Emilie Mayer

 

von Ute-Gabriela Schneppat

Emilie Mayer

 

von Ute-Gabriela Schneppat

Emilie Mayer

(* 14. Mai 1812 in Friedland; † 10. April 1883 in Berlin)

Emilie Mayer ist wahrscheinlich die erste Berufskomponistin. In zeitgenössischen Rezensionen wurde sie als „weiblicher Beethoven“ gefeiert. Trotzdem ist die deutsche Komponistin Emilie Mayer heute wenig bekannt. Ende der 1980er Jahren beginnt man sich durch den Aufsatz von Martina Sichard (Auf den Spuren einer vergessenen Komponistin) an diese herausragende Komponistin wieder zu erinnern. Eine umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk Emilie Mayers ist die im Peter Lang Verlag 2003 erschienene Dissertation von Almut Runge-Woll.

Leben

Emilie Mayer stammt aus einer Apothekerfamilie und wuchs in Friesland auf. Ihre erst 24-jährige Mutter starb, als sie zwei Jahre alt war. Sie wuchs mit drei leiblichen Geschwistern und einem Halbbruder aus der ersten Ehe ihres Vaters auf. Der Vater heiratete nicht noch einmal. Die Kinder wurden vom Dienstpersonal versorgt und durch Privatlehrer erzogen. Als älteste Tochter war sie daher – wie damals üblich – sobald sie das entsprechende Alter erreicht hatte, verantwortlich für den Haushalt des Vaters. Trotz dieser Verpflichtung wurde ihr musikalisches Talent bereits seit der Kindheit gefördert. So erhielt sie bereits ab dem Alter von fünf Jahren Klavierunterricht.

Der unerwartete Freitod ihres Vaters 1840 wurde zum entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben.

Unverheiratet und durch ihr Erbe finanziell abgesichert entschloss sie sich, nach Stettin zu ziehen und sich als Komponistin ausbilden zu lassen. Frauen war damals der Zugang zu einem Hochschulstudium verwehrt. Dennoch fand Emilie Mayer führende Musiktheoretiker, die sie in Komposition unterrichteten. Ihre Ausbildung absolvierte sie beim großen Balladen-Komponist Carl Loewe in Stettin und in späteren Jahren auf Empfehlung von Loewe beim Beethoven-Biographen Adolf Bernhard Marx (Kontrapunkt) und dem damals sehr bekannten Militärreformer und Komponisten Wilhelm Wieprecht (Instrumentation) in Berlin.

Sie hatte, wie wohl alle Komponistinnen der damaligen Zeit, stets mit (männlichen) Kritikern zu tun. Frauen wurde oft per se Kreativität abgesprochen. Viele Komponistinnen veröffentlichten daher ihre Werke unter Pseudonym. Nicht so Emilie Mayer: Unbeirrt der Konventionen widmete sie sich allen musikalischen Gattungen. Auch den für Frauen als „unweiblich“ angesehenen Musikgattungen wie Symphonien oder Konzert-Ouvertüren.

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Ein außergewöhnliches Konzert

Die Aufführung ihrer Kompositionen am 21. April 1850 gilt als Beginn ihrer Karriere als Komponistin. Das Konzert fand im Konzertsaal des Königlichen Schauspielhauses in Berlin statt. Eine Besonderheit, denn die Saalnutzung musste vom preußischen König bewilligt werden.

Die „Vossische Zeitung“ schrieb 1850 dazu:

Eine Dame, Mademoiselle Emilie Mayer, wird im Concertsaal des Königlichen Schauspielhauses eine Anzahl ihrer Compositionen zur Aufführung bringen lassen … ein solches Concertprogramm, ganz von weiblicher Hand ins Leben gerufen, ist, nach unserer Erfahrung und Kenntnis wenigstens, bis jetzt ein Unicum in der musikalischen Weltgeschichte.“ [1]

Bekannt in ganz Europa

Emilie Mayers Werke wurden zu ihren Lebzeiten in ganz Europa aufgeführt. Sie selbst blieb unverheiratet und wechselte ihren Wohnort zwischen Berlin und Stettin. Man vermutet, dass sie aus wirtschaftlichen Gründen nach etlichen Jahren in Berlin zunächst wieder nach Stettin übersiedelte. 1876 bezog sie dann noch einmal in Berlin eine eigene Wohnung.

Sie war in Berlin mit vielen bedeutenden gesellschaftlichen und aristokratischen Persönlichkeiten bekannt.

Ende 1880, mit knapp 70 Jahren, gelang ihr noch einmal ein großer Erfolg: Ihr Orchesterwerk „Ouverture zu Faust op. 46“ wurde nach der Veröffentlichung in Berlin und weiteren europäischen Städten aufgeführt.

Emilie Mayer war Ehrenmitglied der Philharmonischen Gesellschaft in München und Mitvorsteherin der Berliner Opernakademie. Von Königin Elisabeth von Preußen erhielt sie zudem für ihre musikalischen Verdienste einen Orden. Sie starb am 10. April 1883 in Berlin.

Nach ihrem Tod gerieten ihre Werke immer mehr in Vergessenheit. Erst seit Anfang der 2000er Jahre werden ihre Stücke zunehmend wieder aufgeführt.

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Werke

„Frl. E. Mayer ist eine seltene Erscheinung. Mag das weibliche Geschlecht in der musikalischen Reproduction zahlreiche grosse Leistungen aufzuweisen haben und mit dem männlichen Geschlecht um die Palme ringen – die Production ist Domaine des männlichen Schöpfergeistes, und nur selten einmal zeigt eine weibliche Persönlichkeit, dass auch diese Regel nicht ohne Ausnahme ist. Hier ist eine solche Ausnahme, hier zeigt uns ein weiblicher Componist, der nicht blos für das Pianoforte schreibt, sondern auch die schwierige, von tausenden Geheimnissen wimmelnde Aufgabe der Orchestercomposition löst – und wie löst!“ [2]

Emilie Mayer war eine der bekanntesten Komponistinnen der Romantik und wahrscheinlich die einzige Berufskomponistin unter den bekannten Komponistinnen ihrer Zeit. Viele ihrer komponierenden Zeitgenossinnen waren in erster Linie Interpretinnen – und komponierten zudem. Das Außergewöhnliche an Emilie Mayers Schaffen war, dass sie sich als Frau auch der Komposition von Symphonien widmete.

Während ihre ersten Kompositionen der 1840er Jahre unter dem Einfluss ihres Lehrers Carl Loewe  vor allem Singspiele und Lieder waren, entstanden bald erste Kammermusikstücke und Symphonien. Damit stellte sie sich gegen die männliche Kritik, die Frauen die Fähigkeit für komplexe Kompositionen absprachen. Zu ihren Werken zählen u.a. acht Symphonien und neun Streichquartette.

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Stil

Emilie Mayers Stil wurde maßgeblich durch ihren Lehrer Adolf Bernhard Marx beeinflusst. Dieser unterstützte sie dabei, sich mit Beethoven stilistisch auseinanderzusetzen. Ihre ausgiebige Beschäftigung mit dem Werk Beethovens lässt sich durch ihr handschriftliches Notenbuch mit dem Titel „Musikalisches Allerley“ belegen.

Ihre Werke weisen eine klare Struktur auf. Vor allem in den überleitenden Passagen ihrer Kammermusikwerke finden sich klassizistische Elemente und Einflüsse, wie beispielsweise Quintfallsequenzen. Ihre späteren Werke sind in ihrer harmonischen Anlage komplexer und freier gestaltet.

Quellen

1 … SWR

2 … Kritik einer Aufführung der Sinfonie h-Moll, in: Neue Berliner Musikzeitung 32, 1878, S. 198. Quelle: Mugi

Wikipedia

SRF

MUGI

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