Fanny

Elßler

von Anja Weinberger

Auch Fanny Elßler (1810-1884) stammt aus einer künstlerisch orientierten Familie. Ihr Großvater und ihr Vater waren Leibkopisten bei Joseph Haydn, der Vater arbeitete gar als Haydns Kammerdiener bis zu dessen Tod 1809. Gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Therese erhielt Fanny ersten Unterricht beim damals sehr bekannten Horscheltschen Kinderballett im Theater an der Wien.

Als diese Truppe sich in den Prozess wegen »Schändung, Notzucht und Kuppelei in vielen Fällen« gegen Aloys von Kaunitz-Rietberg verstrickt sah, wurde das Kinderballett auf kaiserliche Anordnung hin 1821 geschlossen. Die beiden Schwestern tanzten aber auch schon ab 1817 auf der Bühne des Kärntnertortheaters und wurden in der Schule des Wiener Hoftheaters unterrichtet. 1824 nahm der Impresario Domenico Barbaja beide Schwestern mit nach Neapel, um sie bei Gaetano Gioia, der zu jener Zeit zu den berühmtesten und einflussreichsten Choreografen zählte, vorzustellen.

In Neapel hatte Fanny die erste einer langen Reihe von Affären. 1827 kehrte sie, schwanger mit einem Kind von Leopold von Neapel-Sizilien, nach Wien zurück. Sie gab den Jungen in Pflege und tanzte weiter, zunächst nicht besonders erfolgreich. 1830 lernte sie Friedrich von Gentz kennen, den leidenschaftlichen Theaterbesucher und Berater Metternichs. Der verliebte sich in die 45 Jahre jüngere Tänzerin und förderte sie nach Kräften. Außerdem ermöglichte er ihr den Zugang zu Bildung und zur »besseren« Gesellschaft. Bis zu seinem Tod 1832 lebten die beiden zusammen; aus den erhaltenen Briefen spricht eine beiderseitige tiefe Zuneigung.

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1833 brachte Fanny in London ein zweites Kind zur Welt, ihre Tochter Therese. Auch diesmal gab sie das Töchterchen in Pflege.

Ab 1834 war sie schließlich in Paris an der Oper engagiert und mit dem dortigen Direktor Louis-Désiré Véron verheiratet. Hier traf sie auf Marie Taglioni, die erst kurz zuvor mit ihrem Auftritt auf der Spitze im Ballett La Sylphide Ballettgeschichte geschrieben hatte. Die beiden waren bei aller Rivalität äußerst unterschiedliche Tänzerinnen – Marie ätherisch leicht, fragil und scheinbar schwerelos, Fanny zwar grazil und leichtfüßig, aber vor allem leidenschaftlich, sinnlich, kokett und bodenständig. Für ihre Choreografien zur Polka und der Cachucha wurde sie vom Publikum geliebt. Und Fanny war auch eine gute Schauspielerin, ihre mimischen Qualitäten wurden hochgelobt.

»Fanni Elßler tanzt die Cachucha mit den Füßen, mit den Augen, mit dem Munde, mit tausend Lächeln, mit Millionen anmuthigen Commentaren, mit Millionen süßen Randglossen; das ist die Cachucha und man könnte sagen, die Cachucha tanzt durch die Elßler« schrieb der österreichische Journalist Moritz Gottlieb  Saphir.

Als erste Europäerin wagte sie ab 1840 eine Tournée durch Kuba und Nordamerika, damals nicht ohne Gefahr. Sie feierte zwei Jahre lang einen Triumph nach dem anderen und verdiente gut.

Schild in Wien © privat

Zurück in Europa bereiste sie Deutschland, England, Italien und Russland. Die eher feenhaften Rollen, wie die gerade entstandene Giselle, lagen ihr nicht wirklich, abgesehen natürlich von der schauspielerisch anspruchsvollen Wahnsinnsszene im 1. Akt. Aber ihre Interpretation der Esmeralda von Perrot, der Lise in La fille malgardée und die Cachucha aus dem Ballett Le Diable boiteux rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Diese Rollen tanzte sie in London, Mailand, Wien, Brüssel, Dublin Hamburg, Budapest, St. Petersburg und vor allem in Moskau, wo die Begeisterung des Publikums noch einmal zunahm.

1851 zog sie sich von der Bühne zurück. Sie lebte gemeinsam mit ihrer Tochter Therese einige Jahre in Hamburg und ab 1856 wieder in Wien. Dort starb Fanny Elßler im 74. Lebensjahr, 7 Monate nach Marie Taglioni.

 

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