Margarete von Österreich
von Rita Klement
Fortune. Infortune. Fort. Une!
Am 10. Januar 1480 kam in Brüssel Erzherzogin Margarete, die Tochter Marias von Burgund und Maximilians I. zur Welt.[1] Schon im Alter von drei Jahren wurde sie erstmals zum Spielball der Politik. Marias Mutter war früh gestorben, und die Burgunder schätzten ihren jungen Herzog Maximilian wenig. Frankreich nutzte das weidlich, und die zum Teil bestochenen Stände zwangen ihn zum Abschluss des Vertrages von Arras, in dem die Heirat Margaretes mit dem Dauphin Karl besiegelt wurde. Die geforderte Mitgift betrug rund ein Drittel der Ländereien ihrer Mutter![2] Das Kleinkind wurde also nach Frankreich verfrachtet und vermählt. Doch der Aufenthalt währte nicht lange. Als sich für Margaretes Gemahl eine noch bessere Gelegenheit ergab, nämlich über das Brautbett die Bretagne zu erlangen, ließ er die freilich noch nicht vollzogene Ehe annullieren und heiratete Anna von Bretagne, die im Übrigen bereits mit Margaretes Vater Maximilian vermählt war – aber da auch diese Ehe nicht »konsumiert« worden war, wurde auch sie vom Papst aufgelöst.[3]
Doch das Karussell der Mächte drehte sich weiter. Um ein Gegengewicht zu Frankreich zu schaffen, bildeten Maximilian und Ferdinand von Aragon die »Heilige Liga«, die mit der Heirat der Kinder beider Königshäuser besiegelt werden sollte. Margaretes Bruder Philipp heiratete die Infantin Juana, und Margarete selbst sollte Juan ehelichen.[4] Einmal mehr brach sie auf. Die Überfahrt war ein Albtraum. Während eines Sturms nahm Margarete ein Stück Papier und notierte: »Ci gît Margot, gentille Demoiselle, deux fois mariée et morte pucelle« – »Hier liegt das edle Fräulein Margarete, die zwei Mal verheiratete, tote Jungfrau«. Das Papier band sie sich an einen Arm, an den anderen ein Säckchen Münzen. Man sollte die Leiche identifizieren und standesgemäß begraben können. Zum Zeitpunkt dieser nüchternen Handlung war sie gerade 17![5] Doch die Ehe mit Juan dauerte nur knapp ein halbes Jahr, dann starb er. Margarete war schwanger, doch das Kind kam nach Tage dauernden Wehen tot zu Welt.[6]
Es blieb ihr aber keine Zeit für Trauer, denn ihr Vater hatte bereits neue Pläne. Doch den englischen Thronfolger, den polnischen König und andere lehnte die junge Fürstin ab. Erst als Maximilian ihr eine Ehe mit Philibert II. von Savoyen vorschlug, stimmte sie zu.[7] Denn ihn kannte sie aus Kindertagen am französischen Hof.[8] Tatsächlich wurde diese Verbindung überaus glücklich. Doch auch die Ehe mit ihrer großen Liebe währte nicht lang, Philibert starb plötzlich nach einer Jagd. Nun allerdings weigerte sich Margarete, neuerlich aus Staatsräson zu heiraten.[9] Sie widmete sich fortan dem Bau eines Mausoleums für Philibert und sie selbst in Brou. Auf ihrem Sarkophag ließ sie ihre neue Devise verewigen: »Fortune. Infortune. Fort. Une.« – Glück. Unglück. Stark. Allein.[10]
Doch noch war es nicht an der Zeit sich zurückzuziehen. Margarete war erst 24 Jahre alt. Den Rest ihres Lebens widmete sie sich dem Grabmal – und der Politik. Sie erzog nach dem Tod ihres Bruders Philipp dessen Kinder, darunter den späteren Kaiser Karl V., und war tatkräftige Regentin der Niederlande. Sie starb 1530 und ruht seither an der Seite Philiberts.[11]
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