Köttbullar

von Meike Dahlström

Die kleinen runden Hackfleischbällchen, köttbullar genannt, sind wohl das am meisten mit Schweden assoziierte Lebensmittel – dem Möbelriesen IKEA sei Dank. Hier werden die Fleischbällchen als Massenware im hauseigenen Restaurant sowie im angeschlossenen »Schwedenshop« verkauft. Ein Satz, den ich als Antwort auf die schwedische Herkunft meines Mannes sehr oft gehört habe, lautet ungefähr folgendermaßen: »Ach ja, IKEA – ich mag die köttbullar dort übrigens auch so gerne!« Wobei ich mittlerweile wie die Schweden selbst zusammenzucke, wenn das Wort auf deutsch mit k ausgesprochen wird – klingt es doch in der melodischen schwedischen Sprache wunderbar weich und fließend »schöttbüllar«.

Obwohl köttbullar hierzulande mit Fast Food aus dem hohen Norden assoziiert werden, sind die kleinen Klöpse alles andere als schwedische Mini-Hamburger. Tatsächlich zählen sie zur landestypischen Hausmannskost und gelten sogar als Nationalgericht, das je nach Region unterschiedlich gewürzt und in verschiedenen Größen zubereitet wird. Grundzutat ist allerdings immer frisches Hackfleisch vom Rind oder Schwein, das heutzutage, je nach Vorlieben und Geschmäckern, auch durch veganes Hack ersetzt werden kann.

Köttbullar, © manyakotic

Die Geschichte der kleinen Bällchen ist ungewiss; vermutlich aber wurden sie bereits um das Jahr 1000 am Hofe Richards II. in England serviert.  Mit ziemlicher Sicherheit haben reiselustige Zeitgenossen ihre Lieblingsspeisen aus der Ferne in Form von Rezepten als Souvenir nach Europa importiert – in den mitgebrachten Kochbüchern aus Bagdad, damals die bedeutendste Stadt der islamischen Welt, finden sich orientalische Rezeptvariationen für die Hackfleischklößchen.

2018 stellte das Svenska institutet per Twitter die These auf, dass einst der Schwedenkönig Karl XII. (1682 –1718) die Fleischklößchen nach Schweden eingeführt habe.  Eventuell befanden sich des weiteren auch Kaffeebohnen und Kohlrouladen in seinem Gepäck.

Wem auch immer der Dank für den Fleischbällchen-Import gebühren mag: Das Rezept fand Anklang und wurde nicht nur in England und Schweden, sondern unter anderem auch in Polen, Spanien sowie auf dem Balkan gern nachgekocht. Erstmalige Erwähnung in gedrucktem Schwedisch finden die köttbullar in dem 1755 verlegten Koch- und Haushaltsbuch der Köchin und Autorin Cajsa Warg. Das 640 Seiten umfassende Schriftstück wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Auf Deutsch fand es unter dem Titel »Schwedisches Koch- und Haußhaltungs-Buch: nebst einem Unterricht auf Seide, Wolle und Leinen zu färben; zum Nutzen junger Frauenzimmer«  mit insgesamt vier Auflagen großen Anklang. Allerdings sollte es noch weitere 100 Jahre dauern, bis das Gericht dank hilfreicher Erfindungen wie Fleischwolf und Holzofen auch beim »einfachen Volk« angekommen war.

Die typische schwedische Prägung erhalten die Fleischklößchen durch die Beigabe von Bratensauce oder Sahnesauce, Preiselbeermarmelade und eingelegten Gurken. Serviert mit Kartoffelbrei, wird das Gericht zur magenfüllenden Hauptspeise. Die köttbullar werden außerdem gern als weihnachtliches Hauptgericht auf dem schwedischen julbord serviert.

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Rezept:

 

Zutaten für vier Personen:

500 g Hackfleisch oder veganes Hack   •   2 EL Paniermehl/Semmelbrösel   •   1 gehackte Zwiebel    •   1 Ei oder 2 EL Tomatenmark   •   Salz und Pfeffer nach Belieben   •   Paprikapulver nach Belieben   •   Knoblauch nach Belieben   •   Margarine

 

Zubereitung:

Hackfleisch zusammen mit den Semmelbröseln, der gehackten Zwiebel, dem Ei und den Gewürzen kräftig vermischen. Hände anfeuchten und aus der Masse tischtennisballkleine Bällchen formen. In einer gefetteten Pfanne gut durchbraten. Dabei die Pfanne ab und an leicht schütteln, damit die köttbullar nicht anbrennen und schön in Form bleiben. Zusammen mit Kartoffelbei oder gekochten Kartoffeln und einer Sauce nach Wahl servieren. Preiselbeermarmelade nicht vergessen.

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