Marianna Martines – die vergessene Komponistin
Marianna Martines – die vergessene Komponistin
von Anja Weinberger
Die vergessene Komponistin der Wiener Klassik
Wenn wir an die Wiener Klassik denken, fallen sofort Namen wie Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven. Doch mitten in dieser Welt lebte und wirkte auch eine Frau, deren Talent und Werke zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind: Marianna Martines.
Wer war Marianna Martines?
Marianna Martines wurde 1744 in Wien geboren und wuchs in einem kulturell geprägten Umfeld auf. Am Michaelerplatz wohnte die Familie Martines im selben Haus, wie Porpora und Haydn. Letzterer erkannte das Talent des Mädchens früh und unterrichtete sie im Klavierspiel. Später erhielt sie zudem Gesangsunterricht und begann, eigene Kompositionen niederzuschreiben.
Ein weiterer wichtiger Mentor im Leben des jungen Mädchens war der Dichter Metastasio, der sie förderte und in die Kreise der Wiener Kulturgesellschaft einführte.
Schon früh war Martines in ganz Europa als vielseitige Musikerin bekannt: als Cembalistin, Pianistin, Sängerin und Komponistin. Außerdem gründete sie in Wien eine Singschule und fand 1773 sogar Aufnahme in die Accademia Filarmonica in Bologna
Die Musikerin starb 1812 an Tuberkulose.
Werke und Bedeutung
Marianna Martines komponierte zahlreiche Sinfonien, Messen, Oratorien, Kantaten und Klavierkonzerte. Ihre Musik ist geprägt vom eleganten Stil der Wiener Klassik und verbindet melodische Klarheit mit einem reichen harmonischen Ausdruck. Besonders bemerkenswert ist zudem, dass Ihre Werke zu Lebzeiten gedruckt und aufgeführt wurden – ein seltener Erfolg für eine Frau im 18. Jahrhundert.
Bekannt war sie auch für ihre »Sonntagsakademien«, musikalische Salons in ihrem Haus, bei denen Komponisten, Dichter und Intellektuelle zusammenkamen. Diese Veranstaltungen hatten großen Einfluss auf das Wiener Kulturleben.
Warum Marianna Martines lange vergessen wurde
Trotz ihres Erfolgs konnte Martines aufgrund gesellschaftlicher Normen keine offizielle Anstellung als Hofkomponistin oder Kapellmeisterin erlangen. Nach ihrem Tod geriet ihre Musik weitgehend in Vergessenheit, während ihre männlichen Kollegen in den Kanon der großen Klassiker aufgenommen wurden. Erst in den letzten Jahrzehnten haben Musikwissenschaft und Ensembles begonnen, ihre Werke neu zu entdecken und aufzuführen. Heute wird sie zunehmend als eine der bedeutendsten Komponistinnen der Wiener Klassik anerkannt.
Fazit: Marianna Martines neu entdecken
Marianna Martines steht exemplarisch für viele Frauen in der Musikgeschichte, deren Talent über Jahrhunderte unsichtbar blieb. Ihre Werke bieten faszinierende Einblicke in die Klangwelt der Wiener Klassik – und sind eine Bereicherung für alle, die über die bekannten Namen hinausblicken möchten.
Wer sich für die Wiener Klassik interessiert, sollte unbedingt auch die Musik von Marianna Martines kennenlernen – angefangen bei ihren schwungvollen Sinfonien bis hin zu ihren ausdrucksstarken Kantaten. Kaum zu glauben, dass diese Musik nicht überall zu hören ist.
Hat Sie die Geschichte von Marianna Martines neugierig gemacht? Sind Sie erstaunt, wieviel es noch zu entdecken gibt? Dann werfen Sie auf jeden Fall einen Blick in Anja Weinbergers Frauengeschichten – Kulturgeschichten aus Kunst und Musik, und entdecken Sie noch viele weitere außergewöhnliche Frauen aus Kunst und Geschichte.
