Eine kleine Tee-Geschichte
von Gertrud Teusen
Am Anfang war der Tee noch grün. Er wurde in China entdeckt, und das war, wenn man der Legende glauben will, purer Zufall. Kaiser Chen Nung1 soll ihn vor rund 5000 Jahren entdeckt haben. Einst saß der Herrscher unter einem Busch und hielt einen Becher mit heißem Wasser in der Hand. Ein Windstoß wehte ihm das Blatt eines Teestrauchs in sein Getränk. Verwundert beobachtete er, wie sich das Wasser grünlich verfärbte und einen köstlichen Duft verbreitete. Neugierig beschloss der Kaiser, davon zu kosten.
Jahrtausende später war grüner Tee in China ein Alltagsgetränk. In der Tang-Dynastie (618–906) erschien das erste Buch, Die Heilige Schrift vom Tee. Der Schriftsteller Luh Yü2 trug darin alles zusammen, was die Chinesen bislang über Tee wussten. Allerdings sah der Tee damals anders aus: Die Teeblätter wurden zerstoßen und zu Platten gepresst. Für die Zubereitung rieb man etwas davon ab und bereitete ihn mit Orangenschalen oder Ingwer zu.
Im 14. Jahrhundert erreichte die erste Nachricht über ein wundersames Getränk den europäischen Kontinent. Der portugiesische Jesuitenpater Jasper de Cruz3, der als Missionar in China unterwegs war, brachte 1540 den grünen Tee nach Europa. Es wurde ein Handelsabkommen zwischen Portugal und China geschlossen. Auch die niederländische Handelsschifffahrt beteiligte sich daran. So kam Tee im Jahre 16024 auch im deutschsprachigen Raum auf den Tisch. Dabei wusste man anfangs nicht, was man mit diesen grünen Blättern anfangen sollte. Es ist überliefert, dass die Teeblätter, zubereitet als Gemüse, in Salz gekocht und mit Butter verfeinert, wohl kein besonderes Geschmackserlebnis waren. So ganz falsch lag man damit allerdings nicht, wenn man bedenkt, dass das tibetische Nationalgetränk5 aus grünem Teeaufguss mit Butter und Salz besteht. Nun gut, bald war man schlauer und trank den grünen Tee, weil er gesund war.
Auf einigen Umwegen erreichte der Tee schließlich 1662 auch England. König Charles II. nahm die portugiesische Prinzessin Katharina von Braganza zur Frau. In ihrer Mitgift gab es einige Kisten mit grünem Tee. So kamen die Herrscher auf den Geschmack – nur der Nachschub war teuer, besaß doch Portugal das Tee-Monopol. Zudem gab es Probleme mit der Haltbarkeit. In den Ostindischen Kolonien wurde mittlerweile ebenfalls Tee im großen Stil angebaut. Und eben dort entdeckte man, dass bei entsprechender Behandlung der Teeblätter ein Fermentierungsprozess in Gang gesetzt wurde, der den Tee zum einen schwarz und zum anderen haltbarer machte. Allerdings konnte man grüne Teeblätter mehrfach aufgießen, schwarzer Tee hingegen schmeckt nur beim ersten Aufguss. Den höheren Profit versprach die fermentierte Variante. Und den Briten schmeckte der schwarze Tee mit Milch und Zucker sowieso viel besser.