Kaiserin Elisabeth wird ermordet

 

von Katharina Mölk

Im September 1898 reist Elisabeth für mehrere Wochen in die Schweiz. In Genf steig sie im Hotel Beau Rivage ab. Durch eine Indiskretion erschein am nächsten Tag in der Zeitung die Meldung, dass die Kaiserin von Österreich in diesem Hotel logiere.

Dies erfährt auch der Antimonarchist Luigi Lucheni, der sich zu dem Zeitpunkt in Genf aufhielt, um den Prinzen von Orléans zu ermorden. Damit wollte er die verhassten Aristokraten schockieren. Da dieser jedoch seine Reisepläne änderte, sah sich Lucheni nach einem anderen Opfer um.

Am 10. September 1898 verließ die Kaiserin das Hotel gegen 13.30 Uhr mit ihrer Hofdame Irma Sztáray, um nun mit dem Schiff Genève nach Caux weiterzureisen.

Lucheni erwartete sie bereits und versetzte Elisabeth mit einer angespitzten Feile eine Stichwunde in die Herzgegend.

Lucheni wurde von Passanten festgehalten und der Polizei übergeben.

Elisabeth dachte zuerst, dass er sie nur niedergestoßen hatte und betrat mit ihrer Hofdame Gräfin Irma Sztáray einen Dampfer am Genfersee. Doch an Bord brach die zusammen und man erkannte, dass sie erstochen worden war. Mit Eau de Cologne und einem in Äther getauchtes Zuckerstück brachte man die Kaiserin kurz wieder zu Bewusstsein. Sie richtete sich noch einmal auf, bedankte sich und fragte: „Was ist denn jetzt mit mir geschehen?“ Dann sank sie wieder in die Bewusstlosigkeit und das Schiff kehrte um; die sterbende Kaiserin wurde wieder ins Hotelzimmer zurückgebracht.

Als gegen 14:50 Uhr der Tod Elisabeths gemeldet wurde, rief Lucheni triumphierend: „Es lebe die Anarchie! Es leben die Anarchisten!“. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt (im Kanton Genf war die Todesstrafe abgeschafft worden), wo er 1910 an einem Gürtel erhängt in seiner Zelle aufgefunden wurde.

Elisabeths jüngste Tochter Marie Valerie hält in ihrem Tagebuch fest: „Nun ist es gekommen, wie sie es immer wünschte, rasch, schmerzlos, ohne ärztliche Beratung, ohne lange, bange Sorgentage für die Ihren.“

Porträt der Kaiserin Elisabeth von Österreich, ©jakatics

Als Kaiser Franz Joseph von seinem Flügeladjutanten die Nachricht erhält, sind seine Worte: „Sie wissen nicht, wie ich diese Frau geliebt habe.“

Vor der Überführung nach Wien wurde Elisabeths Leichnam obduziert: „Die Haut war noch lauwarm, die Leichenstarre noch nicht eingetreten. Blassgelber Teint. Die Haare sind kastanienbraun. Graublaue Augen. Gutes Gebiss. Das Unterhautfettgewebe ist wenig entwickelt mit einer Dicke von 1,72 Zentimeter. Auf dem Unterleib sind alte, perlmuttfarbene Schwangerschaftsstreifen. Im Wundherd, an der tiefsten Stelle der Wunde, erkennt man Indizien der beginnenden Totenstarre.“

Ihrem Wunsch, „am Meer, am liebsten in Korfu“ ihre letzte Ruhestätte zu finden, wurde nicht entsprochen. Elisabeths Leichnam wird in der Wiener Burgkapelle aufgebahrt bis zum Begräbnis am 17. September. Der Begräbniszug zur Kapuzinergruft wurde übrigens von Marc Twain beschrieben.

Ihr Sarkophag steht heute neben denen von Franz Joseph I. und Kronprinz Rudolf.

Mit ihrem gewaltsamen Tod entstand der Mythos Sisi.

Zwar machte die Kaiserin allein durch ihr Erscheinungsbild Eindruck auf die Menschen, aber sie war nicht beliebt. Sie war zu sehr abwesend und kümmerte sich nicht um die Menschen in ihrer Umgebung. Nach ihrem Tod galt das Mitleid der Bevölkerung dem Kaiser. Graf Kielmannsegg bemerkte: „Es wurden ihr nur wenige Tränen nachgeweint.“

Skulptur der Kaiserin Elisabeth von Österreich und Ungarn, ©gilmanshin

Doch bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Bild der einsamen, unglücklichen und ewig schönen Kaiserin. Die romantisierende „Sissi“-Filmtrilogie von Ernst Marischka aus den 50er-Jahren machten die Kaiserin weltweit berühmt und prägten lange Zeit das Bild Elisabeths. Dieses revidierte sich, als man sich mit dem poetische Tagebuch der Kaiserin befasste, das sie in der Schweiz hinterlegt hatte. Darin kritisiert sie ihre Zeitgenossen, das Leben am Wiener Hof und die Missstände ihrer Zeit.

Doch auch heute fasziniert Sisis Leben. Sogar ein Musical wurde ihr gewidmet: dieses erzählt von der immerwährenden Todessehnsucht der Kaiserin (Michael Kunze und Sylvester Levay, Vereinigte Bühnen Wien.)

Elisabeths Hofdame Irma Sztáray schrieb über die geheimnisvolle Kaiserin: „Wäre sie so vorübergezogen, wie ein seltenes Gestirn am Himmel für eine einzige Nacht, dann hätte die Profanen, Neugierigen und Einfältigen die Legende nicht mit phantastischen Märchen gestört. Doch ihre Wanderung war lang und da man die Erscheinung immer aufs Neue sah, versuchte man sie zu deuten und – mißdeutete sie. Das dahinziehende goldene Schiff der Legende schleppt einen plumpen Ballast mit sich: das wirre Gerede. Doch, konnte dies anders sein?“

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