Engelsaugen

 

von Thomas Stiegler

Engels-augen

 

von Thomas Stiegler

Husarenkrapferl (Engelsaugen)

Die Husaren – welch Zauber umweht allein schon diesen Namen. Und ist das denn nicht verständlich? Denn unter allen Truppengattungen waren sie die unabhängigsten und immer war um sie ein Hauch von Freiheit und Anarchie. Und wer ein echter Husar war, dem war das durchaus bewusst und der hielt auch etwas auf sich. So waren sie meist richtige Draufgänger, wilde Hasardeure, die voll Kühnheit in die Schlacht ritten und auch sonst in allen Situationen Herr der Lage waren. Nicht zuletzt deshalb wurde auch das Wort »Husarenstück« in unseren Sprachgebrauch aufgenommen als Bezeichnung für eine tollkühne Tat, die trotz widrigster Umstände von Erfolg gekrönt war. Die Urform des Husarenstückes nun, so ein richtiges Teufelswerk, ist sicher dem größten Husaren aller Zeiten gelungen, dem Andreas Hadik von Futak.

Man stelle sich das einmal bildlich vor – ein kleiner Trupp Berittener schleicht sich durch streng bewachtes Feindesland, taucht plötzlich vor den Toren Berlins auf und nimmt die Stadt im Handstreich. Nur, um nach einem Tag mit fast 250.000 Talern an erpresstem Gold wieder das Weite zu suchen und siegreich in die Heimat zurückzukehren. Aber so unglaublich das auch klingt, genau so, wenn auch militärisch geordneter und generalstabsmäßig durchgeplant, ist es gewesen!

Husarenkrapferl, © kelifamily
Aber kommen wir zu den historischen Fakten. Andreas Hadik von Futak wurde 1711 geboren und trat nach einem kurzen Ausflug in die Rechtswissenschaft schon früh den Ghilányi-Husaren des österreichischen Heeres bei. Aufgrund seines Wagemuts und seinen besonderen militärischen Fähigkeiten, die er in zahlreichen Schlachten beweisen konnte,  avancierte er rasch und schon 1756 sehen wir ihn als Feldmarschallleutnant im Siebenjährigen Krieg an der Spitze seiner eigenen Truppe.

 

Der Siebenjährige Krieg. Heute wird er meist als jene Zeit beschrieben, in der das militärische Genie Friedrichs II. glänzen konnte und durch die Preußen zur europäischen Großmacht aufstieg. Doch im zweiten Kriegsjahr sah die Sache noch ganz anders aus und die Lage des preußischen Königs schien fast aussichtslos. Denn im Osten stand die russische Armee bereit, Preußen zu überrennen, von Süden her griffen die Truppen Maria Theresias an und im Westen bedrängte ihn das französische Heer. Anscheinend sah er die Franzosen als seine größte Bedrohung an und so wandte er sich gen Westen, um sich ihnen entgegenzustellen. Dadurch war er gezwungen, einen Großteil seines Landes fast schutzlos zurückzulassen.

 

Das war die große Stunde des Andreas Hadik, der einen Vorschlag des österreichischen Befehlshabers Karl von Lothringen aufgriff und in die Tat umsetzte. Mit der Erlaubnis seiner Vorgesetzten begann er mit der Planung eines Überfalls auf Berlin und legte nicht nur die Anmarsch- und Rückzugswege seiner Truppen genauestens fest, sondern er sicherte entlang der Routen auch alle wichtigen Straßen und Brücken und mehr als die Hälfte seiner Männer verwendete er zur Sicherung seiner Flanken.

So blieben ihm nur knapp 3000 Mann einer buntgemischten Truppe, bestehend aus ungarischen Husaren, österreichischen Kavalleristen und kroatischen Infanteristen. Zusammen mit ihnen legte er die knapp 160 Kilometer lange Strecke, die sie mitten durch Feindesland führte, in nur vier Tagen zurück. Dabei ging er gar nicht geheim vor, sondern er ließ sein Kommen überall lautstark verkünden und warnte die Preußen vor Widerstand, den er mit aller Gewalt zu brechen bereit war.

Rezept
Zutaten:

400 g Mehl
280 g Butter
150 g gemahlene Haselnüsse
100 g Puderzucker
4 Eidotter
1 Pkg. Vanillezucker
etwas Salz

150 g Marmelade (vorzugsweise Johannisbeere) für die Füllung

 

Alle Zutaten zu einem Teig verkneten, abdecken und etwa 3 Stunden im Kühlschrank rasten lassen. Anschließend noch einmal kurz durchkneten, auf einer Arbeitsfläche zu einer Rolle formen, gleich große Teile abschneiden und zu kleinen Kugeln formen. Mit dem Ende eines Kochlöffels eine Mulde hineindrücken und im Backrohr für etwa 12 bis 15 Min. bei 170°C backen.

Die Marmelade erwärmen und mithilfe eines Spritzsackes in die Mulden füllen.

Bevor man sie lagert, sollte man sie gut durchtrocknen lassen. Kleiner Tipp: Damit sie nicht zusammenkleben, hat sich die reichliche Verwendung von Puderzucker bewährt.

Für Friedrich war das nicht nur ein Schlag ins Gesicht, marschierte diese Streitmacht doch mitten ins Herz seines Landes, sondern die Lage war auch weitaus bedrohlicher, als es den Österreichern bewusst war.
Husarenkrapferl (links), © swkunst
Denn Berlin war das Zentrum der preußischen Rüstungsindustrie und selbst ein Adjutant des Prinzen Heinrich (eines Bruders Friedrichs II.) schrieb: »Diese Begebenheit giebt uns vielleicht den Todesstoß. [Wenn der Feind] unsere Tuchmanufakturen, Zeughäuser, die Kanonengießerei, die Gewehrfabriken, die Pulvermagazine zerstörte […]« [1], dann wäre der Krieg für Preußen verloren gewesen. So setzte Friedrich seine ganze Armee in Bewegung und eilte seiner Hauptstadt zu Hilfe, konnte aber den Überfall nicht mehr verhindern.

Denn am 16. Oktober 1757 stand Andreas Hadik von Futak vor den Toren Berlins und forderte die Bewohner auf, sich zu ergeben. Außerdem verlangte er eine »Brandt-Steuer von dreymal Hundertausend Reichstalern« [2], da er ansonsten die Stadt dem Erdboden gleich machen würde. Die Verteidiger, die Friedrichs Truppen schon im Anmarsch wussten, wollten die Verhandlungen hinauszögern, doch Andreas Hatik war ein zu erfahrener Kommandant, um auf diese Täuschung hereinzufallen, und nach einem beherzten Angriff und einem kurzen Gefecht übernahmen seine Truppen die Kontrolle über Berlin. Doch die Königin (mitsamt ihrem Staatsschatz) und die wichtigsten Beamten konnten sich in die Zitadelle Spandau retten und so mussten die ansässigen Geschäftsleute und Bankiers die unglaubliche Summe von 250.000 Talern aufbringen. Daraufhin zog sich Hadik, der bei diesem »Husarenstück« nur zehn Männer verloren hatte, im Morgengrauen des 17. Oktober aus der Stadt zurück – nur zwei Stunden vor der Ankunft der preußischen Truppen.

Für seine Heldentat sollte ihm das Großkreuz des Maria-Theresia-Ordens verliehen werden, doch noch wichtiger erscheint mir, dass er wahrscheinlich auch Pate stand für den Husarenkrapfen oder, wie wir Österreicher sagen würden, das Husarenkrapferl. Auf jeden Fall würde es passen, denn das dunkle Rot der Hosen der Ghilányi-Husaren im Kontrast zu ihrer weißen Bluse erinnert wirklich an das Aussehen dieses Kekses.

 

Übrigens ist das Rezept für die Husarenkrapferl seit Mitte des 19. Jahrhunderts fast unverändert geblieben: »Butter treibt man mit Dotter ab, gibt Zucker mit Vanille […] Mehl dazu. Wenn man davon kleine Kugerln gemacht hat, drückt man in jede eine Vertiefung, bestreicht sie mit Ei und streut Zucker und Mandeln darauf, in die Vertiefung gibt man Eingesottenes.« [3]

Heute wird dafür meist Marmelade verwendet, aber das scheint mir auch die einzige Reverenz an die Zeit zu sein, die seit diesem größten aller Husarenstreiche vergangen ist.

 

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