Raoul Dufy und seine Normandie

von Anja Weinberger

»Maler können eigentlich nur im maritimen Klima geboren werden.«

»Ich kenne das Meer als Badender, als Seefahrer und als Maler. Als Maler ist es mir am liebsten.«[1]

Der Maler Raoul Dufy war im Laufe seines Lebens erst Impressionist, dann Fauvist und schließlich Kubist. Geboren wurde er 1877 in Le Havre in der Normandie. Die feinen Sandstrände und das außergewöhnliche Licht haben seine Malerei inspiriert. Obwohl er gerne und viel reiste, blieb die Côte Fleury sein Lieblingsmotiv. Seine Bilder sind in allen Schaffensphasen stark vom »Lumière-Couleure-Prinzip« bestimmt. Dieses Prinzip von Licht und Farbe lässt ihn eine große Anzahl fröhlicher, lebenslustiger Bilder erschaffen. In unserem Nachbarland Frankreich trägt er deshalb auch zu Recht den Beinamen »Maler der Freude und des Glücks«. In Trouville am Ärmelkanal beobachtete er durch seine Künstleraugen den beginnenden Bädertourismus, aber auch die Fischerei und die noch intakte Natur.

Anfangs gibt er sich auf den Spuren von Caillebotte und Monet völlig dem Impressionismus hin. Das spezielle Licht der Normandie eignet sich hervorragend, um Wasser, Luft und eben das dazwischen – die Horizontlinie – abzubilden. Er malt die Sommergäste in bequemer, aber eleganter Kleidung und er verliebt sich in die vielen Holzstege auf dem Wasser, die seinen Werken Struktur geben. Das bekannte Bild Strand und Pier in Trouville entsteht.

Trouville © LoboStudioHamburg

Im Laufe der Zeit fühlt er sich jedoch eingeschränkt durch dieses bloße Wiedergeben von Gesehenem und interessiert sich ab 1905 für den Fau-vismus. Die grellen Farben faszinieren ihn und er wendet seinen Blick ab vom Meer.

Nun malt er Urbanes. Trouville verändert sich während der Belle Époque, wird lebendiger. Überall hängen Werbeplakate und auch Zäune sind mit Schriftzügen versehen. Sein Bild Plakate in Trouville zeugt von dieser Zeit und seiner Freude am Beobachten – offensichtlich fasziniert ihn die moderne Stadt.

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Auf Cezannes Spuren zieht es Dufy schließlich nach Südfrankreich. Dort entstehen Bilder mit typisch kubistischen Formen, eng gedrängt und voller leuchtender Farben.

In den 20er-Jahren finden wir ihn dann wieder in Deauville, dem Nachbarort Trouvilles. Das Seebad war beim Adel und der intellektuellen Elite sehr beliebt. Tänzer, Maler, Schriftsteller trafen sich hier – gerne auch im Hippodrom.

Die Bewegungen von Pferden und Reitern faszinierten Dufy und führten nun direkt zu seinen berühmtesten Bildern. Licht, Farbe, Bewegung, Linienführung der einzelnen Körper – all das vereint er in einem einzigartigen, farbenfrohen und lebensbejahenden Bilderzyklus.

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[1] Raoul Dufy über seine Auffassung der Malerei und seine enge Beziehung zur See

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