Wir feiern bei laufenden Maschinen

 

von Anja Weinberger

(Dieser Text stammt aus dem Buch Kalendergeschichten, erschienen 2023 im Leiermann-Verlag. Er ist die Kulturgeschichte zum 8. März, dem Weltfrauentag.)

In Deutschland wird der Weltfrauentag kaum wahrgenommen. Erst in den vergangenen Jahren hat sich das ein wenig geändert. Hingegen weiß ich aus eigener Erfahrung, dass manche europäische Länder durchaus liebevolle Gesten für diesen Tag im Repertoire haben, werden doch beispielsweise in Italien Frauen mit Blumen beschenkt (auch als fremde Passantin kann man da in den Innenstädten jederzeit und den ganzen Tag über mit einem Stängel Mimosenblüten rechnen und hat am Abend einen ganzen Strauß im Arm).

Aber seien wir ehrlich, Blumen sind etwas sehr Schönes, und wir freuen uns über die Aufmerksamkeit. Noch glücklicher schätzen wir Frauen uns jedoch, wird uns Arbeit abgenommen, war doch noch vor einer Generation Haushaltsführung ein typisch weiblicher Aktionsbereich, und mit Putzen, Waschen und Kinderbetreuung haben alle Hausfrauen den Großteil ihrer Zeit verbracht.

So gratulieren wir »Betroffene« heute von ganzem Herzen Josephine Cochrane zum Geburtstag, denn sie wurde am 8. März 1839 in Ohio geboren. Später lebte sie mit Ehemann und Kindern in Chicago und meldete ein Patent an für die erste Geschirrspülmaschine, die auch wirklich funktionierte. Schon vor Josephines Erfindung hatte es Versuche innerhalb der männlichen Ingenieursgilde gegeben, das Spülen des Geschirrs mit Maschinen zu erledigen. Jedoch waren die Ergebnisse unbefriedigend gewesen, und man darf vermuten, dass damals (wie heute) der jeweilige Ingenieur nicht auf die Idee kam, zuhause nachzufragen, wie die ideale Maschine denn aussehen und funktionieren sollte.

Josephine stammte aus durchaus wohlhabender Familie, man hatte viele Angestellte. In Garten, Küche und Garderobe gab es viele Hände, die die anfallenden Arbeiten verrichteten. Auch bei den gern gefeierten Festen wurde aufgetischt, serviert, abgetragen und gespült – ursprünglich musste Josephine dafür keinen Finger krümmen. Dann aber bemerkte sie, dass das wertvolle, ererbte Service immer weniger wurde, weil die Angestellten beim Geschirrspülen häufig Teller, Tassen oder wertvolle Saucieren zerbrachen. Daraufhin übernahm Josephine selbst die Arbeit am Spülbecken. Man kann sich gut vorstellen, wie sie, die Tochter eines Ingenieurs, mit den Händen im Wasser ihre Gedanken schweifen ließ. Vor ihrem inneren Auge erschienen möglicherweise Laufbänder, Eimer, die sich über Seilzüge leerten und rotierende Bürsten. Irgendwann war ihr schließlich klar, dass spritzendes Wasser und Seifenlauge die Lösung ist. 1886 war es dann soweit: Josephine ließ den »Cochrane Dishwasher« patentieren.

Sie zeigte ihre neue Erfindung 1893 auch bei der Weltausstellung in Chicago und hatte großen Erfolg. Zunächst interessierten sich hauptsächlich Hotels, Restaurants und große Unternehmen für den neuartigen Küchenhelfer, denn in den meisten Privathaushalten gab es noch kein fließendes Heißwasser und die Anschaffungskosten waren zu hoch. Aber im Laufe der Jahrzehnte sollte auch das sich ändern und die Geschirrspülmaschine Teil des Alltags vieler werden. Josephine Cochrane starb 1913 und konnte den Erfolg ihrer Erfindung noch erleben. 2006 wurde sie in die »National Inventors Hall of Fame« aufgenommen – wir Frauen finden: mehr als zu Recht!

In diesem Buch öffnet die Flötistin Anja Weinberger ein persönliches Fenster in die Welt der Musik. Sie erzählt von ihrem Weg als Musikerin, von Begegnungen mit Werken und Persönlichkeiten der Musikgeschichte und von den vielen kleinen und großen Momenten, die ein Künstlerleben prägen.
Mit einem besonderen Blick auf ihr Instrument skizziert sie die Biografien bedeutender Musiker, berichtet von spannenden Entwicklungen im Instrumentenbau und teilt ihre Gedanken zu Werken der Musikliteratur, die sie über Jahre begleitet haben. Historische Einblicke verbinden sich dabei mit persönlichen Erfahrungen aus dem Alltag einer Interpretin.