Friedrich der Große und die Flöte

von Anja Weinberger

Friedrich der Große und die Flöte

von Anja Weinberger

Warum ein König Flöte spielte

Im 18. Jahrhundert galt die Flöte als empfindsames, beinahe zartes Instrument. Für einen Herrscher, der Stärke und Durchsetzungsvermögen verkörpern sollte, war das ungewöhnlich. Doch Friedrich ließ sich nicht beirren: Er nahm Unterricht bei Johann Joachim Quantz, den er nach Berlin an den Hof holte, übte täglich und komponierte selbst.

Über 120 Flötensonaten und mehrere Flötenkonzerte stammen von seiner Hand – ein beeindruckendes musikalisches Werk, das bis heute gespielt wird.

 

Musik als Rückzugsort in Sanssouci

Nach anstrengenden Regierungsgeschäften zog sich Friedrich in sein Schloss Sanssouci am Rande von Potsdam zurück. Dort fanden regelmäßig Kammerkonzerte statt, bei denen er selbst die Flöte spielte.

An seiner Seite fanden sich die großen Musiker der Zeit ein, vor allem neben Quantz auch Carl Philipp Emanuel Bach, der zweite Sohn Johann Sebastian Bachs. Für Friedrich schrieb dieser damals weltberühmte Musiker zahlreiche Flötenwerke, die noch heute als Meisterwerke gelten.

Oft nahmen auch die beiden Schwestern des Regenten, Wilhelmine von Bayreuth und Anna Amalie von Preußen, an den Konzerten teil. Beide waren selbst hochmusikalisch, komponierten und musizierten. Die Konzerte in Sanssouci waren damit nicht nur höfische Repräsentation, sondern auch ein echtes musikalisches Miteinander.

Die Flöte als Lebenselixier

Zeitzeugen berichten, dass Friedrich in seinem Alltag streng, ja meist kühl wirkte. In der Musik jedoch blühte er auf. Die Flöte war für ihn nicht nur ein liebgewonnener Zeitvertreib, sondern ein Ventil für Gefühle – eben ein liebgewonnener Gegenpol zu den harten Pflichten des Regierens.

Wenn der König spielte, war er ein anderer Mensch. Atem, Klang und Kunst gaben ihm etwas, das ihm sonst niemand und nichts schenken konnte. Übrigens war sein Lehrer Johann Joachim Quantz der einzige bei Hofe, der den König kritisieren durfte.

 

Bedeutung für die Musikgeschichte

Die Flötenleidenschaft Friedrichs hatte Folgen für die Musikgeschichte: Durch seine Förderung von Komponisten wie C. P. E. Bach, Benda, Quantz und anderen entwickelte sich in Preußen eine reiche Musikkultur. Die höfischen Flötenwerke sind heute ein spannendes Zeugnis dieser Zeit. Wie schön, dass ein König auch auf diese Art den Ton angab.

Fazit: Ein König mit Flöte

Friedrich der Große bleibt eine widersprüchliche Figur: Soldatenkönig und Aufklärer, Machtpolitiker und sensibler Musiker. Seine Liebe zur Flöte macht ihn menschlich und zeigt, wie eng Kultur und Politik miteinander verflochten sein können. Durch seine Liebe zur Musik und speziell zur Flöte sind viele Werke entstanden, die bis heute die Programme von uns Flötisten füllen.

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