Zum Geburtstag von Eva Rieger

von Anja Weinberger

Immer schreibt sie über andere – nun soll es einmal umgekehrt sein.

Eva Rieger feiert am 21.11.2021 Geburtstag – den 81.! Herzlichen Glückwunsch!

Eindeutig gehört sie zu den Frauen der ersten Stunde, wenn es um feministische Musikwissenschaft geht. Schon 1981 erschien ihr Buch „Frau, Musik und Männerherrschaft“, welches bereits damals deutlich machte, dass Frauen in Musik, Kunst und Musikwissenschaft systematisch ausgeschlossen werden.

Ihre aufwendig recherchierten und blendend geschriebenen Texte wurden lange Zeit – vielleicht bis heute – als zu negativ empfunden und vom natürlich hauptsächlich männlichen Fachkollegium größtenteils ignoriert. Was für eine Verschwendung.

Denn Eva Rieger hat sich weit vernetzt, ist auch in Randbereichen stets gut informiert und wurde zu Unrecht als „Männerhasserin“ tituliert. Ihnen, den Männern, stand sie das Eingesperrt-Sein in einem Rollen-Stereotyp genauso zu, wie Frauen der jeweiligen Epochen. Sie erforschte Grundsätzliches und beobachtete aufmerksam, versucht, daraus eine gerechtere Zukunftsperspektive zu formen.

Und so fordert sie unermüdlich, Frauen die Möglichkeit zu geben, sich adäquat und ebenbürtig ausdrücken zu können und zu dürfen.

Eva Rieger (2010), © Hans Hablützel • CC BY-SA 3.0 de; Link: zur Lizenz

Eva Rieger wurde in Grossbrittanien geboren und kam 12-jährig nach Deutschland, wo sie das Abitur machte. Danach arbeitete sie als Archivangestellte im Schallarchiv des RIAS Berlin. Während dieser Zeit studierte die junge Frau am Berliner Konservatorium Klarinette und machte das Abschlussexamen. Mit 27 Jahren begann sie schließlich mit dem Studium der Schulmusik und der Anglistik. Danach blieb Eva Rieger in Berlin als wissenschaftliche Assistentin an der Hochschule für Musik und studierte zeitgleich Musik – und Erziehungswissenschaft an der TU. 1976 promovierte sie bei Prof. Dr. Carl Dahlhaus und Prof. Dr. Gerhard Kirchner. Zwei Jahre arbeitete sie danach als Studienassessorin, ehe sie an die Universität Osnabrück ging. Schon kurz darauf wurde sie zur Akademischen Rätin am erziehungswissenschaftlichen Fachbereich der Universität Göttingen ernannt – eine arbeitsintensive und erfolgreiche Zeit. Später lehrte sie in Hildesheim.

Von 1980 bis 1989 war sie Redaktionsmitglied der „Zeitschrift für Musikpädagogik“ und wurde 1981 zur 2. Vorsitzenden des „Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik“ gewählt. Sie nahm an zahlreichen Tagungen und Seminaren teil, die in alle Welt ausstrahlten. Ab 1991 bis 2000 war sie Professorin für Historische Musikwissenschaft mit dem Schwerpunkt „Sozialgeschichte der Musik“ an der Universität Bremen.

Ihre Bücher erschienen außer in Deutschland auch in vielen anderen Ländern; sie hielt Vorträge an den unterschiedlichsten Universitäten innerhalb Europas und den USA und ist Redaktionsmitglied bei mehreren Zeitschriften.

Das „Archiv Frau und Musik“ und der „Internationale Arbeitskreis Frau und Musik e. V.“ in Frankfurt sind ohne Eva Rieger kaum vorstellbar; Frauen wie Barbara Heller, Siegrid Ernst, Luise F. Pusch und Elke Mascha Blankenburg gehören zu ihren Weggefährtinnen, genauso wie Renate Matthei, Gründerin des Verlages „Furore“, der nur Musik von Frauen herausgibt.

Ab 2001 gründete sie gemeinsam mit Mariann Steegmann und Freia Hoffmann das Sophie Drinker Institut in Bremen und 2006 an der Hochschule für Musik und Theater Hannover das Forschungszentrum „Musik und Gender“ zusammen mit Prof. Beatrix Borchard, Prof. Susanne Rode – Breymann und Prof. Annette Kreutziger – Herr.

Ich habe Prof. Dr. Eva Rieger leider immer nur aus der Ferne erlebt, aber selbst da strahlt sie eine enorme Präsenz aus, wirkt immer zugewandt und stets bemüht, anstehende Probleme zu lösen.

Seit 2000 lebt Eva Rieger in Vaduz, eigentlich im Ruhestand, aber eben nur eigentlich.

Verwendete Literatur

Martina Bick (2020): Eva Rieger, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv; URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/eva-rieger; Zuletzt besucht am: 18.11.2021

Freia Hoffmann, Jane Bowers, Ruth Heckmann (Hrsg.): Frauen- und Männerbilder in der Musik. Festschrift für Eva Rieger zum 60. Geburtstag. Oldenburg 2000

Eva Rieger: Frau, Musik und Männerherrschaft. Zum Ausschluß der Frau aus der deutschen Musikpädagogik, Musikwissenschaft und Musikausübung. Berlin 1981 (Ullstein) (2. Auflage mit neuer Einleitung: Furore, Kassel 1988)

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