Francesco Algarotti

 

von Klaus-Werner Haupt

Francesco Algarotti: Gelehrter – Connaisseur – Poet

 

Francesco Algarotti zählt zu den schillerndsten Figuren des 18. Jahrhunderts. Er war Naturwissenschaftler und Poet, Kunstkenner und Musiktheoretiker, Berater der Könige von Polen und Preußen …

Geboren wurde Francesco am 11. Dezember 1712 in einem vergleichsweise bescheidenen Palazzo an der Fondamenta Nuove von Venedig. Sein Vater, der Kaufmann Rocco Algarotti, sammelte Gemälde, denn Kunstsammlungen dienten nicht allein der Geschmacksbildung, sie öffneten die Türen zur besseren Gesellschaft. Fest stand: Bonomo, der Erstgeborene, würde einmal das Geschäft übernehmen, Francesco einen geistlichen Beruf ergreifen.

Im Kloster San Francesco della Vigna bereitete Carlo Lodoli, ein namhafter Architekturtheoretiker, die ihm anvertrauten Patriziersöhne auf ihre künftige Tätigkeit vor. Die Fassade der gleichnamigen Kirche, entworfen von dem Renaissancearchitekten Andrea Palladio, sowie zahlreiche Bildwerke prägten das Kunstverständnis Francescos.

Ab 1726 folgte ein Studium an der Akademie der Wissenschaften des Instituts von Bologna. Der junge Algarotti besuchte Vorlesungen zu Jura und Philologie, Kunstgeschichte und Naturwissenschaften.

San Francesco della Vigna, © Klaus-Werner Haupt

Er nahm Unterricht in Griechisch und Latein, lernte aber auch Französisch und – aufgrund des Interesses für die Naturphilosophie Isaac Newton – Englisch.

Im Juni 1728 gelang es Algarotti, mehrere optische Experimente Newtons nachzuvollziehen. Seine populär-wissenschaftliche Schrift Der Newtonianismus für die Damen oder Dialog über das Licht und die Farben (Mailand 1737) avancierte zu einem Bestseller. Auf dem Kontinent lernte man Englisch, trug englische Hüte und zelebrierte Five o´Clock Tea. Und den Autor erreichten Einladungen an die europäischen Höfe.     

In Rom beschäftigte er sich mit der Antike, in Paris philosophierte er mit Voltaire, in London ernannte man ihn zum Fellow der Royal Society. Daraufhin öffneten sich die Türen einflussreicher Aristokraten. In Chiswick House, einer palladianischen Villa im Westen Londons, wurde Algarotti von dem Amateurarchitekten Richard Boyle, 3. Earl von Burlington, empfangen. Von nicht geringerer Bedeutung war die Begegnung mit der Schriftstellerin Lady Mary Wortley Montagu, die sich umgehend in den jungen Venezianer verliebte. 

Der britische Diplomat Charles Calvert, 5. Baron Baltimore, lud ihn zu einem Segeltörn nach Sankt Petersburg ein. Anlass war die Hochzeit des Prinzen Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel mit der Prinzessin Anna Leopoldowna von Mecklenburg, Nichte der Zarin Anna Iwanowna. Seine Reiseerlebnisse Viaggi di Russia (1760) widmete Algarotti postum Lord Hervey, ehemals Vize-Kammerherr Georges II.

Die Rückreise erfolgte auf dem Landweg via Frankfurt (Oder). Baron Baltimore und seine Entourage besuchten Dresden und Leipzig. Algarotti schwärmte: „Sachsen ist nur eine handvoll Erde, aber das bestkultivierte Land, das man sehen kann, voll von Menschen und Industrie.“

Schließlich wurde Preußen erreicht. Auf Schloss Rheinsberg, dem Musenhof des Kronprinzen, verlebte die Gesellschaft vergnügte Tage. Friedrich schloss den „feurigen“ Venezianer sofort in sein Herz und pries ihn als „einen Newton in Philosophie, einen Bernini in bildender Kunst, einen Homer in der Poesie“. Auch Algarotti fühlte sich „im dritten Himmel“. Voltaire ließ er wissen, er habe den bezaubernden Kronprinzen kennengelernt, „einen Schüler Trajans und einen Rivalen Marc Aurels“. Es war der Beginn eines zweieinhalb Jahrzehnte währenden, von Missverständnissen und Trennungen begleiteten Miteinanders.

Nach seiner Thronbesteigung am 31. Mai 1740 wünschte Friedrich II. den lebhaften wie empfindsamen Venezianer um sich zu haben. Lady Montagu borgte das Reisegeld, am 28. Juni erreichte Algarotti Berlin. Doch die Hoffnung, das unstete Leben am Ufer der Spree beenden zu können, erfüllte sich nicht. Bereits am 7. Juli sah er sich auf dem Weg in die ostpreußische Provinzhauptstadt Königsberg. Der König forderte nicht nur ständige Begleitung, er neckte seinen Gesellschafter auch gern mit frivolen Versen. In Anlehnung an die griechische Mythologie bezeichnete er sich selbst als Leda (die Schöne), seinen neuen Gefährten als Schwan (den verliebten Zeus).

In den folgenden Wochen arrangierte sich Algarotti mit dem „wenig amüsanten“, aber gastfreundlichen Berlin. Während er des Königs Anti Machiavell (1740) mit Anmerkungen und lateinischen Zitaten versah, erholte sich jener auf Schloss Rheinsberg. Da kam die Nachricht, Karl VI., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und Erzherzog von Österreich, sei verstorben. Nur acht Tage darauf verstarb Anna Iwanowna, die Kaiserin von Russland. Friedrich II. war sofort klar: Fortuna wollte, dass er die Landkarte zum Ruhme Preußens veränderte! Am 11. Dezember forderte er von der in Wien regierenden Erzherzogin Maria Theresia die Abtretung Schlesiens, am 16. des Monats überschritt er mit „fliegenden Fahnen und klingendem Spiel“ den Rubikon, die Grenze Österreichs.

Am 20. Dezember 1740, Friedrich II. befand sich im Feld bei Milkau (Niederschlesien), wurden die Brüder Algarotti in den erblichen Grafenstand erhoben. Francesco – nun von Algarotti – bewarb sich um einen Gesandtschaftsposten, doch der König zögerte: Der Graf schien ihm „mehr als irgend Einer“ geeignet, für wichtigere Dinge als die tägliche Hetzjagd verwendet zu werden.

© Elisabeth Schinagl

Er wollte ihn für „bessere Gelegenheit aufsparen“. Fortan beriet Algarotti den König in Sachen Kunst und Architektur. Aber wer kann allein von Almosen und Titel leben?

Algarottis Blick ging nach Sachsen. Dem Mäzenatentum Augusts III., König von Polen und als August II. Kurfürst von Sachsen, sowie des Oberkammerherrn Heinrich von Brühl verdankten nicht wenige Italiener ihre Karriere. Im Dezember bat Algarotti den preußischen König um seinen Abschied. Im Januar 1742 erreichte er die kursächsische Residenz- und Kunststadt Dresden.

 

Algarotti lebte sich schnell ein. Zum 46. Geburtstag Augusts III. bearbeitete er die Oper Didone abbandonata (Die verlassene Dido, 1724). Das Libretto stammte von dem Wiener Librettisten Pietro Metastasio, die literarische Vorlage aus Vergils antikem Epos Äneas. Am 7. Oktober 1742 fand auf der Königlichen Jagdresidenz Hubertusburg die Premiere statt. Der nicht enden wollende Applaus galt dem Komponisten und Kapellmeister Johann Adolph Hasse, der Primadonna Faustina Bordoni sowie den Kastraten Giovanni Bindi und Venturo Rocchetti. Francesco Algarotti empfing zum Dank für Ausstattung und Inszenierung eine diamantenbesetzte Tabatière – ein exklusives Geschenk zur Aufbewahrung des Schnupftabaks, aber auch von Pillen oder Schönheitspflästerchen.

Die besondere Wertschätzung August III. galt italienischer Malerei. Am 28. Oktober legte ihm Algarotti sein Projekt zur Vervollkommnung des königlichen Museums in Dresden vor. Er regte an, der Chronologie zu folgen und den Gemälden alter Meister eine Auswahl neuzeitlicher Maler hinzuzufügen, idealerweise in einem lichtdurchfluteten Kunsttempel. In dessen Mittelsaal – ähnlich der achteckigen Tribuna der Florentiner Uffizien – dachte sich Algarotti antike Skulpturen und eine Folge allegorischer Gemälde: den König in römischer Tracht, seine Gemahlin als Göttin Minerva, die königliche Familie in Gestalt von Musen, Genien oder Grazien …

Algarottis Museumsprojekt wurde inhaltlich akzeptiert, doch ein neues Gebäude lehnte Graf Brühl, gleichzeitig Generalintendant der Königlichen Galerie, ab: Der Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel hätte gerade alle Hände voll zu tun, seinen Herrlichkeiten auf dem Elbwall (der heutigen Brühlschen Terrasse) eine Privatgalerie hinzufügen! Algarotti sollte auf Reisen gehen. Am 16. Februar 1743 erhielt er die Order, sich nach Italien zu begeben und – seiner eigenen Vision entsprechend – Künstler mit Gemälden zu beauftragen. Darüber hinaus sei der Ankauf repräsentativer Werke alter Meister zu vermitteln sowie die in Florenz befindliche Sammlung Pallavicini-Arnaldi zu begutachten.

Mit der Einkaufsliste des Königs, den nötigen Kreditbriefen sowie 1.000 Dukaten Reisegeld machte sich Francesco Algarotti auf den Weg. Sein erstes Ziel war die habsburgische Residenzstadt Wien. Von dort aus reiste er auf der Venedigerstraße, dem vergleichsweise „schrägen Alpendurchgang“, über Judenburg (Steiermark) und Villach (Kärnten) nach Verona. Die an der Etsch gelegene Stadt war nicht nur Geburtsort des erwähnten Malers Paolo Veronese, sondern auch Heimat des Gelehrten Scipione Maffei. Doch die landesweit grassierende Pest machte alle Pläne zunichte. Fast den gesamten April saß Algarotti in Quarantäne fest.

Endlich erreichte er Venedig. Allerdings genügte es nicht zu wissen, von welchem Künstler ein Bild stammte. Neben der Prüfung von Echtheit und Provenienz waren Expertisen von Malern vor Ort einzuholen. Aber Vorsicht war geboten! Es konnte durchaus passieren, dass korrupte Händler unter falschem Namen agierten, vorzugsweise mit Masken! Nicht nur während des Karnevals trug man in Venedig Masken, gern auch im Verlaufe des übrigen Jahres und zu wichtigen Ereignissen. Die baùta (weiße Gesichtsmaske) mit tabarro (dunklem Umhang) und tricorno (schwarzem Dreispitz) garantierte Anonymität. Mit der Bauta konnte der oder die „Herrin Maske“ unerkannt seriösen, aber auch dubiosen Geschäften nachgehen.

Innerhalb von vier Jahren gelang es Algarotti für den Dresdner Hof 34 Gemälde anzukaufen, darunter Werke des befreundeten Malers Giovanni Battista Tiepolo sowie ein Pastell von der Hand des Schweizer Malers Jean-Étienne Liotard: kein Fürstenporträt, sondern ein adrett gekleidetes Dienstmädchen, das eben unterwegs ist, um seiner Herrschaft eine Tasse Schokolade zu servieren. Heiße Trinkschokolade – gemischt mit Honig oder Zucker – avancierte zum Modegetränk der noblen Gesellschaft. Apotheker verkauften Schokolade als Heil- und Stärkungsmittel, Damen rührten sie ihren Kavalieren in den Kaffee. Liotards „Schokoladenmädchen“ (um 1744) entzückt die Besucher*innen der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister bis heute. Das zugehörige Café trägt den Namen Algarotti

Café Algarotti, Gemäldegalerie Alte Meister Dresden; © Klaus-Werner Haupt

Im Februar 1745 saß der Connaisseur dem Schweizer Künstler selbst Modell. Das Pastell zeigt Algarotti mit perfekt frisierter Perücke, mit Spitzenjabot und schwarzer Schleife – in einem taubenblauen Samtmantel mit Fellbesatz.

Trotz aller Erfolge gelang es Algarotti nicht, in Dresden die erhoffte Anerkennung zu erlangen. „Um seiner rühmlichen Qualitäten und guten Geschicklichkeit willen“ fand man ihn mit dem Titel „Geheimer Kriegsrat“ ab. Heinrich von Brühl und Carl Heinrich von Heineken, sein Privatsekretär und Direktor seiner Sammlungen, bremsten den Ehrgeiz des Venezianers auf ihre Art: Bei den Verhandlungen über die Sammlung des Herzogs Francesco d’Este, Herzog von Modena und Reggio, ließen sie ihn außen vor. Enttäuscht kehrte Algarotti nach Preußen zurück.

Jean-Etienne Liotard, Comte Francesco Algarotti (1745). © Rijksmuseum Amsterdam, CC0 1.0; Link zum Bild

Friedrich II. hatte seinen „Schwan von Padua“ bereits erwartet. Am 14. April 1747 erhielt der Schöngeist, was man ihm vorenthalten hatte: die Kammerherrenwürde inklusive einer jährlichen Pension aus der Privatschatulle des Königs. Seiner Schwester, der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, konnte Friedrich II. von einer guten „Akquisition“ berichten. Für beide gilt Algarotti als Inbegriff eines geistvollen Intellektuellen.

Algarotti stand dem König erneut in Sachen Philosophie und Literatur, Musik und Kunst zur Seite. Von allen Künsten war Friedrich II. der Musik am meisten zugetan. Er komponierte selbst und spielte hervorragend Querflöte. In seinem Auftrag errichtete der Hofbaumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff  Unter den Linden ein Opernhaus, das sowohl vom antikischen Geist Palladios durchdrungen war als auch modernsten Anforderungen genügte. Auf einen Vorschlag Algarottis geht die Widmung FRIDERICVS REX APOLLINI ET MVSIS zurück.                                                                                                                                                    

In seinem Traktat Saggio sopra l’opera in musica (1755) rechnete Algarotti mit der gängigen Theaterpraxis ab. In seiner mehrfach übersetzten Schrift forderte er die Oper solle die Sinne unterhalten, das Herz bezaubern und eine angenehme Täuschung hervorbringen. Selbst der Wiener poeta cesareo Metastasio reagierte zustimmend. Algarottis Kritik galt der barocken, unzweckmäßigen Ausstattung der Theaterhäuser. Ideal für die Akustik seien Räume aus Holz. Den Zuschauerraum denkt sich der Autor – in Rückbesinnung auf die Antike – in Form eines Halbkreises oder einer Ellipse. Als lobenswerte Beispiele nennt er die Berliner Hofoper sowie das zwischen Dresden und Leipzig gelegene Jagdschloss Hubertusburg. Algarotti geht noch einen Schritt weiter: Auch die Zuschauer sollten Teil des Schauspiels werden – „wie die Bücher in den Regalen einer Bibliothek oder Edelsteine in den Fassungen kostbaren Schmucks“. Wie in der griechischen Tragödie sollte das Theater zu einer lebendigen Bühne werden. In Parma und Wien, in Mannheim, Stuttgart und London wurden diese Visionen – so weit wie möglich – umgesetzt.

Obwohl noch keine 40 Jahre alt, litt Algarotti unter gesundheitlichen Problemen. Der Leibarzt des Königs verordnete „eine Brühe von Vipern“ – einen Schlangentrank, der die Kassen der Apotheker klingeln ließ. Als Friedrich II. von der Verliebtheit seines Kammerherrn erfuhr – die Angebetete war die venezianische Tänzerin Giovanna Cortini – formulierte er seine Diagnose poetisch: La maladie – die Krankheit – habe ihre Ursache nur im Herzen. Er wünschte, Algarotti fragte „weniger nach Ärzten als nach lustiger Gesellschaft, weniger nach Diät als nach Vergnügen, weniger nach dem Galbanum der Chemiker als nach dem Wein der Provence; der das Blut rascher umlaufen macht und die Freude ins Hirn treibt.“

Algarotti wusste sich am Schreibtisch abzulenken. Er vermittelte den Briefwechsel mit dem päpstlichen Stuhl, korrespondierte mit dem Paduaner Komponisten Guiseppe Tartini und bestärkte den König, die Garnisonstadt „Posdammo“ zu einer „Schule der Baukunst“ zu machen. Inspiriert von Architekturstichen und eigenen Skizzen wurde der Alte Markt zu einer römischen Piazza, die Potsdamer Bürgerhäuser erhielten barocke oder klassizistische Fassaden.

Zum Glanz des aufgeklärten Herrschers fehlte nur noch Voltaire. Friedrich II. nannte ihn den „Cicero unseres Jahrhunderts“, sein Genie „eine Fackel, welche die Welt erleuchten muss.“ Als der Philosoph am 10. Juli 1750 in Potsdam eintraf, erhielt er den Titel eines Kammerherrn und eine 7.000 Taler umfassende Pension. Bei freier Kost und Logis unterrichtete Voltaire den König fortan in Rhetorik, Stil und Poetik.

Algarotti schwärmte, ein Souper ohne Voltaire gliche einem Ring ohne Diamant. Die Gedanken sprudelten so lebendig und kraus aus seinem Mund, als würde er „durch elektrische Körper Funken und schwaches Licht entzünden“. Rund einhundert Jahre später entstand Adolph von Menzels Gemälde „König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci“ (1850). Im Marmorsaal, unter den Augen der Venus Urania und des Apoll, sitzt eine Runde „gebildeter und fähiger Männer“, in deren Mitte der gut gelaunte Gastgeber. Zu seiner Rechten Voltaire. Ihm von links zugeneigt – in angeregtem Disput – Francesco Graf von Algarotti.

Das „Weinbergschloss“ Sanssouci; © Klaus-Werner Haupt

Der preußische König hatte eine Vorliebe für kulinarische Köstlichkeiten, die unterhalb des Schlosses Sanssouci in den verglasten Nischen des terrassierten Weinberges gediehen. Algarotti sorgte für die begehrte Mortadella di Bologna, Bottarga (getrockneten Fischrogen) und nicht zuletzt Trüffeln. Die Zubereitung oblag dem französischen Küchenmeister, vom König als „Newton der Kochgeschirre und Caesar der Bratenspieße“ gepriesen. Ihm zur Seite standen italienische Köche und Zuckerbäcker. Ihre Namen erhalten die Speisen nach Regionen oder – wie die Hühner à la Barberina – nach prominenten Persönlichkeiten.

Algarotti, der strengste Diät lebte, durfte Preußen im Winter 1753 zwecks Erholung verlassen. Von diesem Urlaub kehrte er nie wieder zurück, blieb seinem Mäzen jedoch treu ergeben. Am 1. Oktober 1756 siegte die preußische Armee bei Lobositz (Böhmen). Algarotti gratulierte und bestärkte  den König „Caesar vergessen zu machen und das Jahrhundert aufzuklären“. Er versorgte ihn mit Neuigkeiten, vermittelte den Ankauf von Gemälden und sandte ihm Marmorproben.

Nach mehrjährigen Aufenthalten in Venedig und Bologna nahm Algarotti 1762 seinen Wohnsitz in Pisa (Großherzogtum Toskana). Seine Schriften über Architektur, Malerei und Musik, Essays und Aphorismen beförderten den Kulturtransfer zwischen dem Süden und dem Norden Europas.

Am 1. Juni 1764 lud Friedrich seinen Kammerherrn a. D. ein, sich in Sanssouci seine Sammlung italienischer Bilder anzuschauen. Leider war Algarotti bereits am 3. Mai verstorben. So blieb dem König nur, dem „feinsten und nettesten Denker seiner Zeit“ (Justus Möser) auf dem Campo Santo von Pisa ein Kenotaph zu errichten. Die Trauerfigur ist von Büchern und der Eule der Minerva umgeben, die Inschrift erinnert:

ALGAROTTO OVIDII AEMULO /

NEWTONI DISCIPULO /

FRIDERICUS MAGNUS

(Algarotti, dem Nacheiferer Ovids / dem Schüler Newtons /

Friedrich der Große).

 

Klaus-Werner Haupt ist hauptberuflich als Autorin tätig.

Ein mit Glück und noch mehr Verstand ausgestatteter Kaufmannssohn verfasst eine Schrift über die Optik Newtons. Sie macht seinen Namen europaweit bekannt und ebnet den Weg zu den Großen jener Zeit. Mit Voltaire philosophiert Algarotti über Licht und Farben, mit dem britischen Gesandten Baron Baltimore segelt er nach Sankt Petersburg und in Rheinsberg trifft er den preußischen Kronprinzen – eine schicksalshafte Begegnung für beide Seiten. Kaum auf dem Thron, ruft Friedrich II. den charmanten Venezianer nach Berlin,

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Verwendete Literatur

Annales regni Francorum (MGH SS rer. Germ. 6)

Einhard, Vita Karoli Magni. Leben Karls d. Gr.

Ermanrici Sermo de vita Sualonis dicto Soli

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