Viktorianische Literatur – eine Art Vorwort…

 

 

 

von Christiane Wilms

Viktor-ianische Literatur – eine Art Vorwort…

 

 

 

von Christiane Wilms

das keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sondern lediglich einen groben Abriss der Roman-Gattungen und SchriftstellerInnen geben und einen ersten Eindruck vermitteln soll.

Denn: viktorianische Literatur, die englische Literatur des 19. Jahrhunderts, ist bei uns sehr zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten.

In dieser großen und spannenden Epoche mit ihren bahnbrechenden technischen und wissenschaftlichen Erfindungen und Entdeckungen – die im Gefolge gravierende soziale Umwälzungen mit sich führten – entwickelten sich viele literarische Genres weiter, wurden verfeinert oder entstanden gar neu. Und so zeichnet sich die Unterhaltungsliteratur der viktorianischen Ära durch eine ebenfalls große und spannende Themen-Bandbreite aus.

Die romantischen Grusel- und Schauerromane à la Ann Radcliffe (1764-1823), die Gothic Novels,  wurden von Autoren wie Joseph Sheridan Le Fanu, Wilkie Collins oder Robert Louis Stevenson zunächst weitergeführt, allmählich mit Verbrechern und Ermittlern „angereichert“, bis mit dem Detektivroman der Vorläufer des modernen Krimis entstanden war.

Historische Romane standen bei den ViktorianerInnen hoch im Kurs (Sir Walter Scott) ebenso wie die Gesellschafts- und Bildungsromane, die sich mit den sozialen Missständen, dem gesellschaftlichen Umbruch durch die Industrialisierung oder den Marotten der englischen Gesellschaft befassten. Das geschah zum Teil anklagend (Charles Dickens), zum Teil spöttisch (W.M. Thackeray), zum Teil psychologisch (Emily Brontë), zum Teil realistisch-naturalistisch (Thomas Hardy).

Auch die utopischen Romane kamen im 19. Jahrhundert auf (E. Bulwer-Lytton) und verlegten die Kritik an aktuellen sozialen, wissenschaftlichen und politischen Entwicklungen geschickt in eine ferne Zukunft.

England wurde zur Weltmacht und beherrschte ferne Kontinente – daher wundert es nicht, dass Abenteuergeschichten aus fernen Ländern sich großer Beliebtheit erfreuten (Henry Rider Haggard).

Umso mehr erstaunt es mich, dass in Zeiten der Kinderarbeit und der Kinderarmut ausgerechnet die jüngsten BürgerInnen des Empire als literarische Zielgruppe entdeckt (Lewis Carroll) wurden – die Kinderliteratur eroberte sich ihren Markt.

Tja, und dann gab es da noch die „peinliche“ Literatur. Wie empört reagierten die sittenstrengen ViktorianerInnen auf die Skandalromane um “gefallene” Mädchen oder emanzipierte Frauen und wie gern und viel wurden diese Bücher dann doch gelesen (Mary Elizabeth Braddon).

Religiöse Schriften und Traktätchen waren ebenfalls sehr populär – dieser Kontrast verdeutlicht die Doppelmoral der Epoche. An Frauen wurden hohe sittliche Ansprüche gestellt, bei Männern ein Auge zugedrückt.

A propos Frauen: bemerkenswert ist, dass Frauen einen großen Anteil an der Ausprägung der viktorianischen Literatur hatten. Die Werke Jane Austens (vor-viktorianisch, aber mit Einfluss auf die Epoche), der Brontë-Schwestern, George Eliots, Elizabeth Gaskells (um nur einige wenige zu nennen) drückten der Epoche ihre Stempel auf. Sie mussten ihre Werke zwar meist unter männlichen Pseudonymen veröffentlichen, weil – wie so vieles – auch die Schriftstellerei für Frauen als unschicklich galt. Allerdings gab es da einen männlichen Schriftsteller, der einen Frauennamen benutzte, um mehr Leserinnen zu gewinnen…

Was (fast) alle viktorianischen Romane auszeichnet: ihre SchöpferInnen sind überaus phantasievoll, sie zaubern dreidimensionale Bilder und Szenen, beschreiben ihre Figuren, Gegenstände und Landschaften detailliert, in allen Schattierungen, sie nehmen sich Zeit für ihre Werke. Wir hören den Wind heulen und Balken knarren, riechen den Unrat der Straßen oder das frische Heu auf den Feldern, spüren die Wärme der Sonnenstrahlen – wir lesen einen Film.

Dies sind nur einige Punkte, die mich an viktorianischer Literatur so faszinieren, dass ich sie Ihnen und vielen Menschen vorstellen und das Interesse daran neu beleben möchte. Und das werde ich auf dieser Seite versuchen, vielleicht sind Sie ja mit von der Partie.

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