Isabella Leonarda – die komponierende Nonne
von Anja Weinberger
Isabella Leonarda – die komponierende Nonne
von Anja Weinberger
Eine vergessene Barock-Komponistin aus Italien
Wenn von den großen Komponisten des Barock die Rede ist, fallen meist Namen wie Claudio Monteverdi, Heinrich Schütz oder Johann Sebastian Bach. Doch mitten in dieser von Männern dominierten Musikwelt wirkte eine außergewöhnliche Frau: Isabella Leonarda. Sie wurde 1620 geboren, also ungefähr eine Generation vor Corelli und zwei bis drei Generationen vor Vivaldi. (Zum weiteren Vergleich: Hammerschmidt wurde 1611 geboren und Lully 1632) Heute gilt sie als eine der bedeutendsten KomponistInnen des 17. Jahrhunderts – und wird endlich, wenn auch langsam wiederentdeckt.
Wer war Isabella Leonarda?
Sie wurde 1620 im Nordwesten von Italien, in Novara, geboren und trat bereits mit 16 Jahren in das Ursulinenkloster ihrer Heimatstadt ein. Dort blieb sie ihr Leben lang – nicht nur als Nonne, sondern auch als Oberin und Musiklehrerin. Trotz ihres religiösen Alltags entwickelte sie eine enorme schöpferische Kraft: Über 200 Werke aus ihrer Hand sind überliefert. Wirklich erstaunlich!
Isabella Leonarda als Komponistin
Die Musikerin schrieb hauptsächlich geistliche Werke: Messen, Motetten, Psalmen und Hymnen. Ihre Kompositionen sind ein lebendiges Beispiel für die spirituelle Musikpraxis im italienischen Barock. Besonders hervorzuheben ist jedoch ihr op. 16 aus dem Jahr 1693, das als die erste gedruckte Sonatensammlung einer Frau gilt. Damit schrieb Isabella Leonarda Musikgeschichte, und doch ist uns ihr Name nicht bekannt.
Stil und Bedeutung
Isabella Leonardas Musik verbindet den konzertanten italienischen Barockstil mit einem zutiefst persönlichen Ausdruck religiöser Frömmigkeit. Ihre Werke zeigen, dass Frauen im 17. Jahrhundert nicht nur ausgezeichnet musizierten, sondern auch einen eigenen musikalisch-kompositorischen Stil entwickeln konnten.
Wiederentdeckung im 21. Jahrhundert
Lange Zeit war Isabella Leonarda nahezu vergessen. Uns war ihr Name völlig unbekannt. Nach Hildegard von Bingen klaffte ein großes Loch. Im Spätbarock waren dann die beiden Preußen-Prinzessinen Wilhelmine und Anna Amalia wieder eine Begriff.
Erst die moderne Musikwissenschaft und Aufnahmen spezialisierter Ensembles haben Isabella Leonardas Werke zurück ins Bewusstsein gebracht. Heute gilt sie als eine wichtige Pionierin weiblicher Kompositionskunst und als spannende Alternative zu den bekannten Barockmeistern.
Fazit: Warum Isabella Leonarda heute gehört werden sollte
Die Komponistin Isabella Leonarda steht exemplarisch für viele Frauen, deren Lebenswerk über Jahrhunderte hinweg unsichtbar gemacht wurde. Ihre Musik eröffnen einen faszinierenden Blick auf den italienischen Frühbarock und verdient es, neben den großen Namen des 17. Jahrhunderts genannt zu werden.
Wie schön, dass es unterdessen möglich ist, über die inzwischen zahlreichen Aufnahmen ihrer Messen, Motetten und Sonaten in die Welt dieser vergessenen Komponistin einzutauchen.
