Kanelsnäcka

von Meike Dahlström

Kein anderes süßes Gebäck aus Schweden ist hierzulande wohl so bekannt wie die kanelsnäcka (»Zimtschnecke«). Auf schwedisch wird sie außerdem kanelbulle (»Zimtbrötchen«) genannt. Ähnlich wie bei den köttbullar mag auch hier IKEA zu dem hohen Bekanntheitsgrad beigetragen haben, dennoch schmecken die IKEA-Zimtschnecken bei weitem nicht so gut wie eine schwedische kanelsnäcka frisch aus dem Ofen. Noch besser sind die kleinen Kringelchen allerdings selbstgebacken.

Die Spezialität aus Hefeteig und reichlich Zimt  ist in Schweden seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt.  Durch die Erfindung gusseiserner Küchenherde in den 1870er Jahren wuchs die Vorliebe für Selbstgebackenes: Das traditionelle süße kaffebröd (»süßes Stückchen«) wurde zum wichtigen Bestandteil jedes kafferep (»Kaffeekränzchen«).

Viel mehr weiß man trotz der großen Beliebtheit nicht über die Herkunft der schwedischen Zimtschnecke. Anders Jansson, Historiker am Kulturen-Museum in Lund, betont, dass die Geschichte der kanelbulle fast gänzlich unerforscht ist.  Belegt ist jedenfalls, dass sie in der heutigen Form seit den 1920er Jahren gebacken und verspeist wird.  Zunächst war die kleine Leckerei fast ausschließlich in Bäckereien und Konditoreien erhältlich; erst mit dem Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die einst verhältnismäßig teuren Zutaten Zimt und Kardamom zur Massenware. Die Zimtkringel konnten jetzt zuhause selbst gebacken und zum Kaffeekränzchen serviert werden. 

Kanelsnäcka, © lenyvavsha

Die kleinen Köstlichkeiten aus der Kaffeekultur sind bis heute bekannt und beliebt: Aktuell werden in Schweden pro Einwohner und Jahr angeblich 316 kanelbullar verdrückt.  Eine besondere Abwandlung der kleinen Schnecke ist die Hagabulle, die seit Ende der 1980er Jahre im traditionsreichen Café Husaren in Göteborg verköstigt werden kann.  Der Durchmesser dieser überdimensionierten Köstlichkeit beträgt sage und schreibe 20 Zentimeter (persönlich ausgemessen).

Zur Popularität der Zimtschnecke mag auch die schwedische Etikette beigetragen haben, bei einer Kaffeeeinladung im eigenen Heim nicht mit nur einem Backwerk zu brillieren, sondern im Gegenteil eine Auswahl an verschiedenen Kuchen- oder Kekssorten anzubieten: Sju sorters kakor – »sieben Sorten Kuchen« – ist in Schweden ein geflügelter Begriff und sogar Name von Gebäckmischungen. Diese Sitte hatte sich um die Jahrhundertwende etabliert und fand ihren Ausdruck in Schwedens meistverkauftem Backbuch Sju sorters kakor, das erstmals 1945 erschien.  Im Jahr 2021 wurde es in siebter Fassung neu aufgelegt. Die Auswahl von sieben verschiedenen Kuchensorten galt als untere Grenze, was die schwedische Hausfrau den Gästen zum Kaffeeklatsch anbieten sollte – mehr durfte es aber auch nicht sein: Das Überbieten der gebräuchlichen Menge galt als anmaßend und überheblich.

Entsprechend beschäftigt waren schwedische Hausfrauen vor einem Kaffeebesuch; die kleinen Hefeteilchen eigneten sich daher vorzüglich, um mit nicht allzu großem Aufwand die Sortenauswahl zu erweitern. Bis heute kann man bei einer Kaffeeeinladung diese Sitte erleben, auch wenn längst nicht mehr alle Stückchen selbstgemacht sind. So oder so, die angebotene Kuchenplatte mit einer Auswahl feinster Gebäckstückchen ist Augen- und Gaumenschmaus zugleich. Übrigens ist bei einer kanelbulle die Anzahl der inneren Kringel auch ein Qualitätsmerkmal: Je mehr, desto besser. Drei an der Zahl gilt als unterstes Minimum und wer etwas auf seine Backkunst hält, bringt es auf ganze fünf Kringel.

Heute gibt es die Zimtschnecken nicht nur beim Konditor, sondern sie werden in fast jedem Supermarkt täglich frisch gebacken. Oft ist die kanelsnäcka das erste, was bei Ankunft in Schweden ins Auge fällt: Selbst auf dem Rastplatz an der Autobahn wird die kleine Leckerei feilgeboten.

Der feine Kringel hat sogar einen eigenen Ehrentag: Am 4. Oktober wird in Schweden kanelbullens dag gefeiert.

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Rezept:

(Zutaten für 10-12 Portionen):

 Teig:

500 g Weizenmehl (Typ 405)   •   1 Päckchen Trockenhefe   •   60 g Zucker   •   1 Päckchen Vanillinzucker   •   1 Prise Salz   •   1 TL Kardamompulver   •   1 Ei   •   5 EL Öl   •   200 ml Milch

 Füllung:

50 g weiche oder geschmolzene Butter   •   50 g Zucker (weiß oder braun)   •   1 Päckchen Vanillinzucker   •   1 EL Zimt

 Garnitur:

1 Ei oder Butter   •   Streuzucker (Hagelzucker)

 Zubereitung:

Mehl, Trockenhefe, Zucker, Vanillinzucker, Salz und Kardamompulver vermischen. Öl und erwärmte Milch zugeben und fest durchkneten. Den fertigen Teig zudecken und an einem warmen Ort (ideal sind 30 bis 40 Grad) ca. eine halbe Stunde gehen lassen. Inzwischen alle Zutaten für die Füllung verrühren. Den Teig zu einem Rechteck ausrollen und die Füllung darauf verteilen. Eng zusammenrollen und in ca. 2 cm dicke Scheiben schneiden. Man erinnere sich: je mehr Kringel die fertige Schnecke aufweist, desto besser. Die kleinen Rundlinge mit einem Ei oder Milch und Streuzucker bestreichen und im vorgeheizten Backofen auf 180 Grad Umluft ca. 20 Minuten lang backen. Gerne warm servieren.

 

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