Maria Karolina

von Julia Meister

Maria Karolina – die italienische Maria Theresia

Maria Theresia, das ist bekannt, brachte ihre Töchter gern möglichst gewinnbringend an den Mann, um durch Eheschließung Bündnisse zu festigen und Allianzen zu untermauern. Selten lief dieser Vorgang für die jeweilige Tochter schmerzlos ab; zumeist begab sich die Auserwählte in ein Land, das sie noch nie zuvor betreten hatte und heiratete einen Herrn, den sie aus eigenen Stücken niemals in Erwägung gezogen hätte.

Nun hatten die Töchter Maria Theresias in ihrer Mutter ein starkes Vorbild: Auch wenn sie die Mädchen in unzähligen Briefen und Appellen ermahnte, niemals launisch zu agieren, da Frauen selbstredend liebenswert zu sein haben, so blieb den jungen Damen doch nicht verborgen, wie stolz und machtvoll sich die eigene Mutter auf der politischen Bühne präsentierte. Maria Karolina, deren Lebensgeschichte im Folgenden in all ihrer Eigenwilligkeit geschildert werden soll, war dabei jene Tochter, die „der Mutter nicht im Aussehen, aber charakterlich am ähnlichsten“ war. Gemäß Elfriede Iby entpuppte sich die zweitjüngste Tochter der großen Herrscherin als „eigensinnig und willensstark, mutig und offenherzig, temperamentvoll und mit einem starken Drang nach Unabhängigkeit ausgestattet“. Eine facettenreiche Frau, die sich vom Schicksal nicht unterkriegen ließ, manchmal unsagbar litt, jedoch niemals ihren Stolz und ihre Durchsetzungsfähigkeit verlor!

Ganz wie ihre Schwester Maria Antonia – die spätere Marie Antoinette – war es auch Maria Karolinas Schicksal, von ihrer Mutter zur Bündnisstärkung der Habsburger mit den Bourbonen eingesetzt zu werden. Passend dazu wurde die Charlotte gerufene Habsburgerin auch gemeinsam mit Maria Antonia erzogen.

Erzherzogin Maria Karoline (1752-1814), Königin beider Sizilien, an einem Tisch sitzend, Halbfigur; ©KHM-Museumsverband; Link zum Bild

Bereits im Zuge der Erziehung durch die gemeinsame Aja der beiden Töchter, Gräfin Brandis, wurde Maria Theresia der Standhaftigkeit Maria Karolinas gewahr, als diese mit fünfzehn Jahren einen Erzieherinnenwechsel verlangte. Eine solche Bitte war bei Hofe bis dato noch nie verlautbart worden! Scheinbar wusste die Mutter im Inneren ihres Herzens, dass die Tochter im Recht war – Gräfin Brandis war für die Erziehung Maria Karolinas einfach nicht die Richtige, und dementsprechend geleistete sie dem Wunsch ihrer Tochter Folge. Bereits an dieser Stelle gab es eine Reihe von Ermahnungen der Mutter: Maria Karolina solle sich mehr dem Gebet und ihren Studien widmen, nicht so viel auf Klatsch und Tratsch geben – man werde sie ab sofort genauestens im Blick behalten! Schließlich solle man als Frau liebenswürdig sein, sonst erführe man keine Liebe – ebenso erhebe sie ihre Stimme viel zu laut!

Harte Worte gegenüber einem jungen Mädchen, das zunächst einmal sich selbst finden und dabei eben auch mal laut sein möchte. Die höfische Contenance verbat dies aber! Und umso perfekter auf das höfische Leben getrimmt werden musste Maria Karolina nach dem Tod ihrer Schwester Maria Josepha, welche im Oktober 1767 an den Blattern verstarb: Der junge Mann, welcher eigentlich der Schwester zugedacht war, rückte nach dem Tod Josephas einfach eine Schwester weiter! Maria Karolina sollte also plötzlich an den Prinzen Ferdinand nach Neapel-Sizilien verheiratet werden. Bereits am 3. Februar 1768 wurde der Ehevertrag unterschrieben. In Windeseile machte sich Staatskanzler Fürst Wenzel Kaunitz daran, die junge Karolina auf ihre Rolle als Königin vorzubereiten. Dabei wurde schnell klar, wie blitzgescheit die Fünfzehnjährige war, und welch politisches Kalkül sie besaß.

Wusste Ferdinand überhaupt, welch schöne und kluge Frau man ihm nach Neapel schickte? Nun, seine Reaktion auf das Gemälde des Mädchens, welches man ihm überbrachte, spricht Bände: „Er klatschte sich freudig auf die Schenkel und plante, zu ihrer Begrüßung im Thronsaal ein Sackhüpfen zu veranstalten.“ Dies summiert deutlich den Charakter des Thronfolgers, dessen Erziehung ihm keinerlei Manieren oder höfische Umgangsformen nahegebracht hatte; auch Sprachen und Kunst waren nicht sein Fall.

Die Regierungsgeschäfte, die er einmal zu übernehmen hatte, ignorierte er; stattdessen ging er jagen, spielte mit Bediensteten und war generell zu derben Scherzen aufgelegt. Äußerlich eher langweilig als hässlich, zeichnete sich Ferdinand vor allem durch seine große Nase aus, die ihm den Spitznamen il re nasone einbrachte.

Der junge Mann wurde mit nur acht Jahren zum Nachfolger seines Vaters ernannt – selbiger bestieg nämlich als Karl III. im Jahre 1759 den Thron. Herrschen sollte er einmal über Neapel und Sizilien, die 1811 zum Königreich beider Sizilien fusioniert wurden. Vor wie nach der Großjährigkeitserklärung Ferdinands war der Erste Minister, Marchese Tanucci, praktisch für sämtliche Regierungsbelange zuständig; Ferdinand geriet in eine Art Abhängigkeit. Ebenso wie Ferdinand legte er recht grobe Manieren an den Tag, und hatte darüber hinaus noch eine Aversion gegenüber Frauen. Maria Karolina blickte also ziemlich desaströsen höfischen Umständen entgegen! Das wusste auch Maria Theresia, welche die Tochter dazu anhielt, vorsichtig mit Tanucci umzugehen.

Ferdinand I. von Neapel, Giuseppe Guzzi; © Wien Museum; Link zum Bild

Maria Karolina, die mit ihrem blonden Haar und den blauen Augen als äußerst hübsch galt, wurde am 7. April 1768 von ihrem Bruder Ferdinand pro procurationem vor den Traualtar der Wiener Augustinerkirche geführt. Gekleidet in ein weißes Atlaskleid mit darauf applizierten Myrtenzweigen muss sie hinreißend ausgesehen haben. Maria Karolina ließ es sich nicht nehmen – und das sagt viel über ihren Charakter aus –, ihrem Bruder scherzend zuzuflüstern, dass er ja der falsche Ferdinand sei! Im Anschluss an die Zeremonie gab es ein Abschiedsessen, das Mutter und Tochter gemeinsam einnahmen, bei dem jedoch beiden der Appetit versagte. Anschließend begann für sie die härteste Prüfung ihres kurzen Lebens: Maria Karolina trug nun ein blau-güldenes Reisekleid, verabschiedete sich unter Tränen von der Familie – besonders innig von der geliebten Schwester Maria Antonia –, bevor der 57 (!) Wagen umfassende Zug in Richtung Italien verschwand.

Maria Karolina reiste über Innsbruck. In der dortigen Hofburg, im Sterbezimmer des Vaters, betete sie gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Leopold, dem Großherzog von Toskana. Auf dem langen Weg nach Italien wurde Maria Karolina immer unruhiger, hatte große Angst, Ferdinand nicht zu gefallen – dies beunruhigte selbstverständlich ihren Bruder. Als sich Maria Karolina von ihrem Hofstaat trennen musste, fiel sie weinend der Gräfin Trautmannsdorf in die Arme; auch der übrige weibliche Hofstaat brach in Tränen aus.

Die erste Zusammenkunft des jungen Paares fand in einem in Portobello eigens errichteten Wohnhaus statt. Wie Hanne Egghardt schreibt, war „Ferdinand Neugierde anzusehen […], [während] […] Karoline [wirkte], als würde sie im nächsten Augenblick davonstürmen“. Das Paar begrüßte einander nach Protokoll, wobei Ferdinand einiges an Überwindung brauchte, um seine Braut auch nur auf die Wange zu küssen. Auch in der Kutsche Richtung Gaeta lief es nicht besser, da Ferdinand Maria Karolina mehr oder weniger ignorierte – ein Verhalten, das auch das Diner bestimmte. Die junge Frau ängstigte sich vor einer Zurückweisung, dabei waren es doch vor allem Ferdinands schändliche Manieren, die den Eindruck der Missachtung erweckten!

Am 12. Mai 1768 erfolgte die offizielle Trauung der beiden. Über die Hochzeitsnacht berichtete Maria Karolina der Frau ihres Bruders, Maria Ludovica, welche übrigens gleichzeitig die Schwester von Maria Karolinas Gemahl war (!), der König habe sich „sehr grob und sehr unanständig“ benommen. In Sorge um ihre Lieblingsschwester Maria Antonia, der dasselbe Schicksal drohte, schrieb sie gar an ihre Aja, Gräfin Lerchenfeld:

„Ich hatte für sie (Marie Antoinette) immer besonders viel Zärtlichkeit übrig. Wenn ich mir vorstelle, daß ihr Los das gleiche sein wird wie das meine, möchte ich ganze Bände darüber schreiben. Ich hoffe bloß, daß sie für den Anfang jemanden bei sich hat wie ich, denn sonst – ich gestehe es aufrichtig – ist es zum Verzweifeln und man leidet ein Martyrium … lieber sterben als noch einmal erleben, was ich da erlebte. Jetzt ist alles gut und so kann ich es sagen. Es ist keine Übertreibung, aber wenn mein Glaube nicht gesagt hätte: denke an Gott, so hätte ich mich umgebracht. Da nur acht Tage so zu leben, schien mir eine Hölle …“

„Auf die doppelte Vermählungsfeier …“ (der Erzherzoge Franz und Ferdinand mit den neapolitanischen Prinzessinnen Maria Therese und Luise am 19. September 1790), Quirin Mark; © Wien Museum; Link zum Bild

Das Leben am Hofe Neapels war von der strengen spanischen Etikette geprägt, mit der Maria Karolina, Wildfang der sie war, so ihre Probleme hatte. Rund um die Uhr überwachten diverse gegeneinander intrigierende Bedienstete ihr Handeln, und die fünf mehrgängigen Mahlzeiten am Tag bewirkten, dass sie bald um einiges an Gewicht zulegte. Die Tiere Ferdinands hingegen – seine Katzen, Jagdhunde, Gänse, Hühner und Kaninchen, aber auch Mäuse und Ratten – bevölkerten frei und unbeschwert die kostbaren Gemächer des Palastes. Dies muss ein skurriles Bild abgegeben und für die BewohnerInnen sehr stressig gewesen sein! Aber dabei blieb es nicht, Ferdinand schätzte nicht nur lebende Tiere: So „liebte [er] es, Tiere selbst zu zerteilen und dann blutverschmiert in den Palast zurückzukehren“. Arme Maria Karolina!

In ihrer gewohnten Offenheit schrieb sie abermals an die Gräfin Lerchenfeld:

„Der König ist sehr häßlich von Angesicht … aber man gewöhnt sich daran; im übrigen ist alles an seinem Charakter besser, als man behauptet hat. […] Bisher … war ich klug, sanft und vernünftig, aber ich übernehme keine Verantwortung für das, was geschehen wird. Wenn mir die Geduld ausgeht, wird sie sich nicht so schnell wieder finden. […] Am allermeisten macht mich ungeduldig, daß sich der König für schön und gewandt hält. Er ist weder das eine noch das andere. Ich muß wohl sagen und gestehen, daß ich ihn nur aus Pflicht liebe, … aber er macht nichts von dem, was ich will. Danach können Sie beurteilen, welche Geduld ich haben muß …“

Trotz all dieser widrigen Umstände brachte Maria Karolina es im Laufe ihres Lebens fertig, das Verhalten ihres Ehemannes in geregelte Bahnen zu lenken – und darüber hinaus 18 (manche Quellen sprechen zumindest von 17) Kinder zu gebären! Die außerehelichen Beziehungen ihres Ehemannes kümmerten sie dabei herzlich wenig, es sei denn, es handelte sich um eine Dame von Rang: Selbige wurde dann jeweils kurzentschlossen des Hofes verwiesen.

Auch politisch gewann diese selbstbewusste Tochter Maria Theresias nach und nach mehr Einfluss. Friedrich Weissensteiner beschreibt, dass sie „den König geschickt in politische Gespräche [verwickelte], […] seine Entschlüsse [lobte], […] ihn in seinen Meinungen [bestärkte], […] unaufdringliche seine Schritte lenkte, […] ihn bei seinen Entscheidungen [beriet] und […] ihm ganz nebenbei auch die eine oder andere Unart ab[gewöhnte].“ Bald wussten die Höfe in Wien und Madrid von Maria Karolinas geschickter Einflussnahme, wobei sowohl Karl III. als auch Maria Theresia diese Entwicklung in ihren Briefen auf das Härteste verurteilten! Maria Karolina gebar jedoch im Januar 1775 den Thronfolger, und durfte, zwar erst ab 1778, aber immerhin, die Sitzungen des Staatsrates besuchen – ganz klar, wer hier die Siegerin war! Ferdinands bis dato übermächtige politische Stütze Tanucci hatte sich immer mehr zu Maria Karolinas Feind entwickelt, und sie atmete sicherlich laut auf, als dieser im Oktober 1776 endlich von Ferdinand entlassen wurde. Um die nötigen Staatsreformen voranzutreiben, entsandte Bruder Leopold seiner Schwester den Engländer John Acton, welcher überaus clever und dazu noch sehr ansehnlich war. Zusammen setzte man allerlei Neuerungen durch: Es gab nun eine Stadtwache in Neapel; der Ausbau des Straßennetzes folgte; Friedhöfe wurden in das Stadtumland verlegt; eine Akademie der Wissenschaften wurde ins Leben gerufen, und zu guter Letzt wurden Heer und Marine einer dringend nötigen Neuorganisation unterzogen. Selbstverständlich folgten intrigante Geschichten darüber, dass Maria Karolina mit Acton verbandelt sei und eigentlich sie, und nicht Ferdinand, die eigentliche Regentin war – Lügen, die bis nach Versailles reichten. Diese Tatsache, verbunden mit ihren vielen Schwangerschaften, machte aus Maria Karolina eine nervlich angespannte, schlaflose junge Frau, die zudem aus psychosomatischen Gründen des Öfteren von Magenproblemen gequält wurde.

Eine äußerst bekannte Persönlichkeit aus der englischen Geschichte entwickelte sich ab 1786 zu einer Vertrauten Maria Karolinas: Emma Hamilton, die Ehefrau des englischen Gesandten in Neapel, Sir William Hamilton. Dies jedoch nur am Rande: Emmas Lebensweg ist so vielschichtig und ihre Persönlichkeit so interessant, dass ihr Wirken in einem eigenständigen Artikel unter die Lupe genommen werden sollte.

Der Königspalast von Caserta , etwa 40 km nördlich von Neapel gelegen; ©jomo333

Im August 1790 kehrte Maria Karolina mit ihren Töchtern Maria Theresia und Marie Louise in ihre Heimat Wien zurück – dort sollten die beiden mit Franz (dem späteren Franz II./I.) und Ferdinand, zwei Söhnen ihres Bruders Leopold, der inzwischen den habsburgischen Thron besetzte, vermählt werden. Gleichzeitig wurde Leopolds erst dreizehnjährige Tochter Klementine mit dem Thronfolger Neapels, Francesco, vermählt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann verbrachte Maria Karolina nach den Trauungszeremonien einige Tage in Schönbrunn, um in Erinnerungen an ihre Jugend zu schwelgen. Der Abschied fiel ihr, wie Charlotte Pangels festhält, sichtlich schwer; gleichzeitig ließ sie es sich nicht nehmen, ihrer Tochter Maria Theresia einige gutgemeinte, jedoch stark an ihre eigene Mutter erinnernde Ratschläge mit auf den Weg der Ehe zu geben.

In den frühen 1790er Jahren wurde Maria Karolina von Schicksalsschlägen geradezu überrollt: Erst die Französische Revolution, die ihre Schwester dem Gutdünken der Revolutionäre aussetzte, dann der plötzliche Tod des Bruders Leopold. Hanne Egghardt fasst es treffsicher zusammen, wenn sie schreibt, dass ab sofort „der Hass auf die Franzosen ihr [Maria Karolinas, Anm. d. Verf.] Denken und Handeln [bestimmte]“. Als 1795 Napoleon Neapel-Sizilien vereinnahmen wollte, war dies nur der Anfang des Schreckens: 1798 sah sich die königliche Familie zur Flucht gezwungen; auf der Seereise Richtung Palermo verstarb Maria Karolinas sechsjähriger Sohn in den Armen Emma Hamiltons an einer schweren Erkrankung.

Sich in Palermo sichtlich fehl am Platze fühlend, ergriff Maria Karolina im Jahre 1800 die Chance, mit dem Ehepaar Hamilton und Lord Nelson nach Wien zu fahren, um dort, inmitten diverser von Napoleon vertriebener Familienmitglieder, in der Folge zwei erholsame Jahre zu verbringen. Kaiser Franz II./I. war die selbstbewusste Maria Karolina gesellschaftlich zu ungestüm, zumal sie seine Ehefrau, die ja ihre Tochter war, zu beeinflussen versuchte und generell für Klatsch und Tratsch lebte.

Auf die Vermählung der Erzherzogin Maria Carolina mit Ferdinand von Neapel, Anton Franz Widemann; © Wien Museum; Link zum Bild

1802 durfte Maria Karolina wieder in Neapel einziehen: Fortan lebte sie getrennt von ihrem Ehemann, der stark gealtert und übellaunig geworden war. Über Napoleons Selbstkrönung zum König ganz Italiens im Jahre 1804 reagierte sie erwartungsgemäß erzürnt, und verbarg dies auch nicht vor ihren Korrespondenzpartnern.

Napoleon schwor Rache; im Jahre 1806 mussten Maria Karolina und ihr Hofstaat in Richtung Sizilien fliehen. Aufgrund des Todes ihrer Tochter Maria Theresia, die im Kindbett gestorben war, schwer depressiv und von Gallenkoliken geplagt, machte es sie rasend wütend, dass ihre Enkelin Marie Louise nun auch noch ihren Erzfeind Napoleon ehelichte. Maria Karolina wurde endgültig entmachte, als ihr Ehemann auf Drängen Lord William Bentincks, eines Sonderbevollmächtigten der englischen Krone, die Regierungsgeschäfte an seinen Sohn Francesco übergab. Sie zog sich in eine einsame sizilianische Villa zurück, in der sie sich in ihrer einsamen Wut vor allem dem Schreiben unzähliger Briefe widmete und von epileptischen Anfällen heimgesucht wurde. Es muss eine grauenvolle Zeit gewesen sein, die sie völlig zurückgezogen und in desaströser Gesundheit verbrachte.

Im Jahre 1814 ging es dann abermals nach Wien – Maria Karolinas letzte Reise. Im neben dem Schloss Schönbrunn gelegenen Schloss Hetzendorf nahm sie schlussendlich Quartier, und begrüßte dort sogar ihre Enkelin Marie Louise, die nach Napoleons Verbannung ins Exil auf Elba an den elterlichen Hof zurückgekehrt war. Ihren Urenkel, den Sohn Napoleons, überhäufte die Ex-Königin Neapels mit Geschenken; nach so vielen Schicksalsschlägen war es für sie sicherlich ungemein beruhigend, etwas Familienidyll zu genießen. Noch vor Beginn des Wiener Kongresses verstarb die Tochter Maria Theresias, die ihrer großen Mutter charakterlich so nahestand, in der Nacht vom 7. auf den 8. September 1814 an einem Herzschlag. Maria Karolina wurde 62 Jahre alt, und ähnelte auch darin ihrer Mutter, die mit 63 Jahren ihren letzten Atemzug tat.

Literaturliste

Auf Wunsch versenden wir den Gesamttext samt Fußnoten per Mail an interessierte LeserInnen.

Egghardt, Hanne: Maria Theresias Kinder. 16 Schicksale zwischen Glanz und Elend. Wien 2017.

Gruber, Stephan: „Die Königin von Neapel-Sizilien.“ In: Die Welt der Habsburger. Online: https://www.habsburger.net/de/kapitel/die-koenigin-von-neapel-sizilien [13.03.2021].

Iby, Elfriede: „Die kaiserliche Familie. Maria Theresia, Franz Stephan und die Gründung der Dynastie Habsburg-Lothringen.“ In: Maria Theresia. 1717-1780. Strategin, Reformerin, Mutter. Wien 2017. S. 172-181.

„Maria Theresia“. In: Die Welt der Habsburger. Online: https://www.habsburger.net/de/personen/habsburger-herrscher/maria-theresia [18.03.2021].

Pangels, Charlotte: Die Kinder Maria Theresias. Leben und Schicksal in kaiserlichem Glanz. München 1980.

Univ..-Prof. Dr. Wandruzska, Adam: „Leopold II.“ In: Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon. Hrsg. von Brigitte Hamann. Wien 1988, S. 255-260.

 

 

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