Erhardkirche und Erhardbrunnen

 

von Monika Bruckmoser

Das Nonntal mit Erhardkirche und Erhardbrunnen

Der Salzburger Stadtteil Nonntal befindet sich am südlichen Rande der Altstadt. Namensgebend für diesen Bezirk war das Benediktinerinnen-Kloster Nonnberg, das sich auf einem markanten Felsen etwas oberhalb der kleinen „Vorstadt“ erhebt. Auf dem kleinen Hügel befand sich vermutlich bereits eine keltische Siedlung und bei Ausgrabungsarbeiten im inneren Nonntal fand man Reste aus der etwas späteren Römerzeit.

Malerische ruhige Gässchen winden sich am Fuß des Berges entlang bis zur barocken Erhardkirche mit dem dazugehörigen kleinen Trinkwasserbrunnen.

An der Stelle der heutigen Kirche ist bereits eine gotische Kapelle aus dem beginnenden 15. Jahrhundert erwähnt. Sie wurde damals vorwiegend als Spitalskirche genützt und zu Ehren des heiligen Erhard, des Schutzpatrons der Armen und Kranken, errichtet. Erhard wurde um das Jahr 644 geboren; er stammte aus Südfrankreich und wirkte zunächst in seiner Heimat, später im Elsass und anschließend als Bischof von Regensburg, wo er um 719 nach Christus starb.

Nachdem die Kapelle baufällig geworden war, errichtete man Ende des 17. Jahrhunderts eine neue, größere Kirche, die 1689 durch Fürsterzbischof Johann Ernst Thun geweiht wurde.

Zwischen 1727 und 1879 befand sich auf dem Kirchenvorplatz ein Friedhof für die Bewohner des Nonntals. Einige Jahre nach seiner Schließung wurde an dieser Stelle der Erhardplatz angelegt. Ein vom Salzburger Stadtverein im Jahr 1989 aufgestelltes Kruzifix erinnert an die frühere Bestimmung.

Erhardkirche, ©Tourismus Salzburg

Über eine zweiflügelige Treppe gelangt man zum Portal der Erhardkirche, die vom Schweizer Baumeister Giovanni Gaspare Zucalli in italienischem Barock geplant wurde. Da in der Nähe dieses Stadtteiles die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unregulierte Salzach oft Hochwasser führte, musste man das Bauwerk durch die Errichtung eines höher gelegenen Eingangsbereiches vor der Gefahr der vielen Überschwemmungen des Flusses schützen.

Im Inneren beeindruckt eine mächtige Tambourkuppel, die einen großen Teil des prächtigen Gotteshauses überwölbt, die Besucher. In den Zwickeln darunter entdeckt man Hochreliefs der Heiligen Rupert, Virgil, Martin und Vitalis und in der Kuppel selbst befinden sich acht Medaillons mit Darstellungen von Szenen aus dem Leben des heiligen Erhard.

Weitere bemerkenswerte Details der Ausstattung im Kircheninneren sind die hölzerne Kanzel, die terrakottafarbenen Stuckverzierungen und die italienische Orgel, die 1984 eingeweiht wurde.

Besonders sehenswert sind die Barockaltäre: Das Altarblatt des linken Seitenaltars zeigt den Heiligen Karl Borromäus, den Erzbischof von Mailand, bei den Pestkranken, während auf dem rechten Seitenaltarblatt der Hl. Franz Xaver Heiden segnet. Das wunderschöne Ölgemälde des Hauptaltars wurde vom Salzburger Barockmaler Johann Michael Rottmayr gestaltet und erzählt von der Taufe der heiligen Odilie durch Erhard. Das Mädchen war der Legende nach von Geburt an blind, konnte jedoch durch das Sakrament der Taufe von ihrem Leiden geheilt werden.

Erhardkirche Brunnen, ©MonikaBruckmoser

Da die Menschen aufgrund dieser Erzählung annahmen, dass das Wasser rund um Erhardkirchen heilende Wirkung hatte, gibt es in deren Umgebung zahlreiche Brunnen. Auch hier im Nonntal findet man unterhalb des Kircheneingangs, auf dem Portikussockel, einen kleinen barocken Wandbrunnen. Er wurde vom Salzburger Bildhauer Andreas Götzinger im Jahr 1689 angefertigt. Über einem steinernen Wasserbecken blickt aus einer von Ornamenten eingerahmten Muschel ein lockiger Löwenkopf heraus. Das Tier hat ein lustiges Gesicht mit runden Augen, einer platten Nase und schneckenförmigen Ohren. Aus dem leicht geöffneten Maul spuckt es frisches Trinkwasser in eine große Schale. Im Wasserbecken badet der Löwe seine Tatzen im kühlen Nass und viele Besucher, Passanten und Wanderer legen gerne eine kleine Rast ein, um sich, so wie der Löwe, ein wenig zu erfrischen und ein paar Schlucke des kühlen, klaren Wassers zu genießen, das ihnen die steinerne Wildkatze serviert.

Tipp: Sehenswert auf dem Weg in die Altstadt ist auch die Kajetanerkirche, die ebenfalls nach Plänen von Giovanni Gaspare Zucalli erbaut wurde und den Mönchen des Theatinerordens, die 1684 von Fürsterzbischof Max Gandolf von Kuenburg nach Salzburg geholt wurden, als Klosterkirche diente. Im ehemaligen Klostergebäude befindet sich heute das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder.

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