John Constable

 

von Georg Rode

John Constable war ein englischer Maler, der von 1776 – 1837 lebte. Er war ein früher Vertreter der englischen Romantik, die, anders als noch in der Zeit von Gainsborough, die Landschaftsmalerei akzeptierte, ihr sogar einen bedeutenden Platz einräumte, neben mystischen Vertretern, wie z.B. Füssli oder William Blake. Obwohl oft ohne dokumentarischen Anspruch stammen die meisten Arbeiten von Constable aus dem seinem eng umgrenzten Lebensraum in Suffolk und Umgebung, mit klar zuzuordnenden Landschaftsmotiven. Er wollte ein „natürlicher“ Maler werden und bereitete seine Arbeiten mit zahlreichen Skizzen mit Bleistift, Aquarell und auch Öl vor. Letztere auch schon in der Größe des späteren Originals.

John Constable, The Cornfield (Das Kornfeld), 1826 National Gallery, London; CC4.0, Link zur Lizenz 

Lässt die Romantik ganz allgemein die „Verbildlichung“ von Gefühlen zu, ist diese bei Constable durch seine verschiedenen biographischen Situationen bedingt. So fertige er zum Beispiel 1814 eine Skizze des Highland Castle an der Themsemündung an, als seine Werbung um Maria Bicknell unter einem schlechten Stern stand. 1829, ein Jahr nach dem Tod der schließlich doch geehelichten Frau fertigte er ein großes Ölbild nach der Skizze an. Ich denke, dass daraus ein sehr großes Maß an Melancholie spricht.

John Constable, Hadleigh Castle, 1829. Yale Center for Britisch Art, New Haven, USA; Public Domain; Link zur Lizenz

Weitaus lebensfroher und mit mehr „Augensalbe“, wie Constable es ausdrückt, kommt das erste Bild mit dem trinkenden Jungen daher, das einen Teil von Constables früheren Schulweg zeigt. Das Bild wurde übrigens trotz der angestrebten und erreichten Gefälligkeit nicht verkauft, aber es wurde nach seinem Tod für die 1824 gegründete National Gallery, damals königliche Kunstsammlung, ausgewählt.

Neben einem weiteren Themenkomplex finde ich zwei, bzw. drei Bilder bemerkenswert. Einmal das wohl bekannteste Bild „The Hay Wain“ (Der Heuwagen) von 1821 aus der National Gallery, das anlässlich einer Pariser Ausstellung die Bewunderung von Géricault fand. Insbesondere die lebhafte Gestaltung der Wolken fand dann bei den späteren Impressionisten Anerkennung. Seine Farbwahl, beispielweise bei den Bäumen, ist wesentlich näher an der Natur als vergleichbare Arbeiten anderer Künstler, die zum Beispiel mit eher bräunlicheren Farbtönen ihren Vorbildern, den niederländischen Künstlern des Barock treu blieben. Der Komplementärkontrast von Rot ist gezielt gesetzt zu dem überwiegenden Grün der Landschaft. Der Pinselauftrag ist in den Details exakt ausgeführt, aber großzügiger bei den Bäumen und dem Wasser, was ebenfalls auf den für jene Zeit modernen Charakter des Bildes hinweist.

John Constable The Hay Wain (Der Heuwagen), 1821, National Gallery, London; CC4.0, Link zur Lizenz

Full-Scale Study for The Hay Wain, John Constable, about 1821, England., © Victoria and Albert Museum, London; frei für : Non-commercial online use; Link zur Lizenz

Beim Vergleich der Bilder wird aus heutiger Sicht deutlich, dass bereits die Vorstudien nach den Gesichtspunkten der späteren Epochen gleichwertige, auf ihre Weise ebenso perfekte Bilder sind. Der Grund für seinen Einfluss auf die Impressionisten wird hier deutlich. Ein in jeder Hinsicht modernes Bild, dass so natürlich keinen Anklang beim damaligen Publikum finden konnte

 

Zum Schluss des kleinen Besuches bei diesem Künstler möchte ich auf eine zunächst nebensächlich erscheinende Reihe von Bildern zu sprechen kommen, den Wolkenstudien. Die Besonderheit seiner Wolkendarstellungen wurde bereits bei „The Hay Wain“ erwähnt. Als die Familie wegen der bereits einsetzenden Atemschwäche von Constables Frau zunächst nach Hampstead zog hatte er einen phantastischen Ausblick auf die Kathedrale St. Pauls und den Himmel. Er führte zahlreiche schnelle Aquarellskizzen von Wolkenformationen an, um Wolken in den großen Bildern nach seinen Vorstellungen darstellen zu können.

John Constable, Cumulus Wolkenstudie, (Auf der Rückseite beschriftet: 21. Sept. 1822, Blick nach Süden lebhafter Wind von Ost, frisch, aber warm. Übersetzt) Yale Center for Britisch Art, New Haven, Connecticut; Public Domain; Link zur Lizenz

Der Begleittext auf der Rückseite besteht aus einer genauen Beschreibung der Wetterverhältnisse. Spätestens dann erkennt man die Ernsthaftigkeit dieser Studien, die leicht und anmutig, bisweilen aber auch gewaltig daherkommen. Gemalt als Vorbereitungen für die verschiedenen Hintergründe seiner Bilder, stellen sie ein eigenständiges Thema seiner Kunst dar.

Die gekonnte Skizzierung der Wolkenformationen wird auf den Rückseiten der Bilder mit genauen, beinahe naturwissenschaftlichen Angaben dokumentiert. Für objektive Erkenntnisse über die Natur interessierte man sich in England aufgrund der Beschreibung Francis Bacons, weshalb man davon ausgeht, dass die industrielle Revolution in der zweiten Hälfte des 18 Jdh. von England ausging. In dieser Tradition darf man auch Constables Wolkenstudien sehen, auch wenn sein Interesse an der Natur rein künstlerisch war.

Weitere Beispiele, die ich für sich sprechen lassen möchte:

John Constable, Cloud Study, 1821, Oil on Paper, Laid Down on Board, Yale Center of modern Art, New York; Public Domain; Link zur Lizenz

John Constable, Cloud Study Wikimedia Commons zu den dort verbindlichen Rechten; Link zur Lizenz

John Constable,  Clouds, 1822, National Gallery of Victoria, Melbourne; inscribed in pen and ink on paper label on reverse c.r.: 5 Sepr (. under r) 1822. / 10 o clock Morng. looking South-East. / very brisk wind at West. / very bright + fresh Grey (inverted v under Grey) ; Link zur Lizenz

Verwendete Literatur und Bildrechte
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