Pierina Legnani

 

von Anja Weinberger

Pierina Legnani

 

von Anja Weinberger

Die Tänzerin Pierina Legnani (1863-1930) wurde in Mailand geboren und starb auch dort. Sehr wenig nur wissen wir über ihr Leben abseits der Bühne. Niemals wurde über sie in der Klatschpresse berichtet und sie führte ein sehr ruhiges, zurückgezogenes Leben.

Ihre ersten Ballettschritte machte Pierina in der Tanzschule der Mailänder Scala und wurde dort 20-jährig in die Kompanie aufgenommen. Nach einer sehr erfolgreichen Zwischenstation als Primaballerina[1] am Alhambratheater in London kam sie in gleicher Position zurück nach Mailand. 1893 wurde sie nach Sankt Petersburg eingeladen, um dort dem Kaiserlichen Ballett beizutreten.

Dort schlug ihre große Stunde und der Augenblick war nicht mehr weit, in dem sie ihre unübersehbaren Spuren in der Ballettgeschichte hinterlassen würde. Während dieser Jahre war Enrico Cecchetti [2] Lehrer der dortigen Ballettschule und Marius Petipa Choreograf am Mariinski-Theater – eine hochkarätige Besetzung. Petipa wusste um Pierinas außergewöhnliche Technik und passte dieser die auf dem Spielplan stehenden Choreografien an. In Tschaikowskis Schwanensee fügte er für sie 32 Fouettés en tournant [3] ein, ein Kunststück, das auf der Bühne, d.h. also mit Publikum, zuvor niemand gezeigt hatte. Das Publikum raste und ihre Ballettkolleginnen und -kollegen lagen ihr zu Füßen.

Die Spitzenschuhe der damaligen Zeit waren in den vergangenen Jahren sehr verbessert worden und ermöglichten es der Tänzerin, länger auf der Spitze zu bleiben. Überall in den Ballettsälen wurde ausprobiert, was da nun möglich ist, aber Pierina übertraf alle.

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Petipa, damals weltweit der Choreograf schlechthin, kreierte für sie die Rolle der Odette/Odile für die 1895 mit Spannung erwartete Neuinszenierung des Ballettes Schwanensee; Pierina glänzte und ihre Interpretation der Rolle ist bis heute wegweisend. Und sie war es, für die der Zar die neue Bezeichnung »Primaballerina assoluta« [4] schuf. Nikolai Legat, ihr Partner in vielen Inszenierungen, beschrieb Pierina als ungewöhnlich kollegial und wissbegierig im Hinblick auf das Können anderer.

1901 verließ die Tänzerin Russland und kehrte nach Italien zurück, von wo aus sie bis 1910 ganz Europa bereiste. Danach blieb sie dem Tanz als Mitglied der Prüfungskommission der Mailänder Scala erhalten. Pierina Legnani starb 1930 und ist auf dem Friedhof ihres letzten Wohnsitzes am Comer See begraben.

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Fußnote

[1] Solistin

[2] C. ist einer der berühmtesten Pädagogen der Ballettgeschichte und seine Methode wird bis heute benutzt.

[3] Drehung auf der Spitze eines Fußes, während dem das andere Bein bei jeder Drehung erneut Schwung nimmt. Frz. »fouetter« – peitschen oder schlagen.

[4] Größte Tänzerin ihrer Zeit

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