Wilhelmine von Bayreuth

von Ute-Gabriela Schneppat

Wilhelmine von Bayreuth

von Ute-Gabriela Schneppat

Wilhelmine von Bayreuth

(* 3. Juli 1709 in Berlin; † 14. Okt. 1758 in Bayreuth)

Von den Kompositionen von Wilhelmine von Bayreuth sind heute nur wenige Werke erhalten. Ihr Leben widmete die preußische Königstochter fast ausschließlich der Kunst. So wurde auch das Opernhaus in Bayreuth, heute Weltkulturerbe, unter ihrem Auftrag errichtet.

Kindheit

Wilhelmine war die Tochter des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen, des sog. »Soldatenkönigs« und der Königin Sophie Dorothea. Sie wurde als Friederike Sophie Wilhelmine von Preußen geboren. Sie ist die älteste Schwester von Friedrich dem Großen. Schon in Kinderjahren bekam sie eine umfassende musikalische Ausbildung. So berichtete ihre Mutter in ihren Briefen, dass Wilhelmine bereits mit 6 Jahren auf Schloss Monbijou mit dem Cembalo konzertierte. Unterricht im Lautenspiel erhielt sie teilweise auch gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Friedrich u.a. beim Komponisten und Lautenisten Silvius Leopold Weiss (1686-1750).

»Rien ne me fait plus de plaisir qu’un bell Opera mes oreilles comuniquent les doux accsens de la voix jusqu au fond de mon Coeur.« (»Nichts bereitet mir mehr Vergnügen als eine schöne Oper. Die lieblichen Klänge der menschlichen Stimme dringen mir mitten ins Herz.«) [1]

Zahlreiche Briefe zwischen Wilhelmine und Friedrich sind noch erhalten. Diese zeigen die enge Bindung zwischen den Geschwistern. Vor allem durch die gemeinsame Liebe zur Musik. So musizierten die beiden oft gemeinsam und Wilhelmine begleitete ihren Flöte spielenden Bruder mit dem Cembalo oder der Laute. Sie titulierten liebevoll ihre Instrumente: »la principessa« war die Flöte, die von »Prinz Dickbauch« – der Laute – begleitet wurde.

Die musikalische Ausbildung war Teil eines umfangreichen Ausbildungsprogramm, das Sophie Dorothea ihren Kindern angediehen ließ. Schließlich sollten sie eine »gute Partie« sein. Für ihre beiden ältesten Kinder strebte Sophie Dorothea eine Verbindung mit dem englischen Königshaus an. Beide Kinder, aber vor allem Wilhelmine, litten unter den jahrelangen Heiratsverhandlungen.

Überliefert ist, dass Wilhelmines Kindheit von traumatischen Erlebnissen geprägt war. So berichtete sie von schweren Misshandlungen durch ihre Erzieherin, von der sie bis 1721 unterrichtet wurde.

Bayreuth

Einen tiefen Einschnitt in Wilhelmines Laben stellte der Fluchtversuch ihres Bruders dar. Als Reaktion auf die Unterstützung ihres Bruders dabei wurde Wilhelmine ein Jahr lang in ihren Gemächern eingesperrt. 1731 wurde Wilhelmine dann mit dem Erbprinzen Friedrich von Bayreuth zwangsverheiratet, um den Einfluss Preußens in Franken zu wahren. Ihr einziges Kind, Tochter Elisabeth Friederike Sophie, kam am 30. Aug. 1732 zur Welt. Sie traf aber mit ihrem Mann einen Seelenverwandten: Ihr Ehemann teilte ihre Liebe zur Musik und Kunst und spielte Flöte.

Das Markgrafenpaar hat nach der Übernahme der Regierungsgeschäfte das Leben am Bayreuther Hof komplett umgewandelt: Sie drängten den pietistischen Einfluss zurück und ließen die höfische Festkultur wieder aufleben. Dass Wilhelmine durchaus Zuneigung für ihren Ehemann empfunden haben musste, lässt sich auch an dem Umstand ersehen, dass sie die Mätresse Wilhelmine von der Marwitz ihres Mannes an den österreichischen Grafen Burghauß verheiratete. Ihr Bruder war von diesem Umstand nicht sonderlich erfreut, denn er hatte ein vitales Interesse daran, den Einfluss Österreichs in Bayreuth möglichst gering zu halten. Erst mit der Entlassung der Gräfin Burghauß aus dem Bayreuther Dienst entspannte sich das Verhältnis der Geschwister zueinander wieder.

Ab 1734 nahm Wilhelmine von Bayreuth Unterricht in Komposition, Tonsatz und Generalbass. Ebenso lernte sie in dieser Zeit, Violine zu spielen. Und bekam für kurze Zeit Gesangsunterricht. Sie begann, die ersten eigenen Werke zu komponieren. Von diesen sind heute aber nur wenige überliefert. Ende 1937 übernahm sie zudem die Leitung der Hofmusik.

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Ihr Einfluss in die Kunstwelt von Bayreuth ist bis heute sichtbar. Denn im Rahmen ihrer Tätigkeit als Mäzenin ließ sie das Opernhaus errichten, das 1749 zur Hochzeit ihrer Tochter eingeweiht wurde. Dieses zählt heute zum Weltkulturerbe. Wilhelmine leitete ebenso zwanzig Jahre lang die Bayreuther Oper.

Wilhelmine bemühte sich in Bayreuth eine Hofgesellschaft nach französischen Vorblid zu etablieren. Unterstützung fand sie dabei bei Voltaire, der ihr den Marquis Honneste d’Adhémar als Kammerherrn vermittelte. Weitere französische Adlige folgten an den Bayreuther Hof.

Neben der Musik interessierte sich Wilhelmine von Bayreuth auch für die bildende Kunst, Literatur und weitere Künste. 1752 wurde sie als Schäferin Cleorinda Aracinzia in die römische Accademia dell’Arcadia aufgenommen. Um die Künste miteinander zu verbinden, gründete sie 1756 die Kunstakademie. Die von ihr gesammelten Kunstwerke, vor allem die antiken Stücke, bildeten den Grundstock der Berliner Antikensammlung.

Ihre späten Jahre nach Ausbruch des Kriegens 1756 waren nicht nur durch den Loyalitätskonflikt zwischen den Interessen ihres Bruders und denen Bayreuths überschattet, sondern auch von schweren Krankheiten geprägt.  Wilhelmine starb am 14. Oktober 1758 in Bayreuth und wurde in der Markgrafengruft der Schlosskirche beigesetzt.

Werke

»Die Musik ihrer Oper ›Argenore‹ enthüllt uns Wilhelmine als eine ambitionierte, kenntnisreiche und sorgfältig gestaltende Komponistin: Die handwerklich solide und affektisch differenzierte Ausarbeitung der bemerkenswert groß dimensionierten und mit virtuosem Koloraturenwerk prunkvoll ausgestatteten Arien beeindruckt ebenso wie die deklamatorisch präzise und harmonisch anspruchsvolle Gestaltung der Rezitative.« [2]

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Von Wilhelmines Werken sind heute leider nur wenige erhalten geblieben. Viele sind vermutlich beim Brand des Bayreuther Schlosses 1753 zerstört worden.

Eine Sonate für Flöte und Generalbass in a-moll entstand vermutlich Anfang der 1730er Jahre. Darüber hinaus ist noch die dreiaktige Oper »Argenore« erhalten, deren man autobiographische Züge nachsagt. So handelt sie von einem unbarmherzigen Vater und einer Zwangsheirat dessen Tochter.

Die Urheberschaft für ein Cembalokonzert sowie zweier Arien für die Festa teatrale »L’Uomo« wird inzwischen angezweifelt.

Ausblick

Anlässlich Wilhelmines 200. Geburtstag wurde am 25. April 2009 im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth die Semioper »Wilhelmine« uraufgeführt.  Der Text stammt von Uwe Hoppe, die Musik von Hans Martin Gräbner. Hans Martin Gräbner hat auch ein stilistisch komplett anders geartetes Musical über Wilhelmine geschrieben, das noch auf seine Uraufführung wartet.

Quellen

1 ….. Brief Wilhelmines an Friedrich II., Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, BPH Rep 46 W 17, Bd. II,3, fol. 33 recto. Quelle

2 ….. Wolfgang Hirschmann 1995 im Vorwort zur gedruckten Ausgabe der Argenore-Partitur, Quelle.

Quellen:

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