Frau Daniel Hubbard (Mary Greene)

von Thomas Stiegler

John Singleton Copley war einer der führenden amerikanischen Porträtisten des 18. Jahrhunderts und hier zeigt er uns Mary Greene, die Frau von Daniel Hubbard, einem Vertreter der Bostoner Kaufmannsschicht. Wir müssen daran denken, dass sich in dieser Zeit die nordamerikanische Kolonialgesellschaft im Umbruch befand, denn die Spannungen zwischen den Kolonisten und der britischen Krone nahmen ständig zu, was schließlich (wie wir wissen) zur Amerikanischen Revolution führen sollte. In diesem sozial und politisch angespannten Klima nutzten viele der wohlhabenden Kolonisten die Kunst, um ihren Status und ihre kulturelle Identität zu bekräftigen

Copley dürfte bei diesem Gemälde stark von einer anderen Arbeit beeinflusst gewesen sein, denn die Pose, die Kleidung und der Hintergrund von Mary Greene waren eine exakte Kopie eines britischen Stichs. Aber die individuellen Züge der Figur und die Oberflächen und Farben der luxuriösen Stoffe machen es trotz der deutlichen Anklänge zu einem Originalwerk des Künstlers.

Besonders auffallend ist die Beleuchtung des Gemäldes: Das Licht fällt sanft auf das Gesicht von Mrs. Hubbard, macht ihre Züge weich und lässt ihre Haut fast durchscheinend erscheinen. Dieses Spiel des Lichts in Verbindung mit dem dunklen Hintergrund rückt sie in den Mittelpunkt des Bildes und unterstreicht ihre Rolle als Hauptperson. Auf diese Weise scheint es auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft jener Zeit widerzuspiegeln: als Mittelpunkt des Haushalts und der Familie.

Mrs. Daniel Hubbard (Mary Greene), c. 1764, John Singleton Copley; CC0 Art Institute Chicago

Ein weiteres Merkmal dieses Gemäldes ist die Wahl der Farben. Copley verwendet eine Palette erdiger Töne – Braun-, Beige- und dunkle Grüntöne -, die durch das weiche Licht des Gemäldes aufgehellt werden, was eine Atmosphäre der Ruhe und Nachdenklichkeit schafft und die Figur der Mary Greene deutlich hervorhebt.

Ein Jahrzehnt nach der Fertigstellung dieses Werks verließ Copley das koloniale Massachusetts und ging nach England, um seine Karriere voranzutreiben und wohl auch, um den heftigen politischen Spannungen zwischen Familie, Freunden und Gönnern inmitten der bevorstehenden Revolution zu entkommen.

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