Kaiser

Friedrich III.

 

von Katharina Mölk

Am 20. September 1415 wird der letzte vom Papst in Rom gekrönte Kaiser geboren: Kaiser Friedrich III. Warum er heute auch als „des Reiches Erzschlafmütze“ bekannt ist, schauen wir uns im heutigen Beitrag an.

Der Habsburger Friedrich wurde als ältester Sohn von Herzog Ernst dem Eisernen und Herzogin Cimburgis von Masowien in Innsbruck geboren. Nach dem Tod seiner Eltern übernahm sein Onkel Friedrich IV. „mit der leeren Tasche“ von Tirol die Vormundschaft. Nachdem er die Regentschaft in Innerösterreich antrat, kam es zu Streitigkeiten mit seinem jüngeren Bruder Albrecht VI.

Seine Residenz bezog er in Wiener Neustadt, das er dafür ausbauen ließ. Aber er hielt sich nicht oft dort auf, da er sehr viel Reisen unternahm (nach, Aachen, Böhmen, Ungarn, Rom, Tirol…). Es wurde errechnet, dass er Zeit seines Lebens s eine Distanz von 33.826 Kilometer zurückgelegt hatte.

1442 wurde er in Aachen zum König des Heiligen Römischen Reiches gekrönt und 10 Jahre später, am 15. März 1452, wurde er als letzter römisch-deutscher König vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt.

Kurz vor seiner Kaiserkrönung hatte er Eleonore von Portugal geheiratet. Aus der 15 Jahre dauernden Ehe gingen 6 Kinder hervor, von denen aber nur Maximilian und Kunigunde überlebten.

Friedrich schloss an die hochtrabenden Pläne seines Vorgängers Herzog Rudolf IV. an: er erhob Wien zum Bistum und baute den Stephansdom weiter aus. In seiner Funktion als Kaiser konnte Friedrich nun auch das von Rudolf IV. gefälschte Privilegium Maius anerkennen: diese Urkunde gab den Titel „Erzherzog“ von Geburt an für die Habsburger vor. Seit dem Jahr 1453 waren nun alle Habsburger Erzherzöge und Erzherzoginnen.

Stephansdom in Wien, ©TTstudio

Außenpolitisch sah Friedrich die Gewinnung des Herzogtums Burgund – mit dem burgundischen Herzog verhandelte er über die Eheschließung, dessen Tochter Maria, mit Friedrichs Sohn Maximilian. Tatsächlich führte diese Hochzeit (1477) dazu, dass Burgund dem Habsburgerreich angeschlossen wurde, jedoch zog es einen 15jährigen Krieg mit Frankreich nach sich. Im Zuge dieser Zwistigkeiten wurde Maximilian in Brügge sogar eingesperrt, weshalb Friedrich mit einem Heer anrücken musste, um seinen Sohn zu befreien.

Die Zwistigkeiten mit seinem Bruder Albrecht VI. setzten sich fort, als die Frage aufkam, wer der Vormund von Ladislaus Postumus sein sollte – dies hatte eine hohe Bedeutung, da Ladislaus, der Sohn von König Albrecht II. war und somit der künftige König von Böhmen und Ungarn, sowie auch der Erbe der albertinisch-habsburgischen Linie, die in den ober- und niederösterreichischen Gebieten regierte. Herzog Friedrich konnte in beiden Fällen seine Stellung gegenüber seinem Bruder behaupten, doch nun schalteten sich auch andere Persönlichkeiten in den Vormundschaftsstreit ein. Die böhmischen und ungarischen Stände wollte selbst die Vormundschaft über den künftigen König übernehmen und schlussendlich musste Friedrich diese an den Statthalter von Böhmen abgeben. Nachdem Ladislaus bereits 1457 gestorben war, wählten Böhmen und Ungarn selbst einen Regenten – keinen Habsburger mehr. Der ungarische König Mathias Corvinus sollte zu einer großen Bedrohung für Friedrich werden. Er besetzte 1485 Wien und Teile Niederösterreichs; doch durch seinen Tod im Jahr 1490 konnte Friedrich diese Gebiete zurückgewinnen.

Nach Ladislaus Tod flammten auch die Streitigkeiten mit Albrecht VI. wieder auf, die damit endeten, dass Albrecht die oberösterreichischen Gebiete und eine Entschädigung von 32.000 Pfund Pfenningen bekam, während Friedrich Niederösterreich mit Wien erhielt. Doch die Feindseligkeiten setzten sich fort – Albrecht nutzte die Finanzschwierigkeiten seines Bruders aus, um viele Adlige für sich zu gewinnen. 1462 führte er ein Heer nach Wien, dass die kaiserliche Familie in der Wiener Burg belagerte, die nur durch die Hilfe des böhmischen Königs Georg Podiebrad von dort befreit werden konnten. Friedrich kehrte Wien nun den Rücken und zog sich wieder nach Wiener Neustadt zurück.

Dom Mariä Himmelfahrt und St. Ruppert in Wiener Neustadt, ©Charly7777

An die Loyalität der Wiener Neustädter Bürgerschaft erinnernd nannte sich die Stadt nun die „Allzeit getreue“. Friedrich gab ließ die Stadt ausbauen und zum Bischofssitz erheben. Als bedeutendstes Baudenkmal der Zeit Friedrichs III. im Bereich der Wiener Neustädter Burg gilt die Georgskirche mit ihrer Wappenwand.

Die letzten Lebensjahre verbrachte der Kaiser in Linz. Dem 78jährigen musste schließlich ein Bein amputiert werden, was er zunächst gut überstand. Allerdings starb er noch im selben Jahr am 19. August 1493. Herz und Eingeweide des Kaisers wurden in der Linzer Stadtpfarrkirche bestattet. Als sein Grabdenkmal, das er bereits 1467 beim Bildhauer Niclas Gerhaert van Leyden in Auftrag gegeben hatte, im Jahr 1513 vollendet wurde, konnte er nun im Stephansdom beigesetzt werden.

Und warum spricht man nun von „des Reiches Erzschlafmütze“?

Kaiser Friedrich III. gilt heute nicht als der bedeutendste oder mächtigste Habsburger Kaiser. Er hatte sein Leben lang Probleme: mit den Ungarn, mit den Franzosen, mit dem eigenen Bruder. Doch der Punkt war, dass er alle überlebt hat. Die Vorherrschaft in den österreichischen Erblanden erhielt er, da König Albrecht II. und sein Sohn Ladislaus starben, dann sein tiroler Verwandter Sigismund und schließlich sein Bruder Albrecht VI. Die Probleme mit dem ungarischen Okkupator erledigten sich mit dem Tod des Mattias Corvinus. Somit „verschläft“ er einfach alles und bleibt als letzter übrig.

Doch in seinen 41 Regierungsjahren erreichte er einiges: er war der letzte vom Papst in Rom gekrönte Kaiser, legte den erblichen Titel „Erzherzog“ für die Habsburger fest, erhob Wien zum Bistum und legte den Grundstein für die Bedeutende burgundische Erweiterung des Habsburgerreiches – immerhin kam dadurch nicht nur burgundische Kunst und Kultur, sondern auch der Orden vom Goldenen Vließ nach Österreich.

Trotzdem ist er heute vor allem als Vater Maximilians bekannt oder als derjenige, der die mysteriöse Buchstabenfolge AEIOU überall anbringen ließ.

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