Sonett aus »Romeo und Julia«

 

von Thomas Knorra

William Shakespeare, der Dichter, an dem auch 2022 keine Leserin vorbeikommt, schrieb unter anderem seine berühmten 154 Sonette, die den Höhepunkt einer Entwicklung darstellen, die mit Petrarca ihren Anfang nahm.

Weniger bekannt ist, dass er die Sonettform auch in einige seiner Theaterstücke einfließen ließ, reizvollerweise natürlich in zum jeweiligen Stück passenden Tonfall.

Dieses Sonett eröffnet die Tragödie von Romeo und Julia und liefert uns in 14 Zeilen neben der Vorgeschichte und einem knappen Abriss der Handlung ein erstes Stimmungsbild, aus dem heraus direkt die turbulente erste Szene mit der Massenschlägerei auf dem Markt startet.

William Shakespeare: Romeo und Julia

CHOR:

Zwei Häuser, gleichermaßen würdevoll,
Im heiteren Verona beide sitzen,
Erregen neuen Zwist aus altem Groll,
Wo Bürgerhände Bürgerblut verspritzen.

Ein Liebespaar aus dieser Feinde Lenden,
Seht es in schlimmer Ausweglosigkeit
Sternen-durchkreuzt sein junges Leben enden,
Begräbt mit seinem Tod der Eltern Streit.

Der todgeweihten Liebe grauser Lauf,
Der Fortbestand von ihrer Eltern Wut,
Die erst der Tod der Kinder löste auf,
Kommt auf die Bühne nun, zwei Stunden gut.

Wenn Ihr geduldig euer Ohr uns leiht,
Füllt unser Fleiß, was fehlt, in dieser Zeit.

(Übertragung: Thomas Knorra © 2022. Alle Rechte, insbesondere der Vervielfältigung und Verwertung im Ganzen oder in Teilen vorbehalten)

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