Francesco Tarrega

von Thomas Siemens

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Francesco Tarrega – der Weg in die Moderne

Wenn wir heute an klassische Gitarre denken dann denken wir heute auch fast automatisch an Spanien. Das geht so weit, dass man manchmal spanische Gitarre als Synonym für klassische Gitarre nimmt und es zeigt sich auch darin, dass viele Begriffe der klassischen Gitarrentechnik aus dem spanischen kommen. Man denke an den tirando oder apoyando Anschlag.

Das die Gitarre so mit Spanien verbunden wurde war nicht immer so und ist nicht selbstverständlich. Die erste Blütezeit der klassischen Gitarre ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts drehte spielte sich vor allem in Paris und Wien an. Zwar waren mit mit Fernando Sor und Dionisio Aguado auch spanische Namen vertreten, aber auch ihr Wirken fand vornehmlich in Paris statt. Daneben waren in dieser Epoche vor allem von italienischen Namen geprägt wie Ferdinando Carulli, Mauro Giuliani, Matteo Carcassi und Luigi Legnani. Nach dieser goldenen Zeit viel die Gitarre aber fürs erste in ein Tal und hatte Probleme, den Weg ins 20. Jahrhundert zu finden.

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Derjenige, der der Gitarre dort helfen sollte und den die Weichen stellte für den Fokus auf Spanien war Francesco Tarrega. Er war nicht nur der Ausgangspunkt für eine neue Blütezeit der Gitarre sondern prägte auch einige ihrer bekanntesten Melodien.

Francesco Tarrega wurde im Jahr 1852 in Villarreal in Spanien geboren. Schon als Kind zeigte Tarrega eine ausgeprägte musikalische Begabung. Nachdem der Gitarrist Julian Arcas den jungen Tarrega 1862 spielen hörte war dieser so begeistert vom Talent des Jungen, dass er ihn mit nach Barcelona nahm, um ihn auszubilden. Der nächste große Schritt von ihm war 1874, als er einen reichen Händler als Förderer gewann, der ihn auf die Musikschule in Madrid schickte. Hier vollendete Tarrega seine Ausbildung.

In den folgenden Jahren wurde er in In und Ausland berühmt. Er spielte unter anderem in Paris und London und begeisterte vielfältig mit seinem virtuosen Können. Ohne sein Wirken wäre Übergang der klassischen Gitarre in 20. jahrhundert nicht denkbar gewesen. Das ihm das möglich war hat er unter anderem einem genialen Gitarrenbauer zu verdanken. Der Grund dafür, dass das die Gitarre damals etwas in Vergessenheit geraten war hatte auch damit zu tun, dass die Bauart der Gitarre des 19 Jahrhunderts filigraner und leicht gewesen ist als die, die wir heute kennen. Im Vergleich zu heute war der Korpus kleiner und die Klangfülle deswegen geringer. Damit konnte die Gitarre aber nicht mithalten mit den Anforderung den der Geschmack des Publikums ab der Romantik stellte.

Antonio Torres war ein spanischer Gitarrenbauer der zu Tarregas Zeit in Spanien aktiv war. Er nahm einige entscheidende Änderungen an der Konstruktion der Gitarre vor. Unter anderem baute er seine Instrumente mit größerem Korpus, wodurch sie lauter sein konnten. 1869 erwarb Francesco Tarrega eine Torres Gitarre welche ihm bei seinem Durchbruch auf der Bühne entscheidend half.

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Ein weiterer Grund, warum es Tarrega gelang, der Gitarre wieder mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen war, dass er es vermochte, mit seinen Stücken den Geschmack der Zeit zu treffen. Zu einem Teil bestand sein Werk aus feinsinnigen, kurzen Stücken wie zum Beispiel Lagrima oder Tango Maria. Zum anderen schrieb er Werke von beeindruckender Virtuosität. Hier sind zum Beispiel zu nennen seine Variationen das “Karneval von Venedig” Themas von Paganini. Er stellte sich damit in die Tradition großer, spätromantischer Virtuosen. So wird man beim hören dieses Werkes bestimmt auch an Franz Liszt gedacht haben, der das gleiche Thema auf Klavier verarbeitet hatte. So konnte Tarrega zeigen, dass die Gitarre einen Platz in der Musik ihrer Zeit verdiente.

Es gibt eine interessante Anekdote im Bezug auf die Kompositionen von Tarrega. Vielen unbekannt ist die Tatsache, dass er der Urheber des bekannten Nokia Klingeltons ist. Die Melodie entstammt tatsächlich dem Gran Vals in A dur von Francesco Tarrega. Auch wenn das ganze Stückden meisten Menschen wahrscheinlich unbekannt bleiben wird kann man sagen, dass Tarregas Musik auf diese Weise doch große Verbreitung gefunden hat. Das Anliegen Tarregas, die Gitarre in der ernsten Musik zu etablieren zeigt sich auch in den 120 Transkriptionen, die von ihm erhalten sind, darunter Transkriptionen von Musik von Beethoven und Chopin.

Vielleicht die tiefste Spur in der Geschichte hat Tarrega aber vielleicht durch seine Schüler hinterlassen. Vor allem die drei Schüler Emilio Pujol, Miguel Llobet und Daniel Fortea waren dafür verantwortlich, Tarregas Errungenschaften als Lehrer und Virtuosen an die nächsten Generationen weiterzugeben. Miguel Llobet war es, der den jungen Andres Segovia beeinflusste, der zum wichtigsten Gitarristen des 20. Jahrhunderts werden sollte. So nimmt Francesco Tarrega zu Recht einen großen Platz in der Geschichte der klassischen Gitarre ein, denn ohne ihn wäre jemand wie Andres Segovia nicht denkbar gewesen und ohne Segovia gäbe es wohl auch keine klassische Gitarre im heutigen Konzertleben.

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