Kalter Kaffee macht schön!

 

 

von Thomas Stiegler

Ein Zeichen von Kultur ist der Wille, die Natur zu bändigen, sie nach dem eigenen Wunsch zu formen und sich damit immer weiter von ihr zu entfernen. Also, mit einem Wort, »unnatürlich« zu werden.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte. Man sieht das etwa am Wandel, den das Bild von Schönheit im Laufe der Zeit erlebt hat.

Im Tierreich ist Schönheit noch etwas sehr Einfaches: ein Zeichen von Gesundheit und Kraft und damit das wichtigste Kriterium für die Auswahl eines Partners. Doch bei uns Menschen hat sich die Vorstellung davon, was als schön gilt, immer wieder verändert und an die herrschende Kultur angepasst bis hin zu dem Punkt, an dem wir heute stehen.

Ich will jetzt gar nicht von all den Magermodels sprechen und den seltsamen Wegen der Mode, die anscheinend nur noch dazu dienen, uns hässlich zu machen. Aber interessant ist es schon, wie sehr sich unser Bild von Schönheit etwa von dem unterscheidet, was uns ein Tizian oder Rubens mit ihren vor Leben fast berstenden Figuren als Ideal hingestellt haben.

Aber ich denke, auch unsere Zeit wird irgendwann vergehen und es werden wieder fröhlichere und vor allem lebendigere Tage anbrechen. Denn das Leben beschreitet ja keinen vorgegebenen Weg von A nach B mit einem bestimmten Ziel, auf das wir uns zubewegen. Sondern es ähnelt vielmehr einer Spirale, in die die Menschheit eingebunden ist und in der alles irgendwann wieder kommt.

Schon früher gab es Epochen, in denen Hässlichkeit, also das krankhafte und unnatürliche Aussehen eines Menschen, zu Schönheit stilisiert wurde, und auch diese Zeiten sind irgendwann vergangen und machten einem anderen Ideal von Schönheit Platz.

Eine Epoche, die vielleicht nicht gerade für ihre Hässlichkeit bekannt ist, wohl aber für die Unnatürlichkeit ihrer Zeitgenossen, ist das Barock. Denn abgesehen von dem marionettenhaften Auftreten seiner Menschen (das Ideal der Zeit war die an Fäden gezogene Gliederpuppe) und der gezirkelten Sprache versuchte man sich auch im Äußeren möglichst weit von der Natur zu entfernen (obwohl gerade diese Menschen davon überzeugt waren, vollkommen »natürlich« zu sein).

Büste einer jungen Frau beim Kaffeetrinken, Louis Marin Bonnet, 1774; © Rijksmuseum, CC0

Dabei war eines ihrer wichtigsten Schönheitsmerkmale eine makellos weiße Haut und die Frauen taten beinah alles, um diesem Ideal zu entsprechen. Dazu gehörte es etwa, sich zur Ader zu lassen, Farbe ins Gesicht zu schmieren oder andere, weitaus gefährlichere Mittel.

Und auch die Haare durften auf keinen Fall weich und natürlich fallen, sondern wurden unter eine Perücke gezwängt und dort versteckt.

Welche Ausmaße das annehmen konnte, erfährt man etwa in einem Bericht über den österreichischen Kanzler Kaunitz:

»Um sein Perrücken zu pudern, mußten vier Bediente mit Blasebälgen in einem Zimmer große Puderwolken unablässig in Bewegung setzen, während welcher Zeit Kaunitz auf und niedergehend den feinsten Puder mit seiner Perrücke aufzufangen und zugleich eine richtige Vertheilung desselben zu erreichen suchte.«

 

Und jetzt muss man sich eine Adelige jener Zeit vorstellen, hochgeschnürt im engen Mieder, das Haar gepudert und frisiert und das Gesicht kunstvoll verziert.

Der ein Bediensteter eine Tasse frisch gebrühten Kaffees serviert, dessen heißer Dampf all ihre Bemühungen zunichtemachen würde. Welch Impertinenz!

 

Und so kam es, dass der Kaffee in diesen Kreisen bald nur noch kalt getrunken wurde.

Denn »Kalter Kaffee macht schön«.

Obwohl: »Kalter Kaffee bewahrt die Schönheit« hätte es wohl besser getroffen.

Auch in Buchform: Kulturgeschichten des Kaffees – Rezepte und Anekdoten der europäischen Kaffeehauskultur.

Verwendete Literatur

Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne eine Pdf mit allen Fußnoten zu!

Vollständiger Name: Charles Ogier de Batz, Comte de Montesquiou, Seigneur d’Artagnan

Château de Castelmore, in der historischen Provinz Gascogne. Heute in der Gemeinde Lupiac im Département Gers.

Seigneur de Castelmore, 1570-1635

Bernhard I., genannt le Louche, wurde 960 n.Chr. erster Graf von Armagnac

Mit dem Edikt von Nantes (1598) wurde den Hugenotten (calvinistische Protestanten) religiöse Toleranz und der Erhalt der Bürgerrechte versprochen. Gleichzeitig wurde der Katholizismus als Staatsreligion festgelegt.

1575-1642

Marquis d’Ancre, 1569-1617, italienischer Abenteurer adeliger Herkunft, der unter Maria de‘ Medici zum einflussreichsten Mann Frankreichs aufstieg.

1585-1642, zu empfehlen ist die Monographie von Carl J. Burckhardt: Richelieu

1601-1666

Comte de Treville, 1598-1672

Im Prinzip war er damit der Kommandant, denn über ihm stand nur noch der König als Capitaine der Musketiere.

1638-1715

1602-1661, französischer Diplomat und Kardinal, von 1642-1661 regierender Minister Frankreichs.

– 1648-1653

– Henri de La Tour d’Auvergne, Vicomte de Turenne – gilt in Frankreich als der bedeutendste Feldherr seiner Zeit, vergleichbar etwa mit dem strategischen Genie eines Napoleon.

– Dame de Sainte-Croix

– Übersetzt: „Kapitän über die Welpen der Hunde des Königs zur Hirschjagd“

– Ein vorspringendes Bollwerk eines Festungswalls. Es diente dazu, den Bereich direkt vor der Mauer unter Beschuss nehmen zu können.

– Zitiert nach Wikipedia: Charles de Batz-Castelmore d’Artagnan; https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_de_Batz-Castelmore_d%E2%80%99Artagnan

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