Unerwarteter Schlussakkord
von Christine Piswanger-Richter
Un-erwarteter Schluss-akkord
von Christine Piswanger-Richter
»… ja, und so ging es dann nahtlos weiter in Brünn.« Das war der übliche Schlusssatz, auch bei unserem letzten Gespräch am 15. Dezember 2022. Es war eine lange Sitzung, denn wir wollten unbedingt einmal die Eckdaten aller Produktionen der Vereinigten Bühnen Wien festhalten.
Es wird Ihnen aufgefallen sein, liebe Leserin, lieber Leser, dass das letzte Kapitel gegen Ende ein wenig arm an Erlebnisschilderungen ist. Das wäre dann meine nächste Aufgabe gewesen, Caspar nach den »G’schichterln« zu fragen, die sich während der letzten VBW-Jahre zugetragen haben. Die Frage nach den »G’schichterln« war der zweite Running Gag in unserer Zusammenarbeit, neben dem »… so ging das immer weiter«. Zu Beginn unserer Interview-Sitzungen war es nämlich gar nicht so einfach, Caspar Richter Details zu entlocken. Er warf mir im flotten Stakkato einzelne Fakten-Häppchen hin und reagierte zunächst nicht auf meine Nachfragen nach den besonderen Vorkommnissen. Mit der Zeit hatte ich gelernt, dass es für ihn wichtig war, zunächst ein Gerüst an Informationen zu bauen und später wurde dieses Gerüst dann mit soliden Geschichten verbaut. Nach einigen Sitzungen fragte er dann schon selbst: »Hab’ ich da schon ein G’schichterl dazu erzählt?« Da konnte er sehr nett meinen wienerischen Zungenschlag imitieren. Sicherlich hätte er für unsere nächste Sitzung einige Anekdoten vorbereitet. Am 22. Januar 2023 hatten wir den letzten Kontakt.
Caspar Richter war zuvor in Rom gewesen und hatte dort sein Handy verloren. Er hatte allerhand zu tun, Anfang Februar wollten wir dann weitermachen. Aber dazu kam es nicht mehr, denn Caspar Richter starb überraschend am 2. Februar 2023, Luzia Nistler informierte mich bereits am frühen Nachmittag über seinen Tod, und viele seiner Weggefährten gedachten seiner in sehr berührenden Facebook-Postings. (…)
Zum Schluss:
Was tun mit den bisher ausformulierten Erinnerungen und den vielen weiteren Rechercheergebnissen? Nach einem gewissen »Pietätsabstand« und der rechtlichen Abklärung, entschloss sich die Ghostwriterin Christine Piswanger-Richter, zur Autorin zu avancieren, und begann viele weitere künstlerische Weggefährten Caspar Richters zu interviewen. So vervollständigen die Erinnerungen von Carin Filipčić, André Bauer, Michael Kunze, Pia Douwes, Drew Sarich, Walter Lochmann, Horst Hausleitner und vielen, vielen mehr das Buch. Caspar Richter wollte es anlässlich seines 80. Geburtstages im September 2024 veröffentlichen. Diesen Wunsch erfüllen wir nun gemeinsam posthum.

