. Seinem Bruder beschrieb er 1708 die Kreation so:

»Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten, kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich, stärkt meine Sinne und Phantasie.« [3]

Ebenfalls aus Farinas Heimat stammte das Verfahren, ätherische Zitrus-Öle in hochprozentigem Alkohol zu lösen. Farina selbst legte großen Wert auf die Destillation von Wein zu reinstem Weingeist und hatte jahrelang an der Vervollkommnung des Prozesses gearbeitet.

Bereits einige Jahre vor Farina hatte ein Zuwanderer sein Wissen über Destillation und Extraktion der Blütenöle an den Rhein mitgebracht und umgesetzt. Ein gewisser Johann Paul Feminis, der wie die Farinas aus Santa Maria Maggiore kam, eventuell sogar mit ihnen verwandt war, hatte in Köln ein »aqua admirabilis« auf den Markt gebracht und soll das Rezept vor seinem Tod 1736 Johann Maria Farina überlassen haben [4]. Die genauen Umstände kennen wir allerdings nicht.

Gesichert ist, dass Johann Maria Farina 1709 seine Öle in seinem rein destilliertem Weingeist auflöste und das Duftwasser nach seiner neuen Heimatstadt Köln »Eau de Cologne« nannte. Anfangs wurde das »Eau de Cologne« in schmalen grünen und gut verkorkten Rosolieflacons nur im eigenen Laden in Köln sowie auf der Frühjahrs- und der Herbstmesse in Frankfurt am Main verkauft. 1716 ging eine erste Sendung nach Aachen, 1721 kamen Interessenten in Paris dazu.

1734 ließ sich der preußische König Friedrich Wilhelm das »Eau de Cologne« schicken und 1737 verzeichnete Farina Abnehmer in Deutschland, in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, den Niederlanden und England. Ab 1759 ca. wurden pro Jahr über 27.000 Rosolieflacons jährlich verkauft [5]. Zahlreiche Königs- und Fürstenhäuser ernannten Farina zum Hoflieferanten. Als Johann Maria Farina 1766 starb, war Köln durch ihn zur Stadt des »Eau de Cologne« geworden.

»Farina – 1709 Original Eau de Cologne« wird noch heute nach dem Rezept von damals hergestellt – wenn auch einige der natürlichen gegen synthetische Ingredienzien aufgrund von EU-Vorschriften ausgetauscht werden mussten [6]. Das Originalrezept wird und wurde streng gehütet. Trotzdem gab es immer wieder Nachahmer, die ihrer Firma den Namen »Farina« gaben und ihre Duftwässer unter der Bezeichnung »Eau de Cologne« vertrieben. Mehrfach mussten Farina und später seine Nachfolger Maßnahmen ergreifen, um den Namen zu schützen. So kam es auch dazu, dass dem Firmennamen »Johann Maria Farina« der ergänzende Zusatz »gegenüber dem Jülichs-Platz« hinzugefügt wurde.

Vielleicht ist »Farina« nicht das weltweit bekannteste Eau de Cologne (das aus der Kölner Glockengasse hat ihm diesen Rang abgelaufen), es ist aber das erste seiner Art und Farinas Namensgebung »Eau de Cologne« für sein »aqua admirabilis« wurde zu der allgemein gültigen Produktbezeichnung für Erfrischungswässer mit einem Duftstoffanteil zwischen 3 und 5 Prozent.

Fußnoten / Quellenangabe

Fußnoten/Online-Quellen:

 

1 … vgl.  Küntzel, Astrid, Johann Maria Farina, in: Internetportal Rheinische Geschichte, online, abgerufen unter:

https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johann-maria-farina-/DE-2086/lido/57c6ac9570e232.85244520, [am 7.7.2022].

2 … vgl. wikipedia.org., Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz, online, abgerufen unter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Maria_Farina_gegenüber_dem_Jülichs-Platz, [am 7.7.2022].

3 … „Farina – aus Liebe zum Duft“, Aus Liebe zum Duft-Luxuspioniere-Das Original, online, abgerufen unter: https://www.ausliebezumduft.de/duefte/farina.html, [am 7.7.2022].

4 … vgl. Taubert, Dietrich, „Feminis, Johann Paul“ in: Neue deutsche Biographie 5 (1961), S. 76 [Online-Version], abgerufen unter: https://www.deutsche-biographie.de/sfz15804.html#:~:text=https%3A//www.deutsche-biographie.de/pnd135964075.html%23ndbcontent, [am 7.7.2022].

5 … vgl. wikipedia.org., Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz, online.

6 … vgl. Knobloch, Ines, Farina – Der Duft von Köln, Köln, 2016, Seite 270.

 

Literaturhinweise:

 

Küntzel, Astrid, Fremde in Köln. Integration und Ausgrenzung zwischen 1750 und 1814, Köln/Weimar/Wien 2008.

Knobloch, Ines, Farina – Der Duft von Köln, Roman, 287 Seiten, Emons Verlag, Köln, 2016.

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