Johann Kaspar Mertz

von Thomas Siemens

Johann Kaspar Mertz und sein tragischer Erfolg

Wenn man die Menge der Gitarrenliteratur nach Menge auf einer Zeitleiste eintragen würde könnte einem auffallen, dass die Gitarre in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts in ein Tal fällt, nach dem sie in der ersten Hälfte eine goldene Zeit hatte. Diese Lücke fängt erst mit Francesco Tarrega an sich wieder zu schließen, so dass die Geschichte der Gitarre erst zum Anfang des 20 Jahrhunderts wieder fahrt aufnimmt.

Ein Gitarrist, der sozusagen zwischen den Zeiten steht ist Johann Kaspar Mertz. Knapp 38 Jahre später geboren als der große Fernando Sor war zu seiner Zeit die Blütezeit der Gitarre schon merkbar am vergehen.

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Johann Kaspar Mertz wurde 1806 in Preßburg geboren und starb 1856 in Wien, wo er seit 1840 lebte. Während Gitarristen vor ihm wie Fernando Sor und Mauro Giuliani mehr klassischen Traditionen verpflichtet waren kann man Mertz klar als romantiker einordnen. Einen großen Einfluss auf seine Stilbildung hatte mit Sicherheit seine Frau Josephine. Sie war eine Pianistin, die er in Dresden kennenlernte, der Wirkungsstätte von Robert Schumann. Der Stil von Mertz erinnert darum sicherlich nicht zufällig oft mehr an romantische Klavierstücke als an das, was man sonst von der Gitarre erwarten würde. Besonders gut sehen kann man das in den Bardenklängen, einer großen Sammlung von Charakterstücken, die von den Titeln und von der Anlage her sehr stark an das Album für die Jugend von Robert Schumann erinnern.

Obwohl Johann Kaspar Mertz ein ausgezeichneter Gitarrist war und seine Kompositionen von guter musikalischer Qualität sind konnte sein Wirken nicht annähernd so viel Fahrt aufnehmen wie es bei Sor oder Giuliani der Fall gewesen ist. Das dies so war kann man ihm aber nicht zum Vorwurf machen. Mertz war leider zur falschen Zeit, oder eher Epoche, am falschen Ort. Mit dem Wandel in der Romantik änderten sich auch die Hörgewohnheiten der Menschen und der Anspruch an die Musik. Die Säle in denen gespielt wurde wurden größer. Die Leute wollten mehr “unmittelbaren” Gefühlsausdruck und mehr großen Klang. Das Klavier konnte das mit den baulichen Weiterentwicklungen die sie erhalten hatte gut bedienen, so dass die Zeit der Klaviervirtuosen beginne konnte. Die Gitarre konnte nicht mithalten. Mertz versuchte es zwar, zum Beispiel mit dem “Introduction et Rondo op. 11”, aber man merkt der Musik an, dass sie versucht mehr zu sein, als sie kann.

Ein anderer großer Teil von Mertz Werks besteht in Opernparaphrasen, also Arrangements von bekannten Opernmelodien zu konzertanten Fantasien. Seine gesammelten “Opern-Revuen” umfassen 38 große Fantasien von teilweise hoher Virtuosität. Die große Menge lässt sich damit erklären, dass das Publikum leichter zu begeistern war mit Melodien, die sowieso populär waren als mit Originalkompositionen. Man muss sich vorstellen, dass sie darauf abzielen dass das Publikum denkt: “Ich kenne diese Melodie. Verrückt, dass man das auf der Gitarre spielen kann.” Das Lebensende von Johann Kaspar Mertz umgibt eine tragische Geschichte. Im Jahr 1856 wurdein Brüssel vom russischen Adeligen Nikolaj Petrovic Makar ein Kompositionswettbewerb für Gitarreausgeschriebe. Der Preis bestand unter anderem aus einer großen Konzertreise durch Europa. Mertz reichte drei Stücke ein, seine 3 Morceaux Op. 65, und gewann mit diesen den Wettbewerb. Er starb jedoch noch bevor er die Siegertournee antreten konnte. Damit ging der Preis mit der Konzertreise an den zweitplatzierten Napoleon Coste. Dieser hat den Ereignisse in der “Fantasie Dramatique “le Depart” Op. 31 ein Andenken gesetzt.

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Was von Johann Kaspar Mertz bleibt ist ein recht großes Werk an Musik, die man im besten SInnes des Wortes als romantische bezeichnen kann. Durch die symbiose von romantischer Klaviermusik mit der Gitarre ist es ihm gelungen seinen sehr originellen Stil zu schaffen mit großen Konzertwerken, wie seinen “3 Morceaux Op. 65” aber auch mit sehr sensiblen, stimmungsvollen Stücken wie in den Bardenklängen. Die Gitarre setzte derweil ihre Reise durch die Geschichte fort. Ohne dass Mertz davon wusste war Antonio Torres am Tüfteln und am Entwickeln einer neuen Gitarrenbauart mit größerem Korpus, die das Klangproblem löste, das die Gitarre hinter dem Klavier hat zurückbleiben ließ. Doch das hat Johann Kaspar Mertz leider nicht mehr selbst erlebt

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